Wieder ein Stück weniger vom Euro?

Bayern
01.04.2022 - 00:01 Uhr
OnetzPlus

Strom? Teurer. Benzin und Gas? Teurer. Lebensmittel? Teurer. Zu Jahresbeginnen stiegen die Verbraucherpreise um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als optimalen Wert peilt die Europäische Zentralbank eigentlich 2 Prozent an.

Was bedeutet eine hohe Inflation für die Bürger?

Im März ist die Inflationsrate in Bayern sogar auf 7,8 Prozent angewachsen. Was bedeutet diese deutlich höhere Geldentwertung für Sparer und Kreditnehmer?

Bei Inflation denken viele vor allem an die Hyperinflation vor fast genau 100 Jahren. Ihren Höhepunkt hatte sie im November 1923, als ein Inlandspostbrief 10 Milliarden Mark kostete – fünf Jahre zuvor waren es noch 15 Pfennige gewesen. Die deutsche Hyperinflation in der Weimarer Republik ist ein Extrembeispiel, das sich aber tief ins gesellschaftliche Bewusstsein gesetzt hat. Allgemein sprechen Ökonomen von Hyperinflation, wenn die Preise innerhalb eines Jahres um rund 13 000 Prozent steigen.

Von diesen Werten ist die Eurozone weit entfernt. Dennoch: Steigen Preise, können sich Menschen von der gleichen Menge Geld weniger Waren kaufen als vorher. Die Kaufkraft sinkt. Ein Beispiel: Wer in diesen Tagen 1000 Euro in den Safe legt und dort 10 Jahre liegen lässt, wird – vorausgesetzt, der Safe wird nicht ausgeraubt – dort immer noch 1000 Euro finden. Von diesem Geld einen mobilen Computer zu finanzieren, der heute 1000 Euro kostet, dürfte aber schwierig werden. Denn bei einer Inflationsrate von 5,1 Prozent pro Jahr wird Preis um 64,45 Prozent gestiegen sein – auf 1644,48 Euro. Die Kaufkraft ist auf 608,10 Euro gesunken.

Um diesen Wertverlust auszugleichen, war es lange üblich, sein Geld auf die Bank zu bringen und darauf zu hoffen, dass Zins und Zinseszins das Vermögen so anwachsen lassen, dass die Inflation ausgeglichen wird. Das hat bereits die vergangenen zehn Jahre kaum noch geklappt. Die meisten Finanzexperten, wie zum Beispiel von finanztip.de, empfehlen nun Sachwerte. Darunter fallen Aktien genauso wie Edelmetalle, Rohstoffe und Immobilien. Alle diese Anlageformen haben aber ihre speziellen Eigenschaften und damit Vor- und Nachteile.

Aktien

Das Image von Aktien ist bei vielen Deutschen nicht besonders gut: Kurswetten auf Kosten von Anlegern, Firmen und Arbeitnehmern haben für Skandale gesorgt. Fondsmanagern eilt der Ruf nach, besonders gierig zu sein. Aus dem Blick gerät dabei der eigentliche Zweck von Aktien: Anleger erwerben Anteile von Unternehmen, die das eingenommene Kapital in die Produktion von Gütern investieren. Ein klassisches Geschäft also, von dem beide Geschäftspartner etwas haben (sollen). Natürlich ist dieses Geschäft mit Risiken verbunden (wie jedes andere Geschäft auch). Die Preise für Aktien bilden sich durch Angebot und Nachfrage an den Börsen, sind also nicht fest. Gehen Anleger zum Beispiel davon aus, dass ein Unternehmen Gewinn erwirtschaften wird, wollen sie daran teilhaben und kaufen Anteile: Der Preis der Papiere steigt also. Wegen dieser schwankenden Preise raten Finanzexperten zur Risikostreuung. Der Gedanke dahinter: Erleidet ein Papier Verluste, werden diese durch Gewinne bei anderen aufgefangen. Werden Aktien eines Unternehmen wertlos (zum Beispiel durch Pleite), ist nicht das komplette Anlage-Vermögen futsch.

Wie geht das in der Praxis? Wer sich für Märkte interessiert, kann selbst Aktien verschiedenster Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Ländern kaufen und so versuchen, sich breit aufzustellen. Banken und Finanzdienstleister haben aber auch fertige Produkte aufgesetzt, die diesen Mechanismus nachbilden: Fonds. Besonders beliebt bei Kleinanlegern sind sogenannte ETFs, die Aktienindizes abbilden, zum Beispiel den deutschen DAX. ETFs lassen sich auch mit kleinen Beiträgen (zum Beispiel 25 oder 50 Euro) monatlich besparen. In der Vergangenheit waren Aktionäre von Geldentwertung weniger betroffen als Sparer oder Bargeld-Besitzer.

Edelmetalle

Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin gelten als klassische sichere Häfen in Inflationszeiten, einerseits weil sie Sachwerte sind, andererseits weil sie überall auf der Welt als Werte anerkannt sind. Allerdings: „Gold hat keine Wertsteigerung aus sich heraus, es liefert weder Zinsen oder Dividenden noch Mietzahlungen ab“, schreibt Finanztip-Experte Hendrik Buhrs. „Wir empfehlen es daher allenfalls als stabilisierenden Bestandteil in der Geldanlage.“ Weil Edelmetalle sich an der Börse oft gegenläufig zum allgemeinen Marktgeschehen entwickeln, gleichen sie rechnerisch Verluste bei anderen Anlageformen aus – zumindest teilweise.

Immobilien

Immobilien sind der Klassiker schlechthin, wenn es um Sachwerte geht. Ihr klarer Vorteil: Langlebigkeit und Grundbedarf, Wohnraum braucht jeder Mensch. Allerdings ist die Nachfrage nicht überall gleich hoch und durchaus schwankend. Das wiederum führt dazu, dass der Wert eines Hauses oder einer Wohnung deutlich schwanken kann. Wer in Immobilien investiert, sollte also den Markt und die geographische Lage genau betrachten. Immobilien lassen sich – wie der Name schon sagt – nicht bewegen. Und sie können, insbesondere für Kleinanleger, ein sogenanntes Klumpenrisiko darstellen.

Wer beispielsweise 100 000 Euro besitzt, diese komplett in eine kleine Wohnung investiert, welche sich irgendwann einmal weder vermieten noch verkaufen lässt, hat das Risiko eines Totalausfalls. Also: Nicht alles auf eine Karte setzen und an die Risikostreuung denken.

Worauf müssen Kreditnehmer achten?

Wer einen Kredit für eine wertbeständige oder wertsteigende Sachanlage aufgenommen hat, profitiert tendenziell von einer höheren Inflation – vor allem, wenn die Kreditzinsen auf niedrigerem Niveau für längere Zeit festgeschrieben sind. Denn der Wert der Anlage, beispielsweise ein Haus, steigt, während die Kosten gleichbleiben. Vorsicht ist jedoch bei variablen Zinsen geboten, sollten diese steigen. In diesem Fall müsste der Kreditnehmer auf seine finanzielle Leistungsfähigkeit achten und eventuell seine Einnahmen erhöhen.

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