03.02.2021 - 13:16 Uhr
MantelDeutschland & Welt

Unfallopfer Wolf: Zwei Zusammenstöße in fünf Tagen

Innerhalb weniger Tage sind zwei Wölfe bei Verkehrsunfällen getötet worden. Die Zusammenstöße ereigneten sich auf den Straßen zwischen Mantel und Hütten sowie Hütten und Kaltenbrunn, also in einem Radius weniger Kilometer.

Die Polizei am Unfallort. Innerhalb weniger Tage sind im Bereich Mantel, Hütten, Kaltenbrunn zwei Wölfe nach Autounfällen verendet.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Es ist ein prächtiges Tier, das an diesem regnerischen Dienstag sein Ende im Kofferraum von Hans Lehner findet. Lehner ist seit über 20 Jahren Beauftragter des Netzwerks große Beutegreifer. Der Weidener wird gerufen, wenn es tote Tiere gibt, die auf das Konto des Wolfs gehen, wie etwa Schafe. oder eben tote Wölfe. Innerhalb einer Woche rückte Lehner zweimal auf die Straßen rund um Mantel aus.

Letzte Woche am Freitag, 29. Januar, gegen 5.15 Uhr erfasste ein Mitsubishi einen Wolfsrüden auf der Kreisstraße 21 zwischen Mantel und Hütten. Die 60-jährige Fahrerin hielt sofort an, sicherte die Unfallstelle ab und rief die Polizei Eschenbach an. Sie blieb bis auf den Schrecken unverletzt, am Auto entstand Schaden von 3000 Euro. Der Wolf: mausetot. Es handelte sich um ein Männchen, beachtliche 30 Kilogramm schwer, Schulterhöhe 70 Zentimeter, Länge 1 Meter. Das Gebiss: eindrucksvoll.

Auch bei der Fähe (Weibchen), die am Dienstag vor ein Auto lief, hat Lehner den Eindruck eines guten Allgemeinzustands. In diesem Fall entfernte sich der Fahrer nach Auskunft des Eschenbacher Polizeichefs Werner Stopfer unerlaubt vom Unfallort. Er weist daraufhin, dass es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit gegen das Jagdgesetz handelt. Zeugen sollen sich melden (09645/92040).

Hier wurden die beiden Wölfe totgefahren.

Die Karambolage ereignete sich am Dienstagnachmittag auf der Bundesstraße 299 zwischen Hütten und Kaltenbrunn, also nur wenige Kilometer vom anderen Unfallort entfernt. Ein folgender Verkehrsteilnehmer hielt gegen 16.15 Uhr, weil er das Tier auf der Fahrbahn liegen sah. Er zog den verletzten Wolf auf die Seite, wo das Tier kurz darauf verendete.

Als Beutegreifer-Experte Lehner eintraf, war das Tier tot. Die Fähe ist etwas kleiner als der getötete Rüde von der Vorwoche, sie wiegt etwa 25 Kilogramm. Bei beiden Tieren vermutet Lehner, dass es sich um Jungtiere des letzten Wurfes handelt. Er schließt dies jeweils aus dem Gebiss, das wenig abgenutzt erscheint. Zur genaueren Untersuchung werden die toten Wölfe nach Berlin geschickt - und aus genau diesem Grund landen sie zunächst im Kofferraum von Lehner, dann in der Gefriertruhe des Bundesforstes in Grafenwöhr, ehe es in die Bundeshauptstadt geht.

Nach Auskunft des Landesamtes für Umwelt untersucht das Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung die Wölfe aus der Oberpfalz auf Todesursache und Zustand. Die genetische Analyse, die eine Zuordnung zu einer bestimmten Wolfspopulation möglich macht, erfolgt in Frankfurt bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Das Gebiet, in dem sich die Unfälle ereigneten, wird inzwischen im Monitoring als „standorttreue Wölfe Manteler Forst“ bezeichnet

2020 kein Wolfs-Übergriff auf Nutztiere im Landkreis Amberg-Sulzbach belegbar

Amberg
Ende eines jungen Wolfslebens: Diese Fähe lief am Dienstagnachmittag zwischen Hütten und Kaltenbrunn vor ein Auto. Besonders kuschelig ist ein Wolf übrigens nicht: Das Fell fühlt sich eher nach Rauhaardackel an

Beide Wölfe waren in einem guten körperlichen Zustand.

Hans Lehner, Netzwerk große Beutegreifer

Hans Lehner, Netzwerk große Beutegreifer

Hintergrund:

Sichtung am helllichten Tag: Autofahrerin beobachtet zehn Wölfe

Den Nikolaustag 2020 wird diese Autofahrerin nicht so schnell vergessen. Am 6. Dezember war die Grafenwöhrerin auf der Kreisstraße 21 in Richtung Mantel unterwegs, als gegen 9.40 Uhr vor ihr sechs Wölfe die Fahrbahn überquerten. Die Frau hielt an und beobachtete das Rudel. Drei bis vier weitere Tiere folgten, blieben dann aber stehen und zogen dann langsam nach rechts in eine Wiese ab. Die Autofahrerin rief während der Sichtung die Polizei an und telefonierte mit dem Beamten. Sie konnte über einen Zeitraum von 5 bis 6 Minuten die Tiere sehen, der Abstand betrug geschätzt etwa 30 Meter.

 

 

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