05.05.2021 - 17:25 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Bayerns Sankt-Florians-Prinzip bremst die Energiewende

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Ob Stromtrassen, Gewerbegebiete oder Windräder: Sobald ein Projekt in die Nachbarschaft rückt, gibt es Widerstand. Das Sankt-Florians-Prinzip bremst aber die Energie- und Klimawende aus, kommentiert Jürgen Herda.

Bei Witzlricht gingen im Dezember 2011 die ersten beiden Windkraftanlagen im Landkreis Amberg-Sulzbach in Betrieb. Betreiber ist eine Bürgerwindgesellschaft mit 211 Kommandantisten, die Bürgerwind Region Freudenberg GmbH & Co KG.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung in Deutschland lag laut Fraunhofer ISE 2020 erstmals über 50 Prozent – Tendenz steigend. Wir sprechen hier also nicht über eine romantische Nischensparte, sondern über die Energieerzeugung der Gegenwart.

Ökostrom braucht keine Subventionen mehr

In puncto Ökostrom steht Deutschland im europäischen Vergleich noch ganz gut da. Allerdings bremsen falsche Prognosen und zu niedrige Ausbauziele die Zukunftsbranchen aus. Nicht nur bei Solar und Wind, auch für die Herstellung von grünem Wasserstoff fehlt ein staatliches Finanzierungsmodell. Insgesamt hat die Achterbahnfahrt beim EEG rund 120.000 Arbeitsplätze vernichtet.

Trotz aller Widerstände ist Ökostrom auch ohne Subventionen in der Herstellung heute billiger als konventioneller Strom. Der hohe Strompreis lässt sich damit nicht rechtfertigen. Geradezu aberwitzig ist das Argument, dass sinistre Investoren mit erneuerbaren Energie den großen Reibach machten. Als ob die vier großen Stromkonzerne ein humanitäres Ehrenamt betreiben würden. Hätte die Bundesregierung die Errichtung von Windanlagen für Bürgergenossenschaften wie in Freudenberg nicht drastisch erschwert, würden vor allem die Menschen vor Ort profitieren.

Bürgerentscheid statt 10-H

Corona hat gezeigt, welche Konsequenzen eine Pandemie für unsere Gesellschaft hat. Im Vergleich mit einer Klimakatastrophe dürfte das aber eher einem Schnupfen gleichen. Noch haben wir es in der Hand, ein solches Schreckensszenario abzuwenden. Unter Druck gelang es der Forschung in einem Jahr einen Impfstoff gegen Covid 19 herzustellen. Vergleichbar ehrgeizige Ziele sollten auch in der Batterienforschung möglich sein.

Wolfgang Würth gibt Contra: Für die 10-H-Regel

Bayern

Richtig ist aber auch: Windräder gehören nicht in Naturschutzgebiete. Nicht die 10-H-Regel, sondern die Bürger sollten darüber entscheiden, ob sie mit dieser sauberen und gefahrlosen Technologie leben wollen. Fakt ist: Vielen Bürgermeistern ist eine solche Entscheidung derzeit zu heikel, weil die Planungssicherheit fehlt. Deshalb verhindert sie den Ausbau auch dort, wo es sinnvoll wäre und behindert so die Energiewende.

Umweltminister Glauber will die 10-H-Regel kippen

Deutschland & Welt

So sicher sind Windkraftanlagen

Freudenberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.