10.05.2020 - 18:40 Uhr
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Vieles geht, nur Tanzen nicht

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Elisabeth Schwandner, Claudia Höllriegl und Irmgard Haug sind sauer und frustriert. So wie den drei Frauen geht es in Bayern allen Tanzschulbesitzern. Während ringsherum alles wieder hochfährt, bleiben die Tanzschulen weiter zu.

Die Ambergerin Elisabeth Schwandner (rechts) bietet Unterricht per Video an.
von Armin Eger Kontakt Profil

Mit Wehmut denkt Irmgard Haug an den 16. März zurück. "Ich hatte da meinen letzten Tanzunterricht", sagt die 71-Jährige, die in Amberg eine Tanzschule betreibt. Wochenlanger Stillstand heißt für Haug auch, dass es langsam existenzbedrohend wird.

"Wobei ich noch den Vorteil habe, dass ich ein Einmannbetrieb bin und deshalb nicht so viele Nebenkosten habe", sagt die Seniorin, die seit 1982 in Amberg lebt und arbeitet. Aber sie prangert an, dass bei den Tanzschulen einfach nichts passiert, während rundherum überall alles gelockert wird. "Unser Verband hat Briefe an Merkel und Söder geschrieben, um auf unsere Situation aufmerksam zu machen", erzählt sie. Gebracht habe es aber nichts.

Dabei wäre es durchaus möglich, unter bestimmten hygienischen Voraussetzungen Tanzstunden abzuhalten. "Tanzen ist so wichtig, Tanzen ist wie Gymnastik, Tanzen ist eine Bewegungstherapie und bietete viele soziale Kontakte", beschreibt die 71-Jährigen ihre große Leidenschaft. Sie hofft, dass Anfang Juni der Betrieb wieder losgeht. "Tanzen ist mein Leben und das möchte ich wiederhaben."

Warum nicht Einzelunterricht?

Finanziell anders sieht es bei Elisabeth Schwandner von der gleichnamigen Tanzschule in Amberg aus. "Ich habe versucht, für jeden meiner drei Mitarbeiter eine Lösung zu finden, damit sie nicht in Kurzarbeit müssen", sagt die 34-Jährige. Aber trotz 15000 Euro Soforthilfe und einem eigenen finanziellen Puffer gehe langsam das Geld aus. "Im April wurden zwar die Mitgliedsbeiträge noch abgebucht, aber das kann ich im Mai nicht mehr komplett machen. Das will ich auch nicht, wenn kein Unterricht mehr stattfindet", erklärt die Ambergerin.

Sie bietet zwar Live-Unterricht und Lehrvideos an, aber das sei nicht das, was die Leute wollen. Schwandner: "Die Leute wollen einfach den persönlichen Kontakt." Und der wäre durchaus möglich, erklärt die 34-Jährige, die vor 11 Jahren in Amberg ihre Tanzschule eröffnet hat, verärgert. "Es gibt ja viele Ehepaare oder Paare, die zusammen wohnen. Die dürften ja zusammen tanzen. Und ich könnte den Abstand gewährleisten. Deshalb verstehe ich nicht, warum nicht mal Einzelunterricht möglich ist", so Schwandner

Neidvoll blickt sie nach Nordrhein-Westfalen, wo seit diesem Montag die Tanzschulen wieder geöffnet haben. "Wenn mich jemand anruft und fragt, wie der Stand bei uns ist, kann ich immer noch nichts sagen. Ich kann nur bitten, dass mir meine Schüler die Treue halten." Allerdings habe sie schon einige Kündigungen erhalten. "Wenn jemand aufhört ist es fraglich, ob er jemals zurückkommt", sagt Schwandner.

Weiden ohne Tanzschule Höllriegl? "Nicht vorstellbar und ich hoffe, dass es nicht soweit kommt", sagt Besitzerin Claudia Höllriegl. 90 Jahre gibt es die Tanzschule schon, seit 40 Jahren mit Chefin Claudia. "Wir hätten am 16. Mai deshalb einen Jubiläumsball geplant gehabt. Aber vielleicht können wir das ja nachholen", hofft die 59-Jährige.

Als am 17. März die letzte Stunde in der Tanzschule war, hatte sie gehofft, dass es nach Ostern weitergeht. "Ich muss zugeben, wir hatten die Situation zunächst etwas verkannt." Dann habe man auf Anfang Mai gehofft. "Und jetzt wissen wir immer noch nichts. Wir sind ohne Perspektive." Trotz Corona-Soforthilfe reiche es finanziell bald nicht mehr. Ihre 21-jährige Tochter Emilie habe im September ihre Tanzlehrerausbildung (Kosten 30 000 Euro) abgeschlossen und wollte jetzt durchstarten.

Hoffnung auf Juni

"Da wir ja noch eine konventionelle Tanzschule sind, die keine Monatsbeiträge verlangt, sondern für die Kurse abrechnet, kommt gar nichts rein", sagt Höllriegl. Auch die für die Tanzschule so wichtigen Schülerkurse brechen total weg. Und ob es im September damit weitergeht, sei fraglich. Sie sei auch der Meinung, dass Unterricht schon jetzt unter bestimmten Vorgaben möglich wäre. "Aber wir hoffen, dass es ab Juni losgeht und dass wir dann im nächsten Jahr wieder voll durchstarten können. Wir geben nicht auf. Weiden ohne Höllriegl wäre einfach unvorstellbar."

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