Bei Neuhaus an der Pegnitz: Wolf rennt über Dorfstraße

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Wölfe in und um den Veldensteiner Forst sind keine Seltenheit mehr. Neu ist aber, dass sich eines der Tiere vormittags in eine Ortschaft verirrt. Das ist diese Woche passiert – zehn Kilometer von der Grenze zur Oberpfalz.

Weil sich ein Wolf mitten im Ort hat blicken lassen, herrscht in Höfen Verunsicherung.
von Redaktion ONETZProfil

Von Brigitte Grüner

Vergangenen Sonntagvormittag traute ein Bürger aus dem Neuhauser Ortsteil Höfen seinen Augen nicht. Direkt vor seiner Handykamera rannte ein Wolf quer durch den Ort und über die Hauptstraße. Viele Menschen sind inzwischen verunsichert.

Verliert der Wolf die Furcht vor dem Menschen, wenn er keine Nahrung im Wald mehr findet, fragt der Gemeinderat Stephan Ertl (CSU). Die Leute sorgen sich um ihre Kinder und haben Angst, sie allein zum Spielen nach draußen zu lassen. "Nach solchen Bild- und Videoaufnahmen am Tage ist das auch sehr verständlich." Zusätzlich treibe die Menschen auch die Sorge um, dass der Wolf die in Höfen lebenden Weidetiere reißt, ergänzt Gemeinderat Florian Kastner. Laut Ertl sei der Wolf schon rund zwei Jahre in der Gegend zehn Kilometer westlich von Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach). Durch DNA-Tests habe man dies herausgefunden.

Mehrfach sei das Wildtier auch von den rund um Höfen installierten Wildkameras aufgenommen oder von Augenzeugen beobachtet worden, sowohl nachts als auch tagsüber. Dabei fiel auf, dass sich der Wolf seit einem halben Jahr immer mehr der Ortschaft nähert. Anfang Januar sei er am frühen Morgen in der Nähe des Spielplatzes gesichtet worden, berichten die Gemeinderäte. Später habe er rund 50 Meter von einem Wohnhaus am Ortsrand entfernt ein Reh gerissen. Am vergangenen Sonntag wurde das Tier gefilmt, als es um 9:44 Uhr durch die Ortsmitte lief.

Inzwischen hat die Gemeinde schon reagiert. In einem Schaukasten weist die Rathausverwaltung darauf hin, dass in den vergangenen Tagen auch tagsüber Wölfe gesichtet wurden. "Wir empfehlen, beim Spaziergang im Außenbereich Hunde an die Leine zu nehmen." Ein etwas mulmiges Gefühl haben auch junge Familien, deren Kinder an einem kleinen Hang im Ort Schlitten fahren. "Man denkt natürlich daran und geht in der Dämmerung nicht mehr ganz unbeschwert vom Schlittenberg heim", sagt Florian Kastner. Als Gemeinderat sei er schon mehrfach von Bürgern angesprochen worden, nicht nur aus Höfen, sagt Ertl. "Muss denn immer erst etwas passieren, bevor gehandelt werden darf?" sei eine häufig gestellte Frage.

Aufnahmen aus Wildkameras

Etwa 1800 Wölfe gibt es aktuell in Deutschland, weiß Jagdpächter Andreas Rohrseitz. Im nahen Veldensteiner Forst gebe es ein Rudel, das in den vergangenen drei Jahren auch mehrfach Nachwuchs hatte. Jetzt im Januar sei die Paarungszeit der Wölfe. Ob das einzelne Tier bei Höfen ein junger Wolf aus einer anderen Region ist, der nun Partnerin und Revier sucht, könne weder bestätigt noch dementiert werden. Sicher sei nur, dass nicht nur in Höfen ein Wolf am helllichten Tag gesehen wurde. Auch in Mosenberg und in Horlach sei das passiert.

Nach der Erfahrung des Jagdpächters treibe wohl nicht der Hunger ein Tier in die Nähe von Siedlungsgebieten. "Die Nahrung in den Wäldern ist ausreichend", so Andreas Rohrseitz. In seinem Jagdbogen habe er schon mehrfach Risse von Reh- oder Rotwild gesehen. Die Politik müsse wohl irgendwann entscheiden, ob und in welchem Umfang sich die Rudel weiter vermehren dürfen, so Rohrseitz. Er habe Verständnis für seine Jagdgenossen, die in Sorge sind wegen des Wolfs, der sich offenbar schon sehr an die Menschen gewöhnt hat.

Bürgermeister rät zu Achtsamkeit und Vorsicht

Bürgermeister Josef Springer rät grundsätzlich zu Achtsamkeit und Vorsicht. Er habe den Eindruck, dass sich die Bürger bedroht fühlen. "Für sich selber, ihre Kinder und Haus- und Nutztiere." Es sei einfach das ganze Lebensumfeld davon betroffen. "Dieses Thema kann man auch nicht schönreden!", so der Rathauschef.

Er habe sich deshalb bereits mehrfach an den bayerischen Umweltminister gewandt. Eine Antwort habe er noch nicht erhalten.

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Hintergrund:

Landesamt für Umwelt prüft den Fall

Das Landesamt für Umwelt (LfU) kennt das Video aus Höfen. Ob darauf tatsächlich ein Wolf zu sehen ist, werde noch geprüft, bestätigt eine Sprecherin. Ungewöhnlich wäre es nicht: "In Bayern können überall jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern." Vor allem junge Rüden wandern Strecken von bis zu 50 Kilometer und mehr, heißt es aus dem LfU. "Im Einzelfall können besonders Jungtiere dem Menschen gegenüber unerfahren und neugierig sein." Dies stelle aber keine Gefährdung dar, was die Erfahrung zeige: Seit Rückkehr des Wolfs nach Deutschland 1996 habe es keinen Zwischenfall mit Menschen gegeben. Dennoch rät das LfU "Respekt" vor dem Wolf zu haben, Abstand zu halten und ihm nicht hinterherlaufen. In der Natur sollten keine Essensreste oder Müll zurückbleiben. "Hunde sollte man in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten." (wüw)

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