18.11.2020 - 16:29 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Der November-Lockdown scheint in Bayern zu wirken. Für Markus Söder kämen Lockerungen aber noch zu früh. Er will die Infektionszahlen vielmehr noch deutlicher drücken.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU).
von Jürgen UmlauftProfil

Von Jürgen Umlauft

München. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schließt eine Verlängerung und teilweise Verschärfung des aktuellen Teil-Lockdowns in den Dezember hinein nicht aus. "Die Zahl der Neuinfektionen stabilisiert sich, aber es gibt noch keinen Rückgang", sagte Söder am Mittwoch in München. Mit den eingeleiteten Maßnahmen sei es zwar gelungen, die Welle zu brechen und das exponentielle Wachstum zu stoppen, doch müsse es das Ziel sein, landesweit wieder eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner zu erreichen.

Das Landesamt für Gesundheit meldete am Mittwoch einen bayernweiten Inzidenzwert von 173. Aktuell liegt nur der Landkreis Kulmbach unter dem Wert von 50. Dem Landesamt wurden 3692 Neuinfektionen übermittelt, inklusive der Nachmeldungen aus den Vortagen. Mit durchschnittlich rund 2500 sanken die Tageswerte dieser Woche auf das Niveau von Ende Oktober. Sie lagen damit deutlich unter dem bisherigen Allzeithoch von 4600 aus der Vorwoche, aber weiter über dem Höchstwert von knapp 2000 aus der ersten Corona-Welle Anfang April.

Söder erklärte, der Inzidenzwert von 50 sei "keine fixe Idee". Nur bis zu diesem sei möglich, Infektionsketten nachzuverfolgen und einen "vernünftigen Weg" einzuschlagen, der aus einer Endlosschleife von Lockdown und Lockup herausführe. Mit den jetzigen Einschränkungen werde es bis Ende Dezember oder Anfang Januar dauern, bis der Wert von 50 wieder erreicht sei. Lockerungen würden zu wieder steigenden Infektionszahlen führen. "Wir dürfen keine beginnend erfolgreiche Therapie zu früh abbrechen", sagte Söder. Zurückhaltender äußerte sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). "Wir sollten nur das beschließen, was wirklich gefordert ist und nicht sicherheitshalber eine Schippe drauflegen", meinte er mit Blick auf negative Folgen für die Wirtschaft.

Für die Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der kommenden Woche forderte Söder ein "gemeinsames Signal der Entschlossenheit". Es müssten dann Entscheidungen getroffen werden, die eine Strategie für den Dezember und den Januar enthielten. "Wir müssen an Weihnachten und Silvester denken, aber auch an den Weihnachtsurlaub", sagte Söder. Er warnte vor neuerlichen "Ski-Abenteuern" in Österreich. "Das sind wir ein gebranntes Kind." Zudem brauche es "seriöse Regeln" für die Schulen und eine "nationale Hotspot-Strategie" für Regionen mit extrem hohen Inzidenzwerten. Sollte eine Verlängerung des Lockdown beschlossen werden, müsse dies wieder mit Hilfen für besonders betroffenen Branchen und Personengruppen verbunden sein, betonte Söder.

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