Kommentar: Solidarität darf kein Fremdwort in der EU werden

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Ist das deutsch-französische Rettungspaket für die europäische Wirtschaft wirklich ein großer Wurf? Ja, meint Frank Werner. Und er sieht mehr als einen reinen finanziellen Kraftakt dahinter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer gemeinsamen Videokonferenz mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Endlich wieder Bussi-Tage zwischen Deutschland und Frankreich: Die beiden großen europäischen Nationen haben sich auf ein XXL-Hilfspaket für durch die Coronakrise gebeutelte EU-Staaten geeinigt. Angela Merkel und Emmanuel Macron als Solidaritäts Pärchen, ein Mutmacher-Signal - wenn auch nicht direkt aus Brüssel. Für Eurokritiker ist die Nachricht natürlich ein gefundenes Fressen. Neue Mega-Schulden, Deutschland als Melkesel der EU. Und ausgerechnet Italien profitiert am stärksten vom Wiederaufbauplan: Jenes Land also, das einst am lautesten gegen Brüssel gemault hat und seine Staatsfinanzen seit Generationen nicht im Griff hat. Doch es ist etwas passiert in Europa, auf der ganzen Welt, für das niemand etwas kann: Corona hat alle kalt erwischt. Die einen früher, die anderen später. Die einen haben es besser gemanagt, allen voran Deutschland, auch durch Wissensvorsprung. Die anderen wurden erst einmal überrollt, wie Italien. Solidarität heißt das Zauberwort, das für die Europa-Skeptiker ein Fremdwort ist. Gerne wird vergessen, dass Deutschland nicht nur der größte Zahlmeister, sondern auch der größte Profiteur der EU ist. Die Wirtschaft wird auch hierzulande nur mit einem blauen Auge davon kommen, wenn ganz Europa nach der Krise durchstartet. Paris und Berlin haben gezeigt, dass Kompromisse möglich sind. Es geht um eine zeitlich begrenzte Maßnahme, um das politische und ökonomische Überleben der EU zu sichern. Und um ein Zusammenrücken Europas im Wettstreit mit China und den USA.

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