Faktencheck: Ist Sars-CoV-2 wirklich tödlicher als das Influenza-Virus?

Ein Medizinier äußerte in einem Leserbrief große Zweifel an der Gefahr des Sars-CoV-2 Virus. Das Faktencheck-Team der Deutschen-Presse-Agentur nimmt seine Behauptungen unter die Lupe.

Leserbrief eines Mediziners zum Thema Coronavirus im Faktencheck.
von Agentur DPAProfil

"Ein Arzt der sagt was Sache ist!!!!" (sic!) So kündigt ein Facebook-User den Scan eines Leserbriefes an, in dem ein Mediziner große Zweifel an der Gefahr des Sars-CoV-2-Virus sowie an der Sicherheit der neuartigen mRNA-Impfstoffe kundtut. So heißt es in dem Leserbrief, auch das Influenza-Virus fordere jedes Jahr Tausende Tote, es sei damit ebenso gefährlich wie das Coronavirus. Außerdem: Die rasant entwickelten mRNA-Impfstoffe seien viel zu riskant. Erbinformationen des Virus würden in körpereigene Zellen geschleust, sodass diese umprogrammiert würden.

BEWERTUNG

Mehrere Behauptungen sind falsch oder irreführend. Aktuelle Studien belegen etwa, dass Sars-CoV-2 dreimal tödlicher ist als das Influenza-Virus, das alljährlich gegen Winter grassiert. Die mRNA-Impfstoffe haben übliche Sicherheitsprüfungen durchlaufen, um gravierende Nebenwirkungen auszuschließen. Mit der Impfung verabreichte Genschnipsel des Virus vermögen das menschliche Erbgut nicht zu verändern.

FAKTEN

Die Grippe - ausgelöst durch Influenzaviren - sucht jedes Jahr die nördliche Hemisphäre heim. Doch nicht jede Grippesaison verläuft gleich und fordert, wie behauptet, "Tausende, manchmal zehn Tausende von Toten" (sic!). Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) offenbaren große Unterschiede.

Fiel die Grippe in den Winterhalbjahren 2001/02, 2003/04, 2011/12 oder 2015/16 eher milde aus, kam es beispielsweise 2017/18 zu einer außergewöhnlich starken und tödlichen Welle. Nach RKI-Informationen starben in dem Zeitraum geschätzt 25 100 Menschen, die sich mit Influenza-Viren infiziert hatten. Im vergangenen und aktuellen Winterhalbjahr aber kommt es wieder zu einer eher moderaten Grippewelle.

Tatsächlich gehen Influenza-Infektionen anfangs oft mit ähnlichen Symptomen einher wie Sars-CoV-2-Infektionen: Husten, Halsschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit. Etliche verleitet dies seit Beginn der Pandemie dazu, die Erkrankungen und deren Gefährlichkeit gleichzusetzen.

Tatsächlich ist Sars-CoV-2 weit tödlicher als Influenza-Viren, wie aktuell eine Studie französischer Forscher belegt, bis dato die umfangreichste zum Thema. Die Wissenschaftler analysierten die Daten von über 135 000 Patienten, die sich jüngst mit Sars-CoV-2 beziehungsweise mit Influenza-Viren infizierten.

Das Ergebnis

Lag die Sterberate der Covid-19-Patienten bei 16,9 Prozent, nahm bei Influenza-Patienten die Erkrankung nur in 5,8 Prozent der Fälle einen tödlichen Verlauf; ein Unterschied von nahezu Faktor drei. Zudem mussten deutlich mehr Covid-19- als Grippe-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden, so die Studienautoren weiter.

Mit Auftauchen des neuartigen Coronavirus begann weltweit die Suche nach einem Impfschutz. Der erste in der Europäischen Union zugelassene Impfstoff ist jener der deutsch-US-amerikanischen Pharma-Kooperation Biontech/Pfizer. Es ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff, wie er weltweit noch nie eingesetzt wurde.

Der grundlegende Unterschied

Impfstoffe beinhalten bislang abgeschwächte Erreger oder Teile davon. Die neuen mRNA-Impfstoffe hingegen bestehen selbst aus einem Stück Gencode - aus dem Botenmolekül mRNA. In dieses setzte man ein Stück Bauplan des Corona-Erregers ein.

Dieser bewirkt, dass einige Körperzellen beginnen, Eiweißbruchstücke des Coronavirus zu produzieren. Diesen fehlen jedoch sämtliche krankmachende Eigenschaften. Unser Immunsystem erkennt sie dennoch als körperfremd und entwickelt Abwehrmechanismen.

Die mRNA wird anschließend von der Körperzelle komplett zerlegt, von ihrem Code bleibt nichts zurück. Die Impfung ist damit nicht - wie bei Facebook behauptet - dazu in der Lage, das menschliche Erbgut "umzuprogrammieren". "Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich", heißt es auch auf der Website des Paul Ehrlich-Instituts (PEI).

Die ungewöhnlich rasche Bereitstellung des Impfstoffes hat im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens arbeiteten Wissenschaft und Pharmaentwicklung eng zusammen; Arbeiten, die sonst - wie bei einem Staffellauf - nacheinander erledigt werden, erfolgten so parallel. Zweitens wurde angesichts der Pandemie-Lage das Zulassungsverfahren beschleunigt; es galt ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren. Dabei konnten die Herstellerfirmen sukzessive Berichtete über Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit ihres Präparats einreichen. Erkenntnisse wurden damit schon in der Entwicklungsphase geprüft, nicht erst am Ende. All das beschleunigt das Verfahren erheblich - macht es aber nicht unsicherer, wie es auf der Website des PEI heißt.

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