24.11.2020 - 16:32 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Corona-Schule: In Bayern Ferienfrühstart und Wechselunterricht in Hotspots

Die Weihnachtsferien beginnen wegen Corona früher, doch der zuständige Kultusminister Piazolo wirkt davon wenig begeistert. Er erweckt den Eindruck, als sei der Beschluss alles -– nur nicht sein Ding.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).
von Jürgen UmlauftProfil

München. Eine knappe halbe Stunde dauert das Eingangsstatement von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), doch zur Top-News des Tages in seinem Zuständigkeitsbereich verliert er kein Wort. Dabei lautet das Thema seiner Pressekonferenz "Update zu Schule und Unterricht in Zeiten von Corona". Piazolo redet viel über Längst- und Altbekanntes, er verliert sich oft wortreich im Ungefähren, aber dass die Weihnachtsferien dieses Mal vier Kalendertage früher beginnen als üblich, bestätigt er erst anschließend bei der dritten Nachfrage dazu. Ja, sagt Piazolo eher widerwillig, man habe das jetzt so entschieden.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Schulminister wenig bis gar nichts von der Verkündung seines Regierungschefs Markus Söder (CSU) über die Sender des Bayerischen Rundfunks hält, auch wenn er vorab darüber informiert war. Als vor zwei Wochen Forderungen nach verlängerten Weihnachtsferien gekommen waren, gehörte Piazolo zu den ersten, die sich dagegen positionierten. Dass es nun doch anders kommt, erklärt er mit den noch immer nicht sinkenden Corona-Zahlen. Der "Lockdown light" habe den Anstieg zwar gebremst, es gebe aber nur eine "Seitwärtsbewegung auf einem nach unserer Einschätzung zu hohem Niveau".

Jeder weitere Satz des Ministers wirkt dann wie eine Distanzierung von den Plänen Söders. Gerade die letzten Tage vor den Weihnachtsferien seien in der Schulfamilie beliebt, weil da oft auch mal Freiraum sei für einen Unterricht jenseits des Lehrplans. Das falle nun weg. Zudem fürchtet Piazolo, dass die zwei freien Tage missverstanden werden könnten als zusätzliche Gelegenheit für Shopping-Touren oder den vorzeitigen Start in den Weihnachtsurlaub. "Die beiden Tage sind damit verbunden, dass sich die, die frei haben, Kontaktbeschränkungen auferlegen", betont er. Sie seien nicht dazu gedacht, "in der Fußgängerzone einkaufen zu gehen", sondern eher, den Schulstoff der vergangenen Wochen zu wiederholen.

Planmäßiger Start nach den Ferien

Überhaupt hält Piazolo die Schulen in Sachen Corona für "sichere Orte". "Die Infektionszahlen gingen zuletzt nicht in den Ferien nach oben, sondern danach", stellt er klar. Die unausgesprochene Botschaft dahinter: Wegen der erhöhten Reisetätigkeit und den zusätzlichen außerschulischen Kontakten ist das Infektionsrisiko in den Ferien höher als zu Schulzeiten. Deshalb will Piazolo die Schule im neuen Jahr auch unbedingt planmäßig am 11. Januar wieder beginnen lassen. "Von der Verlängerung der Weihnachtsferien um eine Woche halte ich nichts", betont er. Mit den zwei zusätzlichen Tagen dauerten diese nun ohnehin schon drei volle Wochen.

Wenn die Schulen schon einen zusätzlichen Beitrag zum Infektionsschutz leisten müssten, dann laut Piazolo durch eine "Hotspot-Strategie". In Regionen mit sehr hohen Inzidenzwerten sollte auf den am besten täglichen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht umgestellt werden, schlägt er vor. Davon ausgenommen werden könnten die Grund- und Förderschulen sowie die jeweiligen Abschlussklassen. Auf konkrete Grenzwerte will sich Piazolo nicht festlegen, dass sei Sache der Experten und der Ministerpräsidenten. Auch müssten die örtlichen Verhältnisse bei den Entscheidungen eine Rolle spielen. "Es wird und kann nicht an jeder Schule gleich laufen, aber es sollte nach Möglichkeit überall gleichartig sein", sagt Piazolo.

Corona, Michael Piazolo und offene Schulen

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