08.09.2019 - 13:36 Uhr
Gailoh bei AmbergDeutschland & Welt

Serie "25 Jahre Lichtblicke": "Geben ist nie umsonst"

Am Anfang steht ein Spielebus. Da ist sie gerade einmal 18. Sie habe sich einfach engagieren wollen, sagt sie. Mit 18? Man versteht das besser, wenn man weiß, dass das Dasein für andere für Kornelia Schmid Lebenselixier ist.

Kornelia Schmid ist der Lichtblick ihres Mannes Erich, aber nicht nur seiner; sie nutzt ihre vielfältigen Talente, gewonnen im Ehrenamt, inzwischen für Tausende.
von Gabi EichlProfil

Kornelia Schmid (60) pflegt seit Jahrzehnten ihren an Multipler Sklerose (MS) erkrankten Mann, inzwischen mehr oder weniger rund um die Uhr. Die Kraft dafür bezieht sie aus ihrem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement, denn sie sagt von sich selbst, dass sie lieber gibt als nimmt, dass das Geben für sie eine Kraftquelle sei. Denn: „Geben ist nie umsonst“, sagt sie. „Es ist immer etwas, das zurückkommt.“

Die „Achterbahnfahrt“ (Schmid) mit der Krankheit beginnt 1994. In dem Jahr bekommen Erich Schmids gesundheitliche Probleme den Namen MS. Und diese zwei Buchstaben schmieden aus einer Familie, die in drei Generationen unter einem Dach lebt, ein ganz starkes Bündnis. Die Kinder wachsen auf mit der Krankheit des Vaters und werden davon geprägt; der Sohn ist heute Heilerziehungspfleger, eine Tochter Sozialpädagogin in der Pflegeüberleitung. Dass die Oma, Erich Schmids Mutter (83), gelernte Krankenschwester ist, ist allerdings wirklich nur ein glücklicher Zufall. Der 60. Geburtstag Erich Schmids wurde vor wenigen Tagen mit einem großen Fest im Garten gefeiert, bei dem alle zusammengeholfen haben.

Kornelia Schmid gerät durchaus auch an Grenzen, wie sie unumwunden zugibt. Aber dafür habe sie dann den Freiraum für ihr Engagement, das ihr neben anderen auch die Schwiegermutter ermöglicht. Ohne dieses Tun für andere hätte sie die notwendige Kraft nicht über so viele Jahre gehabt, sagt sie. Schmid hat das Elterntelefon des Kinderschutzbundes aufgebaut und neun Jahre lang geleitet, sie ist seit vielen Jahren Spielplatz-Patin in ihrem Ortsteil Gailoh, die Familie nimmt für eineinhalb Jahre einen Pflegesohn auf, zu dem sie heute noch ein gutes Verhältnis hat; sie hat 17 Jahre lang Telefonseelsorge gemacht und ist dafür nach der Arbeit von Amberg nach Weiden gefahren, zurück von einem Abend am Sorgentelefon kam sie gestärkt, energiegeladen. Wenn man nach Hause fahre und einem ein Anrufer, der kurz vor dem Suizid stand, sage, er wolle sich das noch einmal überlegen, „dann können Sie Bäume ausreißen, das ist Glück pur, und diese Kraft habe ich mit nach Hause genommen“.

Kornelia Schmid (im Bild mit Redakteur Markus Müller) hat sich Wellness-Gutscheine gewünscht, die sie in ihrem Verein "Pflegende Angehörige" verteilen wird; ein paar davon gönnt sie sich aber selbst.

Und dann kommt 2017 der Verein „Pflegende Angehörige“ (www.pflegende-angehoerige-ev.de.), unter dem Kirschbaum im Schmidschen Garten gegründet. Und seither ist Kornelia Schmid bundesweit Ansprechpartnerin für pflegende Angehörige, die ihrer Auffassung nach nicht wahrgenommen und entsprechend allein gelassen werden. Sie war inzwischen bei Maybrit Illner, hat lange mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn telefoniert und hat eine Facebook-Gruppe mit mehr als 8000 Mitgliedern, die zur Anlaufstelle geworden ist für Menschen überall in Deutschland, die sich hier Rat holen und diesen auch bekommen. Aber der Verein wie auch die Facebook-Gruppe ist nicht nur eine Selbsthilfegruppe, beide haben konkrete Forderungen an die Politik, die sie neben anderen in der Person von Kornelia Schmid durchzusetzen versuchen. Und einiges wurde schon erreicht. Zum Beispiel die unabhängige Fachstelle für pflegende Angehörige in Amberg. Ein Lichtblick für viele.

Kornelia Schmid ist der Lichtblick ihres Mannes Erich, aber nicht nur seiner; sie nutzt ihre vielfältigen Talente, gewonnen im Ehrenamt, inzwischen für Tausende.
Info:

Zur Person: Kornelia Schmid

Kornelia Schmid beginnt ihren Berufsweg als Angestellte bei einem Rechtsanwalt und wechselt bald schon als Bürokraft zur Bundeswehr, bei der sie die verschiedensten Stationen durchläuft: Kaserne, Krankenhaus, Standortverwaltung. 2015 hat sie die Möglichkeit, in Rente zu gehen. Sie könnte auch nicht mehr arbeiten, sagt sie, denn ihr Mann braucht inzwischen rund um die Uhr Hilfe. 1994 wird bei dem gerade einmal 35-jährigen Polizeibeamten Multiple Sklerose diagnostiziert. Kornelia Schmid und die drei Kinder wachsen in die zunehmend zeitintensive Pflege des Ehemanns und Vaters hinein. Und Kornelia Schmid findet die notwendige Kraft dafür nicht etwa in Auszeiten, das auch, aber in erster Linie in ehrenamtlichem Engagement, das für sie nicht kräftezehrend ist, sondern Kraft spendend.

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