Tier des Jahres 2021: Der Fischotter

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Er sieht putzig aus, ist vielen Teichwirten aber ein Dorn im Auge: Der Fischotter. Umweltschützer sehen das anders und verliehen ihm nun den Titel "Tier des Jahres 2021". Keine glückliche Wahl für Teichwirte aus dem Kreis Tirschenreuth.

Ein Fischotter (Lutra lutra) frisst in seinem Gehege im Wildtierpark Wisentgehege Springe einen Fisch.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Er schwimmt schnell und leise und kann bis zu acht Minuten unter Wasser bleiben, um seiner Beute nachzujagen: Der Fischotter. Für die Deutsche Wildtier Stiftung ist der Wassermarder das Tier des Jahres 2021. Die Stiftung habe den Fischotter gewählt, um darauf aufmerksam zu machen, "wie gefährdet er selbst und seine Lebensräume sind", teilte Geschäftsführer Hilmar Freiherr von Münchhausen mit.

Lebensraum wird knapp

"Kaum ein anderes Säugetier verbindet die Elemente Land und Wasser so perfekt wie er. Wo Otter sich wohlfühlen, ist die Natur noch intakt", heißt es aus Hamburg. Besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts seien Fischotter häufig gejagt worden, um an ihren Pelz zu gelangen. Heute ist das nicht mehr erlaubt. Auch der Lebensraum des Fischotters sei gefährdet: Sein natürliches Zuhause und seine Nahrung finde er meist an stehenden und fließenden Gewässern mit schilfreichen Uferzonen. Immer mehr verbaute und kanalisierte Gewässer, trockengelegte Feuchtgebiete und die Vernichtung von Ufern würden ihm das Leben schwer machen. Wie viele Otter es in Deutschland gibt, lässt sich nach Angaben der Stiftung nur schwer schätzen. Früher hätten Fischotter ganze Regionen geprägt, heute lasse sich das Tier in einigen Gegenden überhaupt nicht mehr nachweisen.

Fischotter sind umstritten

Doch das Tier des Jahres 2021 ist umstritten. Immer weniger Fischotter – diesen Eindruck kann Thomas Beer, Teichwirt und Verbandsvertreter der ARGE Fisch aus Tirschenreuth, nicht bestätigen. Ihm sind die Fischotter ein Dorn im Auge, denn sie gefährden Jahr für Jahr den Bestand in der Teichwirtschaft. "Es so darzustellen, dass der Otter gefährdet ist, ist einfach Blödsinn." Seit 2012 sei die Fischotter-Population explodiert. "Der Fischotter ist die größte Bedrohung für die Teichwirtschaft und hat längst Biber und Kormoran den Rang abgelaufen." Dies würden auch steigende Schadensmeldungen und tote Tiere zeigen.

Der Otter sei ein sehr anpassungfähiges Tier, das überall Nahrung finde. "Er frisst sogar große Fische über 15 Kilo und viele Vögel und Enten." Dadurch sieht Beer die Biodiversität an Teichen gefährdet. Auch für Fischwirtschaftsmeister Alfred Stier aus Bärnau ist die Wahl des Fischotters zum Tier des Jahres "maximal daneben". Stier erklärt das an einem Beispiel: "Das ist ungefähr so, als wenn der Borkenkäfer zum Insekt des Jahres gewählt werden würde." Jedes Jahr verursache der "Wasserwolf", wie Stier den Fischotter wegen seiner räuberischen Art auch nennt, enorme Schäden. Im Jahr 2019 seien es rund 1,3 Millionen Euro in Bayern gewesen. Diese Schäden werden mit Entschädigungen vom Staat nicht gedeckt. Das führe häufig dazu, dass viele Wirte ihre Teiche aufgeben müssten.

Der Otter-Managementplan

Schwierig sei es vor allem deshalb, erklärt Stier, weil es kaum Möglichkeiten gebe gegen den Otter vorzugehen. Denn der Fischotter ist ganzjährig geschont. Seit 2013 gibt es allerdings den Fischottermanagementplan. Die Eckpunkte: Durch Beratung, Entschädigung und Einzäunung soll versucht werden den Bestand zu regulieren. Eine neue Säule: Die gezielte Entnahme von Ottern. Noch im Frühjahr war die Entnahme von zwei männlichen Ottern auch im Kreis Tirschenreuth geplant. Doch wegen einer Klage scheiterte die Maßnahme bislang. Zwar verstehe Beer die Ängste und Argumente der Naturschützer, in einer Kulturlandschaft müsse aber reguliert und eingegriffen werden. "Der Verlierer ist am Ende sonst die Natur."

Zwei Fischotter aus dem Kreis Tirschenreuth sollten entnommen werden

Tirschenreuth

Kommentar: Ein Herz für Otter und Fische

Bayern
Hintergrund:

Steckbrief des Fischotters

  • Art: Eurasischer Fischotter (Lutra lutra), Landraubtier, an das Leben im Wasser angepasster Marder
  • Größe: Von Kopf bis Schwanz circa 130 Zentimeter, zwischen 8 und 10 Kilogramm
  • Nahrung: Fische, Enten, Möwen, Bisamratten, Inseketen, Kaninchen, Schnecken, Frösche, Flusskrebse
  • Feinde: Wolf, Luchs, Seeadler
  • Lebensraum: Flache Flüsse mit zugewachsenen Ufern
Hintergrund :

Die letzten fünf "Tiere des Jahres"

  • Tier des Jahres 2020: Maulwurf
  • Tier des Jahres 2019: Reh
  • Tier des Jahres 2018: Wildkatze
  • Tier des Jahres 2017: Haselmaus
  • Tier des Jahres 2016: Feldhamster
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