31.08.2020 - 16:05 Uhr
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Kommentar: Schulpolitik mit Lederhose statt Laptop

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Schulstart unter Corona-Bedingungen: Die Sofortmaßnahmen der Staatsregierung finden die Zustimmung der Schulfamilie. Jürgen Herda kommentiert die zu Tage tretenden Defizite.

Kultusminister Michael Piazolo (links, Freie Wähler) und Ministerpräsident Markus Söder verkünden die Maßnahmen für den Schulstart.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Am Corona-Schulkrisenmanagement der bayerischen Staatsregierung gibt es wenig zu mäkeln. Ministerpräsident Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo ermöglichen mit den am Montag beschlossenen Maßnahmen den Regelbetrieb mit partieller Maskenpflicht. Die Schulfamilie stimmt weitgehend zu.

Allerdings deckt die Pandemie gravierende Defizite auf, die auch in Bayern allzu beharrlich auf die lange Schulbank geschoben wurden: Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) bemängelt zurecht, dass bei dem bestehenden Lehrermangel kein normaler Unterricht unter Pandemie-Bedingungen zu schaffen sei.

6000 Lehrkräfte fehlen

Bereits im vergangenen Schuljahr entstanden massive Lernlücken. Da Corona-bedingt über 6000 Lehrkräfte fehlen, lässt sich kaum erklären, wie der versäumte Unterricht nachgeholt werden soll. Gerade in dieser Situation wären kleine, feste Lerngruppen mit ausreichend Personal eine gute Lösung - das verschärft den Lehrermangel zusätzlich.

Oppositionspolitiker von SPD und Grünen fordern für abgehängte Schüler nicht erst jetzt andere Unterrichtsformen, eine bessere digitale Ausstattung für Lehrer und Schüler und die passende Infrastruktur für das Lernen in der Schule. Wenn trotz jahrelanger Breitbandinitiative 50 bayerische Schulen über keinen Internetanschluss verfügen, und viele sich im Schneckentempo im Netz bewegen müssen, ist das eher eine Schulpolitik mit Lederhose statt Laptop.

So sieht Bayerns Schulstart unter Corona-Bedingungen aus.

Weiden in der Oberpfalz
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