31.01.2020 - 12:43 Uhr
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Luchs: Prachtexemplar in Flossenbürg

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Der Luchs ist da. Und was für ein Prachtkerl. Hans Hann (Bayerische Staatsforsten) ist Beauftragter für Luchs-Monitoring. Gleich drei seiner Fotofallen liefern Bilder von erstaunlich guter Qualität. Alle Bilder jetzt im onetz.

Der Flossenbürger Luchs. Markant sind die schwarzen Flecken am Vorderlauf und das Pünktchenmuster an den Schenkeln. Insgesamt ist das Tier von drei Kameras fotografiert worden.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Vor 150 Jahren waren die „Pinselohren“ in Westeuropa weitgehend ausgerottet. In den 50ern wanderten erste Tiere aus dem tschechischen Böhmerwald in den Bayerischen Wald ein. Seit 2016 gibt es die erfolgreiche Wiederansiedelung mit aktuell zwei Luchsen im Steinwald. Jetzt also Flossenbürg im Oberpfälzer Wald.

Seit fünf Jahren beteiligt sich die Bayerische Staatsforsten Flossenbürg am „Luchsprojekt Bayern“ unter Regie der Landesanstalt für Umwelt (LfU). Sechs Kameras wurden auf den Höhenzügen entlang der Grenze angebracht. Zwei, drei Jahre tat sich gar nichts. Dann meldeten Jäger einzelne Sichtungen. Es kursierten Schnappschüsse privater Wildkameras. Solche Hinweise nimmt die LfU zur Kenntnis, aber mit Vorsicht. „Da wird allgemein viel Fake betrieben“, sagt Forstbetriebsleiter Stefan Bösl. Ein angeblich aktuelles Luchs-Bild war ein Vierteljahr zuvor schon in Niedersachsen veröffentlicht worden.

Man traut nur der eigenen Linse. Die Wärmebildkameras lösen aus, wann immer ein Warmblüter vorbeikommt. Ob Mensch oder Fischotter oder Wildschweinrotte. Das Projekt ist datenschutzrechtlich genehmigt; zufällige Aufnahmen von Spaziergängern werden gelöscht. Um die Jahreswende sichtete Hann die rund 600 Bilder der letzten sechs Wochen – und entdeckte den Luchs. Das Tier war von drei Kameras östlich von Flossenbürg abgelichtet worden: bei Waldkirch, der Silberhütte und Hildweinsreuth.

Im März 2019 wurde im Steinwald ein toter Luchs gefunden

Erbendorf

Damit ist erstmals der amtliche Beweis erbracht: Ja, es gibt den Luchs auch hier. Nach Einschätzung der Experten handelt es sich um immer das gleiche Tier. „Ziemlich sicher ein Männchen“, meint Projektleiterin Sybille Wölfl: „ein schöner Kerl.“ Solange das Geschlecht nicht feststeht, bekommt der Flossenbürger Luchs keinen Namen, nur eine Nummer („B92“).

Luchse können über ihr Fell eindeutig identifiziert werden. „Das ist wie ein Fingerabdruck.“ So kann festgestellt werden, aus welcher Population das Tier stammt. Und natürlich hat Sybille Wölfl den Flossenbürger Luchs sofort in die „Fahndung“ gegeben. Bisher Fehlanzeige. Die Steinwald-Luchse haben große Flecken. Im Bayerischen Wald kommt der Typus mit den kleinen Tüpfchen zwar vor. Aber in der Datenbank fand sich „B92“ nicht. Die Fotos wurden jetzt an die tschechischen Kollegen gemailt. 2019 wurden in Bayern 32 Luchse und 17 Jungtiere gezählt. Nicht eingerechnet werden dabei Luchse, die „mal eine Pfote nach Bayern gesetzt haben“ und wieder abgezogen sind.

Für Menschen sind die Wildkatzen ungefährlich. „Luchse sind unsichtbar“, sagt Hann. „Kein Spaziergänger wird je einen sehen.“ Eher umgekehrt: Ein Luchs bleibt bei Annäherung bewegungslos sitzen. Er vertraut auf seine perfekte Tarnung und wird fast immer übersehen.

Bedenken haben schon eher die Jäger. „Die Angst der Jäger, dass der Luchs ihnen die Rehe wegfrisst, ist unbegründet“, sagt Forstbetriebsleiter Bösl. Ein Luchs frisst pro Woche etwa ein Reh, bestreift dazu aber ein Revier von 150 Quadratkilometern. Bei Wildunfällen im Straßenverkehr würde ein Vielfaches getötet. Im Bayerischen Wald war es in den letzten Jahren immer wieder zu Wilderei gekommen. 2019 verurteilte das Amtsgericht Cham einen Jäger zu einer Geldstrafe.

Zeitweise drei Luchse im Steinwald

Friedenfels

Wie wird sich die Luchspopulation entwickeln? Ob der „Lynx lynx“ (so der wissenschaftliche Name) bei Flossenbürg bleibt, wird von einem Partner abhängen. Sollte er sich ansiedeln, könnte der Schulterschluss zwischen Bayerischem Wald und Fichtelgebirge gelingen. Die Voraussetzungen im Wald der Bayerischen Staatsforsten Flossenbürg wären gut: Der Luchs benötigt große geschlossene Waldgebiete mit strukturreichem Mischwald – also genau das, was in Flossenbürg mit dem Waldumbau vorangetrieben wird. „Wichtig wäre die Vernetzung der Gebiete“, sagt Hann: „Das können die Luchse nur selber schaffen.“

Seit 2016 schon Luchse im Steinwald:

"Iwan" aus dem Harz

Luchse suchen sich üblicherweise im Alter von etwa einem Jahr ein eigenes Territorium, in der Regel angrenzend an die Eltern. Manchmal packen sie aber auch ihre „Sieben-Meilen-Stiefel“ aus, sagt Sybille Wölfl. Das beste Beispiel: „Iwan“, einer der beiden Luchse im Steinwald. Im Steinwald hatte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg in Zusammenarbeit mit dem LfU 2016 das verwaiste Weibchen „Fee“ aus dem Bayerischen Wald ausgewildert. 2018 kam „Hotzenplotz“ dazu, ein Kuder (Männchen). 2019 tauchte urplötzlich ein groß gefleckter Luchs auf, der „Hotzenplotz“ in einem Revierkampf den Garaus machte. Man nannte ihn „Iwan“, davon ausgehend, dass es sich um ein osteuropäisches Tier handelte. Wie Sybille Wölfl jetzt berichten kann, stammt „Iwan“ aus dem Harz, identifiziert anhand seines Fellmusters. In Niedersachsen läuft ebenfalls ein erfolgreiches Wiederansiedelungsprojekt.

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