10.04.2020 - 20:12 Uhr
Deutschland & Welt

Bischof Voderholzer: "Das Leben siegt, und alles wird gut"

Dieses Osterfest wird wir keines zuvor. Wegen der Coronakrise gibt es keine Gottesdienste mit Gläubigen, keine Ausflüge, keine große Familienfeiern. Zum Osterfest haben wir ein Grußwort von Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg

Bischof Rudolf Voderholzer.
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Liebe Leserinnen und Leser! In diesem Jahr haben die Wünsche für ein frohes und gesegnetes Osterfest einen besonderen Klang! Wie schwere und drückende Grabplatten lasten die Bedrohungen des Coronavirus auf uns und die Beschränkungen zu unserem Schutz. Am meisten bedrückt uns, dass wir uns nicht begegnen, nicht besuchen können.

Das Heimtückische an der Coronaepidemie ist, dass wir uns voneinander distanzieren müssen, um uns zu schützen; nicht, um uns selbst zu schützen, sondern um zu verhindern, dass wir unmerklich die anderen infizieren. Als Christen ist es uns ein großer Schmerz, dass wir uns nicht zur Feier des Gottesdienstes versammeln, in festlicher und froher Gemeinschaft den Tod und die Auferstehung Jesu Christi feiern und Christus im Brot des Lebens empfangen können.

Der Herr der Schöpfung lebt

Die Übertragungen im Fernsehen, im Radio, über das Internet, die von vielen dankbar genutzt werden, sind nur ein notdürftiger Ersatz, und machen uns bewusst, was uns fehlt, wenn die leibhaftige Gemeinschaft verwehrt ist.

Trotzdem, wir feiern Ostern! Und die Botschaft dieses Festes ist vielleicht heute noch wichtiger als je zuvor: Der Osterglaube lenkt den Blick über die irdische Welt, die immer auch Krankheiten und Katastrophen einschließen wird, hinaus auf denjenigen, der der Urgrund allen Seins ist. Der Osterglaube sagt uns, dass der Herr der Schöpfung lebt, und dass er es gut meint mit uns.

Dieser Glaube stiftet den Menschen an zur selbstlosen Tat, aus Liebe zu Gott, den er in jedem Mitmenschen wiedererkennt. Die Heiligen geben uns ein Beispiel davon: Ich denke etwa an den hl. Karl Borromäus (1538-1584, Gedenktag am 4. November). Er war Kardinal und Erzbischof von Mailand, sein Onkel war Papst Pius IV. Er starb bereits im Alter von 46 Jahren an einem Fieberanfall, nachdem er sich in den Pestjahren 1576 bis 1578 unermüdlich für die Menschen einsetzte. Die Bevölkerung war hilflos, nachdem die Mitglieder der Stadtverwaltung die Stadt verlassen hatten. Karl Borromäus organisierte medizinische Hilfsmaßnahmen, um die Menschen bestmöglich zu versorgen. Er ging selbst zu den Kranken und Sterbenden, um sie zu trösten und ihnen die Sakramente zu spenden.

Auch in Regensburg gibt es ein leuchtendes Beispiel für eine tatkräftig gelebte Nächstenliebe, die vom Osterglauben entfacht wurde. Georg Michael Wittmann (1760-1833, im vergangenen November wurde im Zuge des Seligsprechungsverfahrens der heroischer Tugendgrad anerkannt) war Regens des Priesterseminars, 25 Jahre lang gleichzeitig Dompfarrer, danach Weihbischof und ernannter Bischof von Regensburg. Vor dem Antritt des Bischofsamtes ist er gestorben.

"Vater der Armen"

Er galt als "Vater der Armen", er kannte die Armen seiner Pfarrei und versorgte sie mit Holz, Lebensmitteln, Medikamenten, Büchern und Rosenkränzen. Als im Jahr 1813 eine Nervenfieberepidemie in der Stadt wütete, kümmerte er sich unermüdlich um die Kranken, wobei er sich selbst mit Typhus infizierte und monatelang mit dem Tod rang. Wenige Jahre später fuhr er mit einem Kahn durch die vom Hochwasser heimgesuchte Stadt und verteilte Lebensmittel durch die Fenster.

Die heutige Virusepidemie erfordert Kreativität beim Helfen, die ich glücklicherweise in vielfältiger Form im Bistum Regensburg feststellen kann. Ich selbst telefoniere derzeit täglich mehrere Stunden, um die Nähe zu den Mitarbeitern vor Ort herzustellen und auch die alten und kranken Mitbrüder wenigstens auf diesem Wege zu unterstützen.

Das Bistum kümmert sich - auch nach der Schließung der Fürstlichen Notstandsküche und des "Strohhalms" - um die Bedürftigen. In Regensburg beispielsweise liefert die Caritas nun in Zusammenarbeit mit dem Malteser-Hilfsdienst das Essen aus und verteilt durchs Fenster in der Von-der-Tann-Straße Lebensmittelpakete an die, die keinen Wohnsitz haben. Die Beratungsstellen der Caritas rufen ihre Klienten an, um sie nicht alleine zu lassen.

Dankbar bin ich auch für unzählige pfarrliche und verbandliche Initiativen, die die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um anzupacken und den Menschen trotz allem nahe zu sein, und vor allem, um ihnen Gottes Nähe erfahrbar zu machen.

Gott hat in Jesus am Kreuz alle Krankheiten für und mit uns getragen. Er hat unsere finsteren Nächte mit uns durchlitten. Er lässt uns mit unseren Tränen nicht allein. Und er wird uns auch helfen, nachzudenken: Welche Lehren müssen wir als Einzelne und als Gesellschaft aus dieser für uns alle so überraschenden aber tiefgreifenden Krise ziehen, was haben wir daraus zu lernen für unseren Lebensstil, für unsere Lebenseinstellung?

Es gibt ein Morgen

Aber Ostern sagt uns auch: Das Leben, das göttliche Leben ist stärker als der Tod, es gibt ein Morgen, und es gibt auch eine Auferstehung vor dem Tod.

Und so grüße ich Sie herzlich: Besonders die Kranken und in Quarantäne Eingeschlossenen; mit einem ganz großen Dank grüße ich alle, die gerade in einem Krankenhaus oder Altenheim arbeiten oder auf sonst eine Weise für andere da sind, und Ihnen allen sage ich: Christus ist auferstanden von den Toten. Das Leben siegt, und alles wird gut!

Frohe Ostern!

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