Baby Louisa hat den Kampf verloren

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Noch im September schwankten die Eltern zwischen Hoffen und Bangen: Eine massive Chemotherapie sollte den seltenen Gehirntumor des Neustädter Babys Louisa stoppen. Am Montag um 5 Uhr 30 schlief das 14 Monate alte Mädchen für immer ein.

Zwischen Hoffen und Bangen: Baby Louisa mit den Eltern im August 2019 vor dem Uniklinikum Regensburg.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Louisas Vorgeschichte

Oberpfalz

"Wie viel dürfen wir Louisa zumuten?" Die Zweifel nagten schon im Herbst an Mutter Illona. "Quälen wir sie mit der Chemo zu sehr?" Auf der anderen Seite: Welche Eltern brächten es übers Herz, eine noch so kleine Chance verstreichen zu lassen, die das Leben des eigenen Kindes retten könnte? Wenn Louisa aus ihrem Kinderwagen heraus strahlte, schien sie sagen zu wollen: "Ich will leben." Die Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt.

Zu schwach für eine Reise

Erfüllt haben der Kleinen dagegen Mutter Ilona, Vater Timo Stamminger, und Bruder Pascal alles, was sie ihr von den Augen ablesen konnten. Der Wunsch, einmal gemeinsam das Meer zu sehen, ging nicht mehr in Erfüllung: "Nach dem sechsten Chemoblock war Louisa zu schwach für eine solche Reise", sagt Ilona mit dünner Stimme. Als die Familie am 10. Februar von einem Entlastungsurlaub zurück kam, brachen die Ärzte die Therapie ab. "Ihr Zustand hatte sich innerhalb von drei Wochen so verschlechtert, dass es keinen Sinn mehr hatte."

Der Tumor war weiter gewachsen, hatte die Hirnhaut angegriffen. "Linke Hand und linker Fuß waren gelähmt, zum Schluss konnte sie nur noch liegen." Ilonas Stimme ist brüchig. "Sie bekam Nahrung über eine Magensonde, aber auch die konnte sie nicht mehr behalten." Die Familie bricht ins Allgäu auf zum nächstgelegenen Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach: "Wir haben als Familie beschlossen, Louisa keiner sechswöchigen Hochdosischemo mehr auszusetzen, nur um etwas Zeit zu gewinnen", erklärt die Mutter, "wir wollten ihr stattdessen so viel schöne Zeit wie möglich mit uns zusammen schenken."

Louisa und der Marienkäfer: So viel Lebensfreude.

"Sie hat mich noch einmal angeschaut"

Louisa wird dort ärztlich bestens betreut: "Wir haben uns super aufgehoben gefühlt, konnten uns ganz auf unser Kind konzentrieren, alles andere übernahmen die Pfleger." Um Bruder Pascal (15), der schwer unter der Situation leidet, kümmerte sich ein Sozialpädagoge.

Die so gestärkte Familie wagt den Anlauf, ihre Kleine daheim in Neustadt zu pflegen: "Das Palliativteam aus Amberg hat sich toll um uns gekümmert," erzählt Ilona, "sie waren alle zwei Tage bei uns, um ihr Morphin zu spritzen." Mit anzusehen, wie sich Louisa vor Schmerzen verkrampft, mit den Zähnchen knirscht, ist kaum auszuhalten. Die Eltern kehren noch einmal für zehn Tage zurück ins Hospiz.

Als es zu Ende geht, sind Mutter, Vater und Bruder bei ihr: "Der Nachtdienst weckte mich um halb fünf Uhr morgens", sagt Ilona, "wir konnten die letzte Stunde noch einmal mit ihr kuscheln." Gegen halb sechs schließt sie die Augen für immer."Sie hat mich noch einmal angeschaut", sagt Pascal.

Leere und Stiche

Jetzt bleibt erst einmal eine große Leere. "Überall liegen Sachen von ihr herum, das gibt mir jedes Mal einen Stich", sagt Timo stockend. "Wenigstens haben wir uns intensiv von ihr verabschieden können", findet er kleinen Trost in der gemeinsamen Zeit. "Wir können uns gar nicht genug bei all denen bedanken, die uns in dieser Zeit so toll unterstützt haben", ergänzt Ilona. "Allen voran beim Palliativteam aus Amberg, der Kinderkrebshilfe um Herbert Putzer in Vohenstrauß und dem Opel-Fanclub Plößberg, der ein Auto für uns hergerichtet hat."

Der Trauergottesdienst für die kleine Louisa ist am Freitag, 14 Uhr in der Neustädter St. Georg-Kirche.

Hilfe für betroffene Eltern:

Kinderkrebshilfe in der Oberpfalz-Nord

Seit 16 Jahren setzt sich der Verein um Vorsitzenden Herbert Putzer dafür ein, Kindern und ihren Familien bei Schicksalsschlägen zu helfen. Zum Teil übernimmt die Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz-Nord die Kosten für notwendige Therapien oder erfüllt nach Möglichkeit Wünsche der Kinder.

Kontakt und Info:

Herbert Putzer, info[at]kinderkrebshilfe-oberpfalz-nord[dot]de

www.kinderkrebshilfe-oberpfalz-nord.de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.