Kommentar: Ein Leben ohne Leichtigkeit

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Immer mehr Lockerungen ruft die Politik in der Coronakrise aus. Doch von einem normalen Alltag sind wir meilenweit entfernt, meint Frank Werner.

Markus Söder (links/CSU) und Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gehen nach der bayerischen Kabinettssitzung gemeinsam zu einer Pressekonferenz durch den Hofgarten.
von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Auf einmal geht alles ganz schnell: Gaststätten, Freibäder, Kinos, Geschäfte öffnen. Hotels erwarten Gäste. Profifußballer treten wieder um Punkte gegen den Ball. Vorbei die Zeit der Muße und Entschleunigung. Was aber lange noch nicht überstanden ist: dieses seltsame Gefühl der Unsicherheit. Die Angst. Es ist ein Leben ohne Leichtigkeit. Vielen gehen die Lockerungen viel zu schnell, von denen sich auch Markus Söder hat anstecken lassen. Der Ministerpräsident mag über Thüringen schimpfen - derweil geht er den gleichen Weg, wenn auch in bayerisch-gemäßigtem Tempo. Der Bund hat längst nicht mehr das Heft in der Hand. Die Länder bestimmen, wie der Corona-Fahrplan aussieht. Und ganz ehrlich: Kein Mensch weiß, wie die Geschichte weitergeht. In dieser Krise ist nur eines sicher - nämlich, dass nichts sicher ist. Zwar gibt es mittlerweile eine Menge Daten über das Infektionsgeschehen. Aber der Kampf gegen das Virus ist nach wie vor ein Stochern im Nebel.Es gibt keine Garantie, dass strenge Verhaltensregeln ausreichend sind, um die Pandemie erfolgreich zu bekämpfen. Genauso wenig ist es sicher, dass die Lockerungen uns unerbittlich in eine zweite Corona-Welle führen. Wir schrecken sofort auf, wenn in einem niedersächsischen Restaurant, einer Frankfurter Kirche oder einer Oberpfälzer Asylbewerberunterkunft die Zahl der Infizierten explodiert. Dabei sind die Ansteckungsketten allseits bekannt. Deutlich wird dadurch nur: Für den Kampf gegen Corona benötigen wir einen ganz langen Atem. Die Unsicherheit und die damit verbundene Vorsicht sind die besten Trümpfe, die wir im Ringen mit dem Virus in der Hand haben.

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