04.09.2020 - 18:15 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Rätsel: Warum sind die Spritpreise in Amberg viel höher als in der Region?

Teilweise kosten Benzin und Diesel in Amberg am selben Tag 20 Cent mehr als anderswo in der Region. Woran liegt das? Ein Amberger vermutet Abzocke, ein Tankstellenbesitzer spricht dagegen von "absoluten Preiskriegen".

Ein Mittwoch im September, 12.15 Uhr: In einer Amberger Tankstelle kostet der Benzin 3 Cent mehr als in einer Schwandorfer Tankstelle. Der Diesel ist in Amberg sogar 6 Cent teurer als 25 Kilometer weiter südöstlich.
von Julian Trager Kontakt Profil

Wenn Josef Panzirsch seine Heimatstadt Amberg mit dem Auto verlässt und kurz darauf Schwandorf passiert, kann er wütend werden. Dasselbe gilt etwa für Lengenfeld, Ensdorf oder München. Das liegt aber nicht daran, dass er außer Amberg keinen anderen Ort ausstehen kann. Vielmehr ärgert er sich über die Spritpreise, die er auf seinen Fahrten sieht. Oder präziser: Panzirsch ärgert sich über die hohen Spritpreise in Amberg - denn überall kosten Benzin oder Diesel weniger, beobachtet er seit vier, fünf Monaten. Und ist damit nicht allein.

"Wir bezahlen an den Tankstellen in Amberg exorbitant hohe Diesel- und Benzinpreise", sagt der Amberger. In Schwandorf etwa koste der Treibstoff am selben Tag bis zu 10 Cent weniger als in seiner Stadt. "Schon im Amberg-Sulzbacher Landkreis in Ensdorf sind die Preise erheblich niedriger ." Von München - wo die Schwiegereltern leben - ganz zu Schweigen. Da gebe es einen Preisunterschied von teilweise mehr als 10 Cent. "Der Einkaufspreis ist sicher in Schwandorf nicht anders als hier", meint Panzirsch und schiebt hinterher: "Also ist das reine Abzocke und wirklich unverschämt."

Amberg auf hinteren Plätzen

Tatsache ist: Wer sich mehrere Tage lang im Netz die aktuellen Spritpreise in der Region anschaut, der findet die Amberger Tankstellen fast immer gesammelt auf den hinteren Plätzen. In manchen Orten wie Lauterhofen (Kreis Neumarkt), 25 Kilometer von Amberg entfernt, kostet der Diesel auch mal 20 Cent weniger. Abgesehen von den Autobahn-Tankstellen, scheint der Sprit in der Region im Schnitt überall weniger zu kosten als in Josef Panzirschs Stadt.

Aber woran liegt das? Und ist das tatsächlich Abzocke?

Ein Anruf bei einem, der sich in der Branche auskennt, weil er in der Branche tätig ist: Gerhard Bergler, Geschäftsführer der Weidener Mineralöl-Firma Bergler, die 14 Tankstellen in der Nordoberpfalz besitzt. Einen genauen Grund kann er aber nicht liefern, weil es den einen Grund auch nicht gebe. Bergler spricht von einem "dynamischen Markt", von "wellenartigen Bewegungen", die auf ganz Deutschland zuträfen. Mal sei hier der Preis höher, mal dort.

Wer setzt die Preise?

In Schwandorf und auch in Weiden herrschen derzeit "absolute Preiskriege", wie Bergler immer wieder sagt. Die Konkurrenzsituation sei hier sehr groß, man buhle um die Kundschaft. In Luhe-Wildenau (Kreis Neustadt/WN) hat seine Firma erst eine Tankstelle eröffnet. "Das haben wir sehr aggressiv angegangen", sagt Bergler. "Da haben wir den Sprit zum Einkaufspreis verkauft, um bekannt zu werden und um Kunden anzulocken."

Der Weidener Unternehmner kann die Preise in seinen Tankstellen noch selbst entscheiden. Die anderen in der Region nicht, bei ihnen entscheiden die großen Mineralölgesellschaften. "Wir sind das letzte Familienunternehmen in der Branche in der Oberpfalz. Die letzte freie Firma, die nicht zu einem der großen Konzerne gehört." Darauf ist er stolz.

Spritverbrauch geht stark zurück

Dass mancherorts die Preise steigen, liegt daran, dass die großen Spieler auf dem Markt ihre Absatzziele in diesem Jahr nicht erreicht haben, wegen Corona, wegen des Lockdowns, in dem sehr viele Autos stehen blieben. Aber das ist nur seine Vermutung, betont Bergler.

Im ersten Halbjahr 2020 brach der Benzinverbrauch wegen der Coronakrise im Vergleich zum Vorjahr um 13,3 Prozent ein, der Dieselverbrauch um 9,5 Prozent. Im April lag der Benzinverbrauch bei 34,5 Prozent unter dem Vorjahreswert, beim Diesel waren es 21,6 Prozent. Diese Zahlen gab der Mineralölwirtschaftsverband erst kürzlich bekannt. Auch die Firma Bergler war betroffen, genaue Zahlen möchte der Geschäftsführer aber nicht nennen. "Das sind wir immer sehr schüchtern." Nur so viel: "Es war deutlich weniger."

Kein Spaß ist es für den Weidener Unternehmer übrigens auch, wenn die Preise in den Tankstellen hoch gehen. "Es gibt bestimmte Monate, in denen man als Tankstellenbesitzer ein Schild rausstellen will mit der Aufschrift: Bitte heute nicht tanken, zu teuer." Aber manchmal ist es eben so. Der Markt. "Lustigerweise beschweren sich die Leute nur, wenn die Preise in ihrer Region mal wieder höher sind. Aber wenn sie niedrig sind, beklagen sich dann die Tankstellen?"

Sulzbacher nach Lauterhofen

In der Elo-Tankstelle in Lauterhofen, in der die Spritpreise mitunter 20 Cent niedriger sind als in Amberg, freut man sich über viele Kunden, die aus Illschwang, Sulzbach oder Amberg kommen und hier billiger tanken wollen. "Da sind wir froh drum, weil dann geht mehr", sagt Tankstellenchef Peter Lachner.

Warum aber sind die Preise gerade in Lauterhofen so niedrig? "Wenn mich die Leute das fragen, sag ich immer: Weil wir mehr in die Kirche gehen", scherzt Lachner. Im Ernst: "Ich kann es nicht sagen." Die Gesellschaft im Hintergrund richte sich nach der Konkurrenz, möchte immer einen Cent billiger sein. Nach was sich die Konkurrenz richtet, wisse er allerdings nicht.

Bericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe

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"Tanken in Tschechien lohnt sich nicht":

Hat die Grenznähe zu Tschechien Einfluss auf niedrigere Preise in Gebieten, die nahe des Nachbarlands liegen? Nein, sagt der Weidener Mineralölhändler Gerhard Bergler von der gleichnamigen Firma. "Das ist ziemlich zurückgegangen. Es gibt eigentlich keinen großen Preisunterschied mehr." Und überhaupt: Selbst wenn der Preis dort niedriger ist, koste der verbrauchte Sprit für die Fahrt dorthin und wieder zurück mehr, als man sich durch den billigeren Sprit spart.

 

 

Kommentare

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Jürgen Steinhof

Das ist ja nicht das erste Mal, das über dieses Problem geschrieben wird. Seit über einem Jahr habe ich nicht mehr in Amberg getankt. Da ich regelmäßig nach SAD komme, wird nur noch dort getankt. Im Schnitt ca. 10 Cent günstiger bei Diesel.
Schon komisch dass niemand den Preisunterschied erklären kann.

05.09.2020