25.10.2020 - 15:19 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Neue bayerische Gedenkstätten: Wackersdorf geht mit WAA-Protest leer aus

In Bayern fehlen bislang Gedenkstätten für wichtige Ereignisse auf dem Weg zur Demokratie. Der Landtag will das nun ändern. In der Auswahl war auch der Protest gegen die WAA in Wackersdorf. Ein Oberpfälzer Ort wurde aber ausgewählt.

War der Protest gegen die geplante WAA in Wackersdorf ein wichtiges Ereignis auf dem bayerischen Weg zur Demokratie? Darüber war sich ein Auswahlgremium nicht einig.
von Jürgen UmlauftProfil

In Bayern werden demnächst zwölf "Orte der Demokratie" ausgewiesen. An diesen wurde die Demokratie im Freistaat im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte besonders geprägt. In der Oberpfalz wurde vorerst nur das Alte Rathaus in Regensburg ausgewählt, in dem ab 1594 für fast 70 Jahre der immerwährende Reichstag als Vorform des modernen Parlamentarismus zusammentrat. In der Auswahl war auch Wackersdorf in Gedenken an die Bürgerproteste gegen die dort geplante atomare Wiederaufarbeitungsanlage (WAA). Für die Ernennung habe sich im Auswahlgremium aber kein Einvernehmen erzielen lassen, berichtete dessen Ko-Vorsitzender, Professor Ferdinand Kramer. Grund dafür sei gewesen, dass der Widerstand nicht nur friedlich verlaufen sei. Wackersdorf bleibe aber auf der Liste für eine zweite Auswahlrunde.

Bei der Vorstellung der Orte erklärte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) im Landtag, es handle sich um "Schauplätze der bayerischen Demokratie, die Aufmerksamkeit verdienen". Der Landtag wolle mit der Auszeichnung einen "neuen Weg der Erinnerungskultur beschreiten". Ab Herbst 2021 sollen die Orte der Reihe nach eine Gedenkstätte erhalten. Geplant sei ein von Künstlern gestaltetes Objekt sowie erläuternde Informationstafeln. Außerdem sollen die Orte virtuell besucht werden können. Eine begleitende Wanderausstellung wird das Programm abrunden. Insgesamt standen 75 Orte zur Auswahl.

"Die vielleicht größte Gefahr für unsere Demokratie liegt in ihrer vermeintlichen Selbstverständlichkeit", sagte Aigner. Deshalb solle die Geschichte der Demokratie in Bayern an diesen Orten konkret fassbar werden. Sie erhoffe sich vor allem, dass junge Menschen über die in ganz Bayern verteilten Orte einen Zugang dazu fänden, wie die Demokratie im Freistaat erarbeitet und erstritten worden sei. Kramer ergänzte, dass es in Bayern nur wenige Erinnerungsorte der Demokratie gebe. "Die Namen perverser NS-Verbrecher sind Schülern heute geläufiger als die von Menschen, die die Demokratie in Bayern vorangebracht haben", erkannte er als Defizit in der Erinnerungskultur.

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Wackersdorf

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