12.04.2021 - 18:44 Uhr
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K-Frage: Die Oberpfälzer CSU ist fest an Söders Seite

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Noch hat sich die Oberpfälzer CSU mit dem Korb für Markus Söder nicht abgefunden. Vertreter von SPD und Grünen zeigen sich in der K-Frage der Union eher leidenschaftslos - ein Stimmungsbild aus der Region.

Markus Söder (CSU, l), Ministerpräsident von Bayern, sitzt während einer CSU-Veranstaltung neben Albert Füracker (CSU), dem Oberpfälzer CSU-Chef.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Kurz vor der CSU-Präsidiumssitzung meldet sich Bayerns Finanzminister bei Oberpfalz-Medien zu Wort. Von einer Vorentscheidung für die Kanzler-Kandidatur will Albert Füracker noch nichts wissen: "Ich habe gehört, es soll weitere Gespräche mit der CSU geben, um eine Einigkeit herbeizuführen." Schließlich gehe es nicht um die Frage, ob Söder oder Laschet aufs Schild gehoben würden. "Sondern darum, wie wir diese Wahl gewinnen und eine linksideologische Koalition verhindern", sagt der Oberpfälzer CSU-Bezirksvorsitzende.

Füracker: "Den Kanzler wählt der Bundestag"

Als "selbstbewusster Konservativer" will er keinesfalls durch eine falsche Personalentscheidung den Wahlerfolg gefährdet sehen. "Mein dringender Appell geht an alle, in sich zu gehen." Es gehe nicht um Befindlichkeiten der Parteien. Wer die beste Chance hat, müsse Kandidat werden. "Die Umfragen aller Institute sind seit längerem sehr stabil", betont Füracker.

Söder will in der K-Frage in die Fraktionen "hineinhorchen"

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"Sogar die Stimmung in Nordrhein-Westfalen ist laut Umfrage vom Sonntag eindeutig pro Söder." Das könne man nicht unberücksichtigt lassen. Bei der Entscheidung müsse nicht nur das Präsidium, sondern auch die Fraktion eingebunden werden: "Den Kanzler wählt der Bundestag, nicht die Parteigremien."

Doleschal: "Historische Entscheidung“

Christian Doleschal hält die K-Frage für eine Schicksalsentscheidung.

Der CSU-Europaabgeordnete Christian Doleschal aus Brand hängt die K-Frage ganz weit oben auf: „Das ist eine historische Entscheidung.“ Man habe am Montag im RTL-Trend-Barometer gesehen, dass 25 Prozent für die Union noch keine Untergrenze sein müsse.

„Laut dieser Umfrage kämen CDU/CSU mit einem Kandidaten Laschet auf 13, bei einem Kandidaten Söder auf 37 Prozent – so eine Drift ist nicht mehr aufzuholen.“ Kanzlerin Merkel habe die Union stabilisiert, während sich in anderen Ländern konservative Parteien halbiert hätten: „Es ist absolut notwendig, den Entscheidungsprozess breiter aufzustellen.“

Rupprecht: "Söder ist Top-Regierungschef"

CSU-Politiker Albert Rupprecht spricht im Bundestag.

Für den Weidener Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht ist Markus Söder Favorit, "weil er gezeigt hat, dass er ein Top-Regierungschef ist und er in außerordentlichem Maß auch die Bevölkerung gewinnt". Söders Angebot vom Sonntag sei wohl überlegt gewesen. Letztlich müsse die CDU entscheiden, ob sie das annehmen wolle. "Nur wenn die CDU Söder mitträgt, hat der Wahlkampf Aussicht auf Erfolg." Die bisherigen Äußerungen des Präsidiums deutet Rupprecht als Meinungsbild.

"Auch Laschet hat gezeigt, dass er ein großes Bundesland, das er entgegen aller Erwartungen gegen eine beliebte SPD-Ministerpräsidentin gewonnen hat, erfolgreich führt." Im Vergleich zu den Grünen sei er ein anderes Kaliber: "Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass wir im Herbst eine vernünftige, bürgerliche Regierung bilden können."

Reiß: "Stolz auf Kanzler aus Bayern"

Dass Markus Söder das zum Zeug zum Kanzler hat, findet auch der Weidener CSU-Landtagsabgeordnete Stephan Oetzinger: "Er hat in der Pandemie Führungsstärke bewiesen. Deswegen liegt meine Präferenz klar bei Markus Söder." Aber auch Laschet werde die volle Unterstützung von seinem Kreisverband Neustadt/WN erhalten, wenn es auf den Aachener rauslaufe. "Die Union war immer nur dann erfolgreich, wenn CDU und CSU zusammen in eine Richtung marschiert sind."

