Letzte Gefechte auf Korsika

Im Spätsommer 1943 spitzte sich die Kriegslage dramatisch zu. Die Alliierten waren auf Sizilien und dem italienischen Festland gelandet. Die auf Sardinien stationierte 90. Panzergrenadierdivision sollte nach Korsika übersetzen.

von Redaktion ONETZProfil

Der Rückzug funktionierte, aber die schwachen Wehrmachtstruppen sahen sich nun korsischen Widerstandskämpfern und französischen Kolonialtruppen gegenüber, die - von langer Hand vorbereitet - angelandet waren. Nach heftigen Kämpfen, die sich am Ende um die Hafenstadt Bastia konzentrierten, verließen die letzten deutschen Soldaten Korsika am 4. Oktober 1943 in Richtung Italien.

Die letzten dramatischen Stunden beschreibt Fridolin von Senger und Etterlin, damals Wehrmachtsbefehlshaber auf Korsika, sehr eindrucksvoll: 3000 Mann sollten täglich nach Italien übersetzen, zugleich waren Widerstandskämpfer und die aus Algerien angelandeten französischen Truppen in Schach zu halten. Mit den italienischen Truppen bestand eine Absprache. Sie hielten sich bedeckt, zogen sich ins Innere der bergigen Insel zurück, wurden aber auch rund um Bastia entwaffnet.

Dort bombardierte die Luftwaffe der Alliierten Stadt und Hafen. Allein an einem 25. September 1943 seien elf Transportflugzeuge vom Typ Junkers über Wasser abgeschossen worden, schreibt Etterlin. U-Boote waren eine ständige Gefahr für auslaufende Schiffe. Senger und Etterlin war in der Nachkriegszeit maßgeblich beteiligt am Aufbau der Bundeswehr, sein Sohn Ferdinand war General und zeitweise Nato-Oberbefehlshaber Mitteleuropa.

Schon mit dem Aufflammen der Kämpfe auf Korsika bestand bereits ein Soldatenfriedhof, 1954 erfolgte aufgrund eines Abkommens mit Frankreich eine Neuanlage auf einer zentralen Gedenkstätte, die heute mitten in einem park-ähnlichen Gelände in Bastia liegt. 839 Tote ruhen dort auf einer terrassenförmig angelegten Fläche, darunter 28 Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges.

Die offizielle Segnung erfolgte 1969, anlässlich dieses Jahrestages führte der Landesverband Bayern seine Pressefahrt 2019 nach Korsika durch. Die Feier in Bastia hätte sich würdiger nicht gestalten lassen: Korsische Veteranen, mit Orden am Revers, standen neben dem Hochkreuz des Friedhofs, die Nationalhymnen erklangen.

Oberst Markus Bungert, Luftwaffen-Attache an der Deutschen Botschaft salutierte neben französischen Kameraden, Volksbund-Landesgeschäftsführer Jörg Raab verlas das offizielle Gedenken an alle Gefallenen, Vermissten und die Opfer heutiger Kriege und verfolgten, Michael Gmelch von der Bundeswehruniversität München-Neubiberg trug - auf französisch - das "Gebet für die Vereinten Nationen" vor, am Ende erklang - auf deutsch - aus aller Munde "Großer Gott wir loben Dich".

https://www.volksbund.de/home.html

Information:

In wenigen Wochen begeht der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. sein 100-jähriges Gründungsjubiläum. Am 16. Dezember 1919, ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkrieges, war den Gefallenen eine würdige letzte Ruhe zu gewähren. Heute betreut der Bund 832 Friedhöfe in 46 Staaten, auf denen 2,8 Millionen Tote beider Weltkriege liegen. Mit dem Ende des „Eisernen Vorhangs“ rückte die Betreuungsarbeit auf den Kriegsschauplätzen im Osten in den Vordergrund.

Mit der nun einsetzenden Haus- und Straßensammlung (noch bis 3. November) erhält der Volksbund 70 Prozent der Mittel für seine Tätigkeit. Den Rest steuern Bund und Länder bei. Pro Jahr erreichen den Verein etwa 35 000 Anfragen zum Verbleib von Angehörigen bzw. zum Schicksal von Vermissten. Zur Klärung hat der Volksbund im Internet Angaben zu fast fünf Millionen Toten zur Verfügung gestellt.

Die Arbeit beschränkt sich allerdings nicht auf die Grabpflege. Der Volksbund versteht sich als Mahner zu Frieden und Versöhnung und als Vorkämpfer für die Menschenrechte, er steht ein gegen Verfolgung und Unterdrückung, gegen Nationalismus und Rassismus. Junge Menschen aus ganz Europa führt er zusammen, um dieses Gedankengut in der nächsten Generation zu verankern.

Hintergrund:

Korsika will eines nicht: Ziel des Massentourismus sein. Die Insel kommt ohne Hotelburgen aus, sie will „die Schöne“ bleiben, als die sie schon in der Antike galt. Bizarre Felsformationen entlang der Küsten, malerische Städtchen mit verwinkelten Gassen, fast immergrüne Natur und die zwei Bergrücken mit 50 (!) Gipfeln über 2000 Meter Höhe ziehen heute vor allem Wanderer, Alpinisten, Radfahrer und Biker an.

In der Historie der Insel, die über Jahrhunderte von der Seerepublik Genua geprägt war und die schließlich nach einem Unabhängigkeitskrieg 1769 an Frankreich fiel, sticht besonders eine Episode heraus: 1736 riefen korsische Rebellen den deutschen Abenteurer Baron Theodor von Neuhoff zu ihrem König aus. Dieser Theodor I. war der einzige Monarch, den Korsika je hatte, sein Regiment bestand aber kaum ein Jahr lang.

Wenn der Name Korsika fällt, denkt der Leser in erster Linie an Napoleon. Der Kaiser der Franzosen entstammte einer Familie, die zunächst gegen die französische Herrschaft revoltierte, sich aber nach schmerzlichen Niederlagen mit den neuen Landesherren arrangierte.

Als Nationalheld gilt dagegen Pasquale Paoli, ein enger Freund der Bonapartes, der es aber vorzog, seinen Kampf im englischen Exil fortzusetzen. Diesem Paoli verdanken die Korsen eine der ersten demokratischen Staatsverfassungen. Sie stammt aus dem Jahr 1755, außerdem gründete er die bislang einzige Universität der Insel. (km)

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