Faktencheck: Obduktion von Corona-Toten ist erlaubt

Ist der Grund für die Corona-Pandemie gar kein Virus, sondern ein Bakterium? Zumindest per Facebook verbreitet sich diese Information. Ein Faktencheck.

Der Pathologe Bösmüller hat an der Uniklinik in Tübingen seit Ausbruch des Coronavirus die Körper von elf Menschen obduziert, die an einer Sars-CoV-2-Infektion gestorben sind.
von Agentur DPAProfil

In einem Facebook-Post (hier archiviert) wird behauptet, dass in Russland "nach einer gründlichen Untersuchung festgestellt wurde, dass Covid nicht als Virus existiert". Es sei dort eine Obduktion durchgeführt worden - trotz eines angeblichen Verbotes der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Bei der Sektion habe sich herausgestellt, dass es sich bei dem Erreger um ein Bakterium handelt, dass mit Antibiotika behandelbar sei.

BEWERTUNG:

Die WHO hat Obduktionen von Corona-Toten nicht verboten, auch in Deutschland wurden bereits viele Sektionen vorgenommen. Covid-19 wird durch das Virus Sars-CoV-2 ausgelöst, gegen das Antibiotika unwirksam sind.

FAKTEN:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Obduktion von Corona-Toten nicht verboten - im Gegenteil: Sie hat bereits im März 2020 Kriterien veröffentlicht, auf die bei einer solchen Autopsie geachtet werden sollte. Unter anderem wird darin auf die Notwendigkeit ausreichender Raumbelüftung und des Tragens von Masken hingewiesen.

Ergebnisse der Obduktionen von Corona-Toten gesammelt

Auch die Deutsche Gesellschaft für Pathologie und der Bundesverband Deutscher Pathologen plädierten schon im April 2020 für die Sektion von Corona-Toten. Diese sei nötig, um mehr über die Erkrankung "und deren oft erstaunlich fulminanten Verlauf" zu erfahren. Im zentralen Register der Uniklinik RWTH Aachen werden Ergebnisse der Obduktionen von Corona-Toten gesammelt.

Reaktion auf das Virus

Die Desinformation, dass es sich bei Corona um ein Bakterium und kein Virus handelt, kursierte schon im ersten Jahr der Pandemie im Netz. Der Virologe Steven Van Gucht sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass es bei einer Erkrankung mit dem Coronavirus zwar zu einem bakteriellen Infekt kommen könne, dieser aber eher "eine Reaktion auf das Virus" sei. Das Virus selbst könne weder mit Medikamenten wie Aspirin oder Antibiotika behandelt werden. Diese Mittel seien bei der Bekämpfung der Lungenkrankheit Covid-19 "völlig absurd", so Van Gucht. "Wenn es einen Weg gibt, dieses Virus zu stoppen, dann mit einem Impfstoff."

Weitere Faktenchecks finden Sie hier

Deutschland und die Welt

Pressemitteilung DGP:

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.