29.06.2021 - 13:19 Uhr
Deutschland & Welt

Corona dämpft Mietanstieg: „Gefangenenwohnung“ ist out

Blick auf die Fassaden von Wohnhäusern. Foto: Nicolas Armer/dpa/Symbolbild
von Agentur DPAProfil

München (dpa) - Die Corona-Pandemie hat den Anstieg der Mieten in Bayern verlangsamt, aber nicht gestoppt. Eine dauerhafte Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ist nach dem neuen Marktbericht des Immobilienverbands IVD Süd nicht in Sicht. Vom vergangenen Herbst bis zum Frühjahr sind die Mieten für Bestandswohnungen im bayernweiten Schnitt demnach um 1,2 Prozent teurer geworden, für neue Wohnungen um 1,9 Prozent. „Die Mieten steigen nicht mehr in der gleichen ungebremsten Dynamik, sondern etwas moderater“, sagte Stephan Kippes, der Marktforscher des Verbands.

Der IVD Süd ist der Berufsverband der Makler, die in den vergangenen Monaten noch eine weitere coronabedingte Neuerung beobachten: „In den letzten Monaten sind unwahrscheinlich viele Kündigungen hereingekommen“, berichtete die Münchner Maklerin Eva Miller. „Es sieht aus, als ob die Einzimmerwohnung den Leuten zu klein geworden ist.“ Das Phänomen ist offensichtlich nicht auf München begrenzt, denn das Nürnberger Maklerbüro de Rossi teilte die Einschätzung. „Man spricht bei den Wohnungen, die keinen Balkon haben, auch von Gefangenenwohnung“, sagte Marktforscher Kippes dazu.

Im Fünfjahres-Vergleich der Großstädte von 2015 bis 2020 sind die Mieten nahezu überall gestiegen. Spitzenreiter ist Fürth mit 25 Prozent, gefolgt von Regensburg, Augsburg und Würzburg mit 22 Prozent. München und Nürnberg rangieren mit 18 Prozent im Mittelfeld, in Erlangen fiel der Anstieg mit sechs Prozent sehr moderat aus. Lediglich in Ingolstadt gab es ein Minus von elf Prozent, mutmaßlich bedingt durch die jahrelange Krise der Autoindustrie.

Auffällig ist, dass Bayerns Großstädte in der jüngeren Vergangenheit in Sachen Mieten keineswegs mehr Spitzenreiter sind: In den Mittelstädten sind die Preise im vergangenen Jahr laut IVD SüD sogar etwas schneller gestiegen - bei Bestandswohnungen um 1,7 Prozent und für Neubauten um 2 Prozent. Dass der Verlangsamung des Mietanstiegs ein Ende der Preisspirale folgen könnte, glauben die Fachleute des Verbands nicht: „Viel gedämpfter wird's nicht werden“, sagte Kippes.

© dpa-infocom, dpa:210629-99-188094/3

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