Faktencheck: Corona-Impfung führt nicht zu Genveränderungen

Die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs gegen Sars-CoV-2 löst Sorgen um dessen Sicherheit aus - und ist mitunter Auslöser für die Falschinformationen und Verschwörungserzählungen. Ein Faktencheck.

Der Impfstoff wurde an Zehntausenden Menschen getestet. Seit dem offiziellen Start der Impfung in den USA, der EU, Großbritannien, Israel oder in anderen Ländern wurden mittlerweile viele Millionen Menschen mit mRNA-Vakzinen geimpft.
von Agentur DPAProfil

Zurzeit verbreitet sich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 auf Facebook ein Sharepic mit einer Aussage des Arztes Walter Weber. Er soll gesagt haben: "Wir werden dabei gentechnisch manipuliert. Und selbst die besten Forscher wissen nicht, was dabei herauskommt. Es können Autoimmunkrankheiten, ... es können Krebskrankheiten dabei herauskommen. Das wissen wir erst in 5 bis 10 Jahren."

BEWERTUNG:

Die Behauptungen über Covid-19-Impfstoffe sind falsch. Forscher haben ihre möglichen Nebenwirkungen geprüft - auch die sogenannten mRNA-Impfstoffe können Geimpfte nicht "gentechnisch manipulieren". Anerkannte Wissenschaftler halten es zudem für abwegig, dass Impfstoffe erst nach Jahren Krankheiten auslösen.

FAKTEN:

Die aktuell kursierende Aussage hat Weber bereits im August 2020 gemacht - als die Impfstoffe gegen Covid-19 in der Prüfung und noch nicht zugelassen waren. Faktenchecker von "Correctiv" haben diese und weitere Falschinformation aus dem Video bereits widerlegt.

Weber ging damals darauf ein, dass die geplante Impfung gegen Corona höchstwahrscheinlich eine "neuartige Impfung" sein werde: "Also nicht, dass man gegen abgeschwächte Erreger impft, sondern es ist eine gentechnische Manipulation". Gemeint sind offenbar die von Biontech/Pfizer und Moderna hergestellten mRNA-Impfstoffe. Der erste wurde in der EU im Dezember 2020, der zweite im Januar 2021 zugelassen.

Bauanleitung für einen Bestandteil des Erregers

Davor gab es keinen zugelassenen mRNA-Impfstoff. Der grundlegende Unterschied dieser neuartigen Impfstoffe zu etablierten Vakzinen: Sie enthalten keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren, sondern lediglich eine mithilfe von Gentechnik hergestellte Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Diese Anleitung wird in Form eines sogenannten mRNA-Moleküls in den Körper geimpft, wo dann die menschlichen Zellen selbst ein Eiweiß des Virus herstellen. Daraufhin wird das menschliche Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen angeregt.

Die Impfung ist nicht dazu in der Lage, das menschliche Erbgut zu verändern. "Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich", schreibt das Paul-Ehrlich-Institut - jene Behörde, die in Deutschland Impfstoffe prüft und zulässt.

Impfstoff an Zehntausenden Menschen getestet

Gentechnik spiele nur beim Herstellungsprozess des Impfstoffs eine Rolle, sagte auch der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, der "Rheinischen Post": "Die Messenger-RNA, die bei der Impfung eingeführt wird, hat gar nichts mit unserer DNA im Zellkern zu tun. Daher sind Spekulationen darüber, ob dadurch eine genetische Veränderung beim Menschen hervorgerufen werden könne, ziemlich abwegig", sagte Mertens.

Die klinischen Studien der Hersteller von mRNA-Impfstoffen hat die Europäische Arzneimittelagentur (Ema) vor der Zulassung geprüft. Der Impfstoff wurde an Zehntausenden Menschen getestet. Seit dem offiziellen Start der Impfung in den USA, der EU, Großbritannien, Israel oder in anderen Ländern wurden mittlerweile viele Millionen Menschen mit mRNA-Vakzinen geimpft. Gefährliche Nebenwirkungen sind dabei vergleichsweise selten aufgetreten. Es ist also falsch zu behaupten, dass Forscher nicht wüssten, "was dabei herauskommt".

Impfreaktionen üblicherweise innerhalb weniger Stunden oder Tage

Jahre nach einer Impfung erwarten Wissenschaftler ohnehin keine neuen Krankheiten, die mit dieser in Verbindung stehen könnten. Eine Expertin des Paul-Ehrlich-Instituts sagte der "Pharmazeutischen Zeitung", bei Impfstoffen seien keine Nebenwirkungen zu erwarten, die erst nach längerer Zeit auftreten. Zu Impfreaktionen komme es üblicherweise innerhalb weniger Stunden oder Tage, selten erst nach Wochen oder Monaten. Sogenannte "Langzeitfolgen" seien sehr selten.

Weitere Faktenchecks finden Sie hier

Deutschland und die Welt

Faktencheck von Correctiv zum Video

Bericht im Ärzteblatt über die Zulassung des zweiten mRNA-Impfstoffs

Interview der «Rheinischen Post» mit dem Chef der Ständigen Impfkommission

Pharmazeutische Zeitung zu Nebenwirkungen

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