12.06.2020 - 15:12 Uhr
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Kroatien-Urlaub in Corona-Zeiten: "Man fühlt sich schon sehr alleine"

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Der einwöchige Pfingsturlaub in Kroatien ist schon ein Jahr vorher gebucht und bereits angezahlt. Ein Ehepaar aus Amberg wagt die Fahrt trotz Reisewarnung. Mit einer guten Begründung aus ihrer Sicht.

Warten auf die deutschen Touristen in der „Polibar“ am Strand von Istrien.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

"Wenn man hier in Kroatien auf dem Campingplatz ist, besteht eine weit geringere Gefahr sich zu infizieren als in Deutschland. Hier sind riesige Abstände zu den nächsten Urlaