02.09.2020 - 14:24 Uhr
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Stadttheater Amberg: Mit Elan und künstlerischem Ehrgeiz in die neue Saison

Klein ist im Stadttheater nur der äußere Corona-Rahmen. Das neue Programm dagegen punktet mit großen Namen, neuen Ideen, frischem Wind - und Herz für freischaffende Künstler. Ein Interview mit dem Amberger Kulturreferenten.

Leere Sitze soll es im Amberger Stadttheater bald nicht mehr geben: Das Haus startet in die neue Spielsaison, Corona zum Trotz.
von Anke SchäferProfil

Es muss ja nicht immer das große Sinfonieorchester sein, dachte sich Kulturreferent Fabian Kern und machte sich mit seinem Team auf die Suche nach dem Außergewöhnlichen, Interessanten und Ungehörten. Und er wurde fündig: Ab September geben sich Amberger Publikumslieblinge und international ausgezeichnete Solisten und Ensembles die Theaterklinke in die Hand. Mit der Klaviersonate des in Vergessenheit geratenen Komponisten Franz Hofmann wartet sogar eine Welt-Uraufführung, wie Kern im Gespräch verrät.

ONETZ: So allmählich kommt wieder Schwung in die Kultur. Überwiegt jetzt im Moment die Erleichterung oder das Stöhnen über den enormen Mehraufwand?

Fabian Kern: Weder Erleichterung noch Stöhnen. Es ist eine Herausforderung, die auf uns zukommt. Mit Augenmaß und Zuversicht wollen wir wieder Kultur anbieten und den Künstlern eine Heimstatt geben.

ONETZ: In groben Stichpunkten: Wie sieht Ihr spezielles Hygienekonzept fürs Stadttheater aus?

Fabian Kern: Eintrittskarten sind nur personalisiert im Vorverkauf erhältlich, also weder an der Abendkasse noch online. Es wird zukünftig zwei Eingänge geben, fürs Parkett den Haupteingang und für die Ränge den Seiteneingang Schrannenplatz, die gängigen Abstandsregelungen sind einzuhalten. Beim Betreten und Verlassen des Hauses ist ein Mund-Nase-Schutz Pflicht, nicht aber am Platz. Garderoben- und Gastronomie-Service entfallen ebenso wie die Pause während der Veranstaltung. Die Veranstaltungsdauer wird entsprechend angepasst.

Vorhang auf: Dr. Fabian Kern, Jonathan Danigel, Niklas Soldner, Barbara Cosima Frey, Thoralf Kotlenga, Harold Zuniga, Hans-Jürgen Mußemann, Barbara Hauck und Reiner Volkert (von links nach rechts) freuen sich auf die neue Spielzeit.

ONETZ: Am Ende sind jetzt also gerade einmal 137 von rund 500 Plätzen übrig geblieben. Wie sehr schmerzt dieses neue Bild im Stadttheater den Kulturreferenten?

Fabian Kern: Nicht Schmerz, sondern Wehmut nach der vergangenen Zeit - und ein Hoffnungsschimmer, für das, was wieder kommen wird. Finanziell gesehen ist es natürlich ein Riesenloch.

ONETZ: Was bedeutet diese „magische“ Zahl von 137 Plätzen für die Theater- und Konzertabonnenten?

Fabian Kern: Die Theaterabonnements, die ja direkt in Kooperation mit der Konzertdirektion Landgraf stehen, bleiben bis auf weiteres bestehen. Die Konzertabonnements, für die das Kulturreferat verantwortlich sind, werden für die Spielzeit 2020/2021 ausgesetzt. Stattdessen erhalten die Abonnenten ein Vorkaufsrecht für die Konzerte der anlaufenden Saison. Der Anspruch auf den angestammten Platz gilt voraussichtlich erst wieder ab 2021/2022.

ONETZ: Wird es eine doppelte Belegung pro Veranstaltung geben?

Fabian Kern: Ja, Pianist Herbert Schuch zum Beispiel wird das Konzert zur Saisoneröffnung am 26. September zwei Mal, um 16 Uhr und 19.30 Uhr, geben. Die weiteren klassischen Konzerte bleiben einmalig, andere Veranstaltungen werden dagegen durchaus und je nach Nachfrage mehrfach stattfinden.

ONETZ: Wie geht man eigentlich bei der Zusammenstellung des Programms vor, wenn vieles, aber eben nicht alles möglich ist?

Fabian Kern: Wir haben lange getüftelt, um kleine, exquisite Formate und etwas Besonderes anzubieten. Das Programm haben wir mittlerweile schon dreimal überarbeitet. Mit neuen Ideen und vor allem hoher Qualität wollen wir Akzente setzen. Die Kultur muss überspringen!

