Kommentar: Racial Profiling bei Drogen im Park und Alaba im Ferrari

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Sind anlasslose Polizei-Kontrollen rassistisch? Jürgen Herda kommentiert den Streit um eine Studie zu "Racial Profiling".

Demoteilnehmer halten Plakate mit der Forderung „Nazis raus aus der Bundeswehr“, „Gegen Korpsgeist und institutionellen Rassismus!“ und „Racial Profiling bekämpfen“ hoch.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Horst Seehofer tut der Polizei, anders als er denkt, keinen Gefallen mit seiner Blockade einer Studie zu „Racial Profiling“. Die Polizei braucht das Vertrauen der gesamten Gesellschaft, ihre Neutralität ist so wichtig, wie dass alle Menschen vor den Gesetz gleich sind. Justitia muss deshalb blind sein, die Politik darf es nicht.

Arme Zuwanderer begehen selten Steuerbetrug

Horst Seehofer (CSU) wehrt sich gegen eine Studie zu Racial Profiling.

Deutschland & Welt

Im wirklichen Leben ist die Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit so rassistisch wie die Gesellschaft, aus der sie rekrutiert wird: Ein bestimmter Prozentsatz von Menschen glaubt, dass dunkle Hautfarbe oder eine bestimmte Religion zu kriminellem Verhalten führt – auch wenn die Wissenschaft noch so eindeutig feststellt, dass schon allein das Konzept von Rassen unsinnig ist.

Was dagegen zweifellos existiert, sind soziale und kulturelle Prägungen. Menschen in prekären oder gar perspektivlosen Lebenssituationen sind anfälliger für bestimmte Formen etwa von Beschaffungskriminalität. Anders formuliert: Reiche Weiße verkaufen seltener hochriskant Drogen in einer dunklen Bahnhofsecke, arme Zuwanderer begehen selten Steuerbetrug.

Dunkle Gestalten im Görlitzer Park

Was wir brauchen: eine neutrale Beurteilung, in welchen Situationen anlasslose Kontrollen Sinn machen. Wenn im Görlitzer Park dunkle Gestalten stundenlang rumschleichen, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie Dope im Angebot führen – egal welche Hautfarbe sie haben. Wenn aber David Alaba seinen Ferrari ausfährt, besteht kein Grund, ihn wegen des Verdachts auf Autodiebstahl anzuhalten.

Eine solche Studie kann Vertrauen schaffen, indem sie benennt, wo die Polizei guten Grund hat, Kontrollen durchzuführen. Und offenlegt, wo Strukturen entstanden sind, die Menschen mit dunklerer Hautfarbe diskriminiert – etwa weil es eine rassistische Clique nicht wahrhaben will, dass Geschäftsleute mit Migrationshintergrund legal erfolgreich sein können. Die Politik sollte daraus Schlüsse ziehen und gegebenenfalls die Regeln neu definieren.

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