04.02.2021 - 15:35 Uhr
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Grafenwöhr: US-Armee stoppt Planungen für Truppenabzug aus der Oberpfalz

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Gut fünf Monate hing das Damoklesschwert eines US-Abzugs über Grafenwöhr und Vilseck. Die Abwahl Donald Trumps machte klar, dass dieser wohl nicht kommen wird. Nun geben auch die US-Streitkräfte Entwarnung.

Pioniere der Alpha Kompanie des 91st Brigade Engineer Battalion des US-Heeres bereiten auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr eine Sprengung vor
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Mit dem Amtswechsel in Washington von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten Joe Biden sind alle Pläne für einen Truppenabzug aus Deutschland auf Eis gelegt worden. Der neue US-Verteidigungsminister Lloyd J. Austin III hat eine "sehr, sehr gründliche Überprüfung angeordnet", sagte General Tod D. Wolters, Oberkommandierender der US-Streitkräfte in Europa. Nach deren Abschluss werde Austin in Abstimmung mit den Weißen Haus eine Entscheidung über die künftige US-Truppenpräsenz treffen.

"Ich weiß nicht, wie diese ausfallen wird", sagte Wolters, der auch Nato-Oberbefehlshaber ist. Er verwies darauf, dass der neue Pentagon-Chef zivilen und militärischen Rat einhole. Er wolle sicherstellen, dass seine zivile Führung einen angemessenen Spielraum habe, um eine Entscheidung zu treffen, betonte der US-Luftwaffengeneral. Erst vor sechs Monaten hatte er die Pläne für den vom damaligen Präsidenten Trump angeordneten Abzug von 12 000 US-Soldaten aus Deutschland vorgestellt. Wolters machte am Mittwochnachmittag in einer halbstündigen Telefonkonferenz mit amerikanischen und europäischen Journalisten deutlich, dass er damals lediglich Vorgaben der Trump-Regierung umgesetzt habe.

Freude in Grafenwöhr und Vilseck

Demnach sollten das 2. US-Kavallerieregiment aus Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) mit rund 4500 Soldaten in die USA abgezogen und aus Grafenwöhr rund 1500 Soldaten nach Italien und Belgien verlegt werden, die etwa die Hälfte der in der Oberpfalz stationierten US-Soldaten. Weitere Einschnitte hätten Stuttgart und Spangdahlen getroffen. Besonders der Abzug der Brigade aus der Oberpfalz hatte bei ehemaligen US-Generälen heftiges Kopfschütteln ausgelöst. Denn dieser Verband pflegt enge Verbindungen zu vielen osteuropäischen Nato-Mitgliedern. Verbindungen, die Truppen aus den USA, die für neun Monate nach Europa gebracht werden, nicht haben.

Der bayerische Finanzminister Albert Füracker sprach am Donnerstag von guten Nachrichten aus den USA. In Vilseck wurde die Entscheidung begrüßt. "Mich freut es außerordentlich, dass wir nun hoffen können, dass unsere US-Soldaten und Familien bei uns bleiben können. Sie sind für uns Mitbürger und wir möchten ihnen immer eine Heimat fern ihrer Heimat anbieten", sagte der Vilsecker Bürgermeister Hans-Martin Schertl. Auch der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch begrüßt die Entscheidung.

Die früheren Planungen, die wegen der vorherigen Initiative stattfanden, sind auf Eis gelegt worden.

General Tod D. Wolters, Oberkommandierender der US-Streitkräfte in Europa

General Tod D. Wolters, Oberkommandierender der US-Streitkräfte in Europa

Nun erläutert Wolters, er habe damals Optionen vorgelegt, die unter den Vorgaben der vorherigen Regierung Vorteile versprochen hätten. „Jede einzelne dieser Optionen ist gestoppt worden. Sie werden erneut geprüft, von Anfang bis Ende.“ Das Ziel: Es werde das gesamte strategische Bild in den Blick genommen. „Das ist genau das, was unser neuer Verteidigungsminister braucht: sicherstellen, dass wir weiter die Dinge in Europa tun können, die wir tun müssen, um mehr Frieden zu schaffen.“ Wolters kann auch so verstanden werden, dass die strategische Perspektive unter Trump keine Rolle gespielt hatte.

Die US-Übung Combined Resolve

Grafenwöhr

Telefonat zwischen Austin und Kramp-Karrenbauer

Der US-Kongress hatte bereits mit einer Ergänzung zum Verteidigungsetat verhindert, dass Trump den Abzug noch vor seinem Ausscheiden im Amt beginnen konnte.

Der Kurswechsel unter der neuen US-Regierung war auch schon im Telefongespräch von Austin mit seiner deutschen Amtskollegin Annegret Kramp-Karrenbauer vor wenigen Tagen deutlich geworden. Der Pentagon-Chef, der selbst als junger Offizier in Mittelfranken stationiert war, dankte Deutschland für die Gastfreundschaft für die US-Streitkräfte. Das US-Heer hat unterdessen nach der Winterpause zum Jahreswechsel mit "Combinded Resolve XV" seinen Übungsbetrieb auf den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels wieder aufgenommen.

Über die Sorgen in Grafenwöhr

Grafenwöhr

US-Soldaten beim scharfen Schuss in Grafenwöhr

 

 

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