Kulturreferent Dr. Fabian Kern bringt frischen Wind ins Stadttheater Amberg.

ONETZ: Welches Feedback haben Sie von den Künstlern erhalten, nachdem klar war, es geht wieder los?

Fabian Kern: Alle haben sich riesig gefreut. Unser Engagement gilt ja insbesondere den freischaffenden Künstlern, die dringend auf solche Unterstützung angewiesen sind. Einige haben auch von sich aus angeboten, mehrfach zu spielen.

ONETZ: Wenn wir jetzt mal weg von den Rahmenbedingungen hin zum Programm der Spielzeit 2020/2021 kommen: Welche Höhepunkte erwarten das Publikum?

Fabian Kern: Eigentlich sind alle Veranstaltungen Höhepunkte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den drei Jubilaren des Jahres: Ludwig van Beethoven, H. E. Erwin Walther und dessen noch weitgehend unbekanntem Altersgenossen Franz Hofmann. Ersteren ehrt beispielsweise Herbert Schuch mit den Diabelli-Variationen, aber auch die wunderbare Chansonnière Tina Teubner mit dem Musik-Gedanken-Theater „Beethoven- Unsterblichkeit für Fortgeschritte“. Ebenfalls eine besondere Freude ist es, dem Amberger Komponisten H. E. Erwin Walther den ebenfalls vor 100 Jahren geborenen Franz Hofmann gegenüberzustellen. Beide hochbegabt, beide mit ähnlichen Biografien. Allerdings überlebte Letzterer den Krieg nicht. Die Klaviersonate, die Wolfgang Manz am 1. Dezember zur Welturaufführung bringt, galt lange als verschollen. Aber auch sonst können wir uns sehen lassen mit unserer Auswahl wie dem Amberg- Debüt von „Viva Voce“, dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, dem Varian Fry-Quartett, dem Liederabend mit Sumi Hwang und Helmut Deutsch, aber auch dem Jazz auf höchstem Niveau und vielen, vielen anderen.

ONETZ: Und wie ist es um das „Junge Stadttheater“ bestellt?

Fabian Kern: Das liegt mir ganz besonders am Herzen. Wir müssen heute für diejenigen sorgen, die übermorgen ins Theater gehen. Das Theater soll daher schon die Kinder und Jugendlichen begleiten. Es wird beispielsweise corona-konforme Aufführungen für alle Erstklässler geben; die jungen Besucher werden begeistert sein von den vielfach ausgezeichneten „Thalia Kompagnons“. Ab der anstehenden Saison finden übrigens alle Veranstaltungen, auch die "Rathaus-Konzerte", im Stadttheater statt.

ONETZ: Wie ist das Verhältnis zwischen neuen Programmpunkten und aufgeschobenen, ursprünglich im Frühjahr vorgesehenen Terminen?

Fabian Kern: Grundsätzlich haben wir gut 90 Prozent der ausgefallenen Veranstaltungen ins nächste Jahr übernommen. Einige, wie die Konzerte mit Herbert Schuch, dem Vokalensemble „Quartonal“ oder das große Walther-Jubiläum, konnten wir jetzt schon als Nachholtermine unterbringen. Insgesamt sind es über 100 Veranstaltungen geworden.

ONETZ: Wird es auch wieder eine besondere Dauerausstellung im Foyer geben?

Fabian Kern: Nein, diesmal nicht. Dafür wartet dann im nächsten Jahr eine spannende Berliner Künstlerin mit abstrakten Werken.

ONETZ: Die veranstaltungsfreie Zeit hat die von Ihnen ins Leben gerufene Youtube-Aktion „Trotzdem!“ kreativ und abwechslungsreich überbrückt. Wie sind eigentlich die Reaktionen dazu ausgefallen?

Fabian Kern: Die Resonanz war irre. Während viele große Theater kleine Produktionen mit ihren Künstlern angeboten haben, haben wir dieses Modell umgedreht und Künstler aus Stadt und Umgebung zu einem Statement auf der Bühne eingeladen. Manche standen noch nie zuvor auf dieser Bühne. Dabei haben wir alle Genres abgedeckt, die Vielfalt der Amberger Kultur dargestellt und gezeigt, dass das Theaterleben auch hinter der Bühne weitergegangen ist. Es war ein Zeichen, dass Amberg diese Zeit übersteht. OTV sendet die Mitschnitte immer freitags um 18.30 Uhr.

Info:

Tickets

In der Spielzeit 2020/2021 gibt es keinen allgemeinen Kartenvorverkauf. Tickets können vier Wochen vor der jeweiligen Veranstaltung ausschließlich in der Tourist-Information Amberg, Hallplatz 2, Tel. 09621/101233, erworben werden. Die Abendkasse ist nicht besetzt.

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