Meinung: Manche mögen's lascher – Ohne Publikumsliebling Söder verdribbelt sich die Union

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Die K-Frage ist kein Wunschkonzert: Man muss Markus Söder nicht für einen Altruisten, kann ihn aber für den geeigneteren Kandidaten halten. Jürgen Herda kommentiert, dass der Franke die bessere Wahl für eine bürgernahe Demokratie ist.

Riese Markus Söder steht voll hinter CDU-Chef Armin Laschet:
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Man muss kein Söder-Fan sein. Die Laufbahn des vielleicht ehrgeizigsten Franken aller Zeiten war in vielerlei Hinsicht eine wilde Achterbahnfahrt: Vom Strauß-Poster zum JU-Star, von Stoibers Kofferträger zum Umweltminister, vom rücksichtslosen Spalter zum umarmenden Landesvater. Der nächste Schritt: Vom zupackenden Corona-Krisenmanager zum Machtmenschen, der bei der K-Frage zupackt wie Trump beim Händeschütteln.

Ist Markus Söder ein Opportunist? Viele seiner inhaltlichen Wendungen sprechen dafür. Von Horst Seehofer, dem Meister politischer Wendemanöver, unterscheidet er sich vor allem in einem Punkt: Das Nürnberger Kraftpaket trägt die gegenteilige Meinung so herzhaft überzeugend vor, dass ihm die Mehrheit der Bevölkerung das auch abnimmt. Damit entspricht Söder in gewisser Weise dem Idealtyp des Politikers: Frei nach Adams Smith' "unsichtbarer Hand" befördern auch Machtmenschen, die nur nach Wahlerfolgen streben, das Gemeinwohl, weil sie sich an mehrheitsfähigen Vorstellungen der Bürger orientieren.

Aachener Faschingsprinz

Ihm gegenüber steht der sich als Aachener Faschingsprinz generierende Armin Laschet. Sein politisches Profil? Der nette Onkel aus dem Rheinland, der es hinter den Kulissen versteht, Bündnisse zu schmieden. Etwa so wie früher Helmut Kohl. Sein Programm? Mal mehr, mal weniger angezogene Corona-Bremse, etwas Bergmannsromantik und viel "Leben und leben lassen"-Rhetorik. Ist ein Mann, der damit kokettiert Karl dem Großen im Stammbaum zu haben und der bei einer Zustimmung im Westentaschenformat auf seiner Kandidatur besteht, weniger opportunistischer Machtmensch?

Bei der Wahl zwischen Riese Söder und Armin Zwerg spricht nur ein Fakt wirklich für Laschet: Er ist der Kandidat der CDU-Funktionäre gegen den die K-Frage nicht zu gewinnen ist. Im Sinne der Unterscheidbarkeit der Volksparteien, von Bürgernähe und lebendiger Demokratie ist die Union schlecht beraten, den Publikumsliebling aus dem Spiel zu nehmen.

Der Showdown um die Macht geht weiter

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