03.12.2020 - 17:44 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Wie stehen die Chancen für weiße Weihnachten?

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Jahrhundertwinter, oder doch ein Totalausfall? Wetterexperte Andy Neumaier nimmt sich die derzeit wieder besonders eifrigen Langfrist-"Meteorologen" vor. Und er erklärt, was sich seriös in Sachen "weiße Weihnacht" 2020 sagen lässt.

Ein schönes Häubchen auf Johann Andreas Schmellers Kopf. So sah es an Weihnachten 2010 auf dem Tirschenreuther Stadtplatz aus. Es war das letzte Jahr, in dem es in der Oberpfalz flächendeckend weiße Weihnacht gab.
von Andy NeumaierProfil

Derzeit tummeln sich wieder jede Menge atemberaubender wie verstörender Langfristprognosen im Internet. Bei den einen naht - alle Jahre wieder - ein Jahrhundertwinter, bei anderen ein Totalausfall. Der Rest hofft, mit einer Aussage in der Mitte etwas von der 50 Prozent Trefferquote abzubekommen, und hält sich alle Türchen in seinem Wetter- Adventskalender offen, um sagen zu können, dass er das beste Schokostückchen hatte. Und allesamt sind sie Müll und unseriös, diese Prognosen.

Zumindest, wenn man sich Anfang Dezember damit aufhält ( und oft ja noch viel eher). Wer jetzt meint, treffsichere Prognosen für Weihnachten und die Zeit danach abzugeben, der ist meteorologisch genauso minderbegabt wie jeder, der sich als Autofahrer von Glätte im Dezember alljährlich überrascht fühlt. Den Klicks auf der Website tut das freilich gut.

Nun ist ja zumindest mal der "Totalausfall" des Winters 2020/21 streng genommen schon vorbei. Je nachdem, was man eben darunter versteht. Den ersten zarten Schnee haben wir ja oft schon erlebt, auch die ersten Dauerfröste. Die drei Dauerfrosttage (Weiden) aus dem kompletten letzten Winter 2019/2020 haben wir bereits jetzt erreicht. Gut, üppig war das Weiß nicht gerade. In Baden-Württemberg liegen seit vier Tagen teilweise über zehn Zentimeter auch in den Niederungen. Da hängt die Oberpfalz mit winterlichem Feenstaub von ein paar Fleckchen, bis hin zu 3 bis 5 Zentimeter im westlichen Kreis Tirschenreuth und im Westen vom Kreis Amberg-Sulzbach dann doch ein bisschen hinterher. Aber optisch ist schon Winter, und bevor der Schnee kam, gab es auch schon teils sagenhafte Raureiflandschaften entlang des Grenzkamms und auf der Oberpfälzer Alb.

Was genau weiß man denn nun über die Zukunft? Und was kann man zu Weihnachten und dem laufenden Winter genaueres sagen? Weiße Weihnachten sind statistisch mal wieder fällig. In der Oberpfalz klappt das ca. alle sieben Jahre. Etwas unterschiedlich natürlich bedingt durch die Höhenlagen, denn die Silberhütte wird's öfter erleben, als das milde Nabburg. Aber so als grober Schnitt taugt die Zahl.

Wer jetzt meint, treffsichere Prognosen für Weihnachten und die Zeit danach abzugeben, der ist meteorologisch genauso minderbegabt wie jeder, der sich als Autofahrer von Glätte im Dezember alljährlich überrascht fühlt.

Onetz-Wetterexperte Andy Neumaier

Onetz-Wetterexperte Andy Neumaier

Letztmals 2010

Letztmals flächendeckend weiß, und zwar mehr als manchem lieb war, war Weihnachten 2010, wo es an den Feiertagen in den höheren Lagen unserer Landkreis bis zu 1m Schnee gab, 56 Zentimeter in Windischeschenbach und 60 Zentimeter in Vohenstrauß als Schlagzahl für die mittleren Lagen. Selbst in Schwandorf kam man noch auf 32 Zentimeter.

Alle sieben Jahre, und vor zehn Jahren zuletzt: Wir wären also "über der Zeit". Ansonsten gibt es aber nicht allzu viel, was in diesem Jahr für ein weißes Fest spricht. Betrachten kann man hier das englische Langfristmodell, das als bestes auf dem Markt weiter in die Zukunft rechnet, aber natürlich auch kein Garant für irgendwas ist. Dennoch deutet sich hier an, dass sich zwar der Winter in den ersten drei Dezemberwochen immer wieder, teils auch mit Schneepaketen, zu uns hereinmogelt, aber in den Tagen vor Weihnachten die "Westwinddrift" durchbricht. Würde bedeuten: Wind bis Sturm, Regenfronten, Plusgrade, und nur kurze Tageseinbrüche von kalter Luft, bei denen es ein Zufall wäre, wenn genau ein Weihnachtstag davon getroffen wäre.

So wird das Wetter die nächsten Tage

Oberpfalz

Wohl eher nicht

Bleibt unterm Strich: Wahrscheinlich sind weiße Weihnachten für einen Großteil der Oberpfalz auch in diesem Jahr nicht. Je länger sich die aktuelle Kälte festsetzen kann, desto später bricht irgendwann die Westwetterlage wieder durch, und vielleicht verschiebt sich's ja noch bis kurz nach Weihnachten.

Hätte, hätte, Fahrradkette: Wir haben eine maximal 50/50-Chance aufs weiße Fest. Noch unsicherer sind alle Aussagen für darüber hinaus. So einfach ist das, leider, aber auch nicht hoffnungslos - wie alles im Leben. Schönen Advent.

So wird's: Andy Neumaiers Wetter-Seite im Onetz

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