12.05.2020 - 19:02 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Lichtblick für pflegende Angehörige

Ab nächster Woche startet der Malteser Hilfsdienst in Weiden wieder mit der Einzelbetreuung von Demenzkranken. Das entlastet Angehörige zumindest ein Stück. Doch was können sie in der Zwischenzeit zu ihrer eigenen Entlastung tun?

Angst und Verunsicherung: Die Einschränkungen und Regeln im Zusammenhang mit Corona können Demenzpatienten zu schaffen machen.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Die Coronakrise bringt einige besondere Herausforderungen für Demenzkranke und ihre Angehörigen mit sich. "Vor allem das Tragen von Masken und das Abstandhalten sind Demenzkranke nicht gewohnt und können es daher schwer verstehen. Vielleicht macht es ihnen auch Angst", sagt Diplom-Sozialpädagoge Georg Pilhofer von der Gerontopsychiatrischen Koordinationsstelle Oberpfalz. Dazu käme, dass Angebote zur Entlastung der Angehörigen wie Demenzgruppen nicht stattfinden könnten - und den Angehörigen diese Auszeit oft fehle.

Dieter Landgraf, Geschäftsführer der Malteser in Weiden, sieht allerdings einen Lichtblick für pflegende Angehörige: Ab 18. Mai sei eine Einzelbetreuung beim Demenzkranken zu Hause wieder möglich. "Wir erwarten noch eine Entscheidung, wann wir kleinere Gruppen in größeren Räumen mit Abstand betreuen dürfen", sagt Landgraf. Denn Einzelbetreuung zu Hause sei auch nur eine Teilentlastung für Angehörige.

"Corona ist der Super-Gau für einen an Demenz erkrankten Menschen", sagt Ursula Sottong, Leiterin der Fachstelle Demenz der Malteser. Die Angehörigen seien nun die Brückenbauer zwischen den Welten, die dem erkrankten Menschen Sicherheit geben. Wie das geht, erklärt Pilhofer: "Viel mit den Demenzkranken reden, beruhigen, geduldig sein - und auf die Hygienevorgaben achten." Zeit und Nähe in Form von Gegenwart seien in der Pflege von Kranken jetzt wichtig. "Besonders Fragen nach ihren Erinnerungen können Erkrankten Freude bereiten."

Wie erklärt man einem Demenzkranken die aktuelle Situation? Pilhofer schlägt vor, die Situation zum Beispiel wie folgt zu erklären: "Da gibt es jetzt eine Krankheit, und damit man sich nicht ansteckt, muss man eine Maske tragen." Er ergänzt: "Meist haben die Angehörigen selbst ein gutes Gespür, wie man dem Demenzkranken etwas vermittelt."

Die Mitarbeiterin eines Pflegedienstes erzählt

Hirschbach
Info:

Alzheimer-Telefon: Antworten auf Fragen zum Thema Demenz und Alzheimer gibt ein Team der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter Telefon 030/259 37 95 14.

Sozialpsychiatrische Dienste: Tirschenreuth: Telefon 0 9631/798950 , Weiden – Neustadt/WN: Telefon 0961/389050, Schwandorf: Telefon 09431/88170, Amberg: Telefon 09621/37240

Infos für Angehörige

Tipps für Angehörige:

Petra Mayer, Leiterin des Café Malta gibt außerdem Tipps, was pflegende Angehörige trotz dieser hohen Belastung für sich tun können:

  • Kräfte schonen, Freiräume schaffen: Angehörige sollten sich Zeiten freihalten, in denen sie Dinge tun können, die ihnen am Herzen liegen. Mayer rät, dafür auch die Ruhe- und Schlafphasen ihres Angehörigen zu nutzen.
  • Entlastung: Eine möglichst gesunde Vertrauensperson, die regelmäßig für einige Stunden die Pflege übernimmt. Mayer empfiehlt beispielsweise auch die Nutzung ehrenamtlicher Einkaufsdienste.
  • Humor: Petra Mayer: "Er wirkt gegen Hoffnungslosigkeit und hilft, Stress zu reduzieren."
  • Vorsorgen: Falls der Pflegende selbst wegen Krankheit ausfällt, sollten Verabredungen getroffen sein.
  • Soziale Kontakte: Per Telefon und Video kann der Kontakt zu Familie und Freunden aufrechterhalten werden, so können Pflegende ihre Sorgen loswerden und Zuspruch erfahren.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.