Das sieht auch dessen Tirschenreuther Landtagskollege Tobias Reiß so. Er will die CSU-Flinte aber nicht voreilig ins CDU-Korn werfen: "Wir brauchen kein Ergebnis, das innerhalb von 24 Stunden getroffen wird." Man müsse jetzt vor allem in die Basis hinein hören und das Ganze vom September her denken. "Wir wären natürlich stolz, wenn es einen Kanzler aus Bayern gäbe."

Die Oberpfälzer JU-Bezirksvorsitzende Stefanie Dippl favorisiert Markus Söder in der K-Frage.

Wenig überraschend geht der Daumen für den Franken bei der JU-Bezirksvorsitzenden Stefanie Dippl hoch: "Markus Söder wäre ganz klar der bessere Kandidat." In dieser Lage sei einer mit Aura gefragt. "Es braucht jetzt klare Kante - und für die steht Markus Söder." Wenn es am Ende Armin Laschet würde, wäre sie schon kurz enttäuscht. "Mein bayerisches Herz schlägt ja mit. Aber natürlich hätte auch er dann meine volle Unterstützung."

Grüne: Bei Umwelt keiner gut aufgestellt

Über die Dynamik der K-Frage innerhalb der Union, möchte sich der Grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt nicht äußern: "Da kenne ich die Innenstruktur nicht gut genug, aber offenbar steht die CDU mehrheitlich hinter Laschet." Für eine mögliche schwarz-grüne Koalition halte er die Kandidatenfrage nicht für entscheidend. "Abschließend kann ich beide hinsichtlich bundespolitischer Fragestellungen nicht einschätzen", sagt der Regensburger.

Beim Thema Umwelt und Klima sieht er keinen der beiden gut aufgestellt. Beim Verhältnis zu den USA und Russland sieht er vor allem Söder als unbeschriebenes Blatt. "Die Distanz zur Union, egal ob CSU oder CDU, ist groß, aber eine Gesprächsmöglichkeit wird es grundsätzlich geben." Die inhaltlichen Schnittmengen zur SPD seien aber deutlich größer. Auch mit der Personalie Scholz könne man gut arbeiten. Eines sei aber klar: "Wer die meisten Stimmen hat, wird den Kanzler stellen", ist sich Schmidt sicher, dass diese Frage mit dem Duo Baerbock/Habeck beantwortet wird.

Schieder: Söder spielt den Zampano

Marianne Schieder ist SPD-Bundestagsabgeordnete und stammt aus Wernberg-Köblitz.

Bayerns SPD-Generalsekretär Uli Grötsch sieht die Kandidatenfelle von Markus Söder bereits wegschwimmen: "Söder meinte immer, man hätte ihn fragen sollen, das hat aber keiner getan - deshalb jetzt die Flucht nach vorne." Die CDU-Führungsgremien aber stünden klar zu ihrem Vorsitzenden Laschet. "Die CDU hat erst vor einem Vierteljahr einen Vorsitzenden gewählt, der wäre dann schon wieder politisch tot." Allerdings habe Laschet auch noch nicht wirklich bewiesen, dass er ein guter Krisenmanager sei. "Wir konzentrieren uns auf unser Programm und kämpfen für einen Wahlsieg der SPD."

Uli Grötsch im Interview mit Oberpfalz-Medien

Weiden in der Oberpfalz

Genervt zeigt von der Debatte zeigt sich die Schwandorfer SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder: "Mir wäre es lieber, wenn man sich um die Probleme des Landes kümmern würde", fordert die Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion. Dazu gehöre, möglichst schnell das Infektionsschutzgesetz zu beschließen: "Wenn man sich die steigenden Zahlen in den Kliniken anschaut, werden wir nicht anders können." Hätten die Ministerpräsidenten gleich nach Ostern die Notbremse gezogen, sehe es anders aus. Schieder glaubt, dass Söder ganz andere Motive zur Kandidatur treiben: "Der hat doch Angst, dass ihn die Maskenaffäre noch einholt, deshalb spielt er den großen Zampano." (jrh/sbö)

 

 

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