18.09.2020 - 14:27 Uhr
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Lkw-Fahrer zu neun Jahren Haft verurteilt

"Es war Totschlag und kein Mord", urteilt das Amberger Schwurgericht. Ein 44-Jähriger, der in Burglengenfeld einen Berufskollegen mit Messerstichen tötete, bekommt deswegen neun Jahre Haft und darf eine Alkoholtherapie machen.

Der Angeklagte wurde zu neun Jahren Haft verurteilt.
von Autor HOUProfil

Weil er einen Berufskollegen umbrachte, ist ein 44-jähriger Kraftfahrer aus dem Raum Amberg zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Schwurgericht legte seiner Entscheidung den Tatbestand des Totschlags zugrunde. Die Anklage hatte zunächst auf Mord gelautet.

Staatsanwaltschaft und Verteidiger verlangten in ihren Plädoyers neun Jahre, die Richter entsprachen dieser Forderung. In ihrer Begründung sagte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber zunächst: "Bei allem Bemühen ist es nicht gelungen, die eigentliche Ursache aufzuklären".

Acht Zentimeter lange Klinge

Dann blendete sie zurück auf das Geschehen vom 23. Oktober 2019, als sich drei Kraftfahrer auf dem Gelände einer Spedition in Burglengenfeld (Kreis Schwandorf) trafen. Zunächst wurde gegrillt, anschließend Schnaps getrunken. Der Inhalt von drei Flaschen rann durch die Kehlen. Einer aus dem Trio verabschiedete sich dann und hatte mit dem später geschehenen Verbrechen nichts zu tun.

Zwischen den beiden anderen kam es zum Streit. "Die Ursache kennen wir nicht", bilanzierte die Gerichtsvorsitzende. Aber man wisse, was danach passierte: Der 44-Jährige zog in der Fahrerkabine seines Lkw ein Messer mit acht Zentimeter langer Klinge und stach auf seinen aus Burglengenfeld stammenden Kollegen ein. Der 41-Jährige gelangte fluchtartig ins Freie, brach zusammen, wurde kurz danach von der Waffe seines plötzlich vom Freund zum Peiniger gewordenen Kollegen am Hals getroffen ud verblutete. "Die Leiche versteckte der Angeklagte unter einem Laubhaufen", hieß es in der Urteilsbegründung.

"Es besteht kein Zweifel, dass er der Täter ist", unterstrich Richterin Stöber und untermauerte dies mit der Feststellung, dass man den Mann auf einem Videofilm beobachten konnte, den eine auf dem Gelände installierte Kamera aufgenommen hatte. Die Vorsitzende sah zwischen den ersten Stichen in der Fahrerkabine und der kurze Zeit später erfolgten zweiten Attacke eine sich fortsetzende Tateinheit. Damit entfalle das Mordmerkmal der Verdeckung einer Straftat. Blieb die von der Ermittlungsbehörde zunächst angenommene Heimtücke. Auch zu diesem Merkmal ging das Schwurgericht auf Distanz. "Denn wir konnten nicht aufhellen, was in der Fahrerkabine geenau geschah und was zu der Auseinandersetzung führte." Der Täter habe sich dazu nicht geäußert, das Opfer sei tot. Augenzeugen gebe es nicht.

Trunkenheit des Beschuldigten

Auch auf die Trunkenheit des Beschuldigten ging die Vorsitzende näher ein. Sie rückte dessen drei Promille in den Blickpunkt und hielt die Steuerungsfähigkeit für erheblich eingeschränkt. "Doch Einsichtsfähigkeit war da", fuhr Roswitha Stöber fort und hielt dem verheirateten Vater dreier Kinder vor: "Sie haben in Tötungsabsicht gehandelt". Von daher müsse die Ahndung auch im höheren Bereich des vom Gesetzgeber festgelegten Strafrahmens liegen.

In ihrem Urteil billigte die Strafkammer dem 44-Jährigen eine 24 Monate dauernde Alkoholtherapie zu. Er darf sie antreten, wenn zweieinhalb Jahre der Strafe verbüßt sind. Ein knappes Jahr davon ist bereits durch die U-Haft abgegolten. Nicht unerwähnt blieb in der Begründung, dass bei erfolgreich absolviertem Entzug die dann noch ausstehenden viereinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden können.

"Man kann die Leute nicht für ewig wegsperren", ließ Richterin Stöber anklingen und ergänzte: "Der Angeklagte ist alkoholkrank. Deswegen geschieht es im Sinn der Allgemeinheit, wenn man bestrebt sei, eine Heilung einzuleiten und damit den Versuch unternehme, "ihn von weiteren Straftaten abzuhalten." Dies allerdings, sagte sie in Richtung des 2001 aus Russland in die Bundesrepublik gekommenen Übersiedlers, "ist kein leichter Weg für sie."

Im Rahmen der vier Tage dauernden Beweisaufnahme war deutlich geworden, dass Ehefrau (46) und Tochter (19) des getöteten 41-Jährigen Hinterbliebenengeld wollen. Zum Schluss war von jeweils 14 000 Euro die Rede. Im Urteil kamen diese von zwei Anwälten erhobenen Forderungen nicht zur Sprache.

Die Plädoyers im Prozess

Burglengenfeld

Der 44-jährige Lkw-Fahrer soll seinen Kollegen ermordet haben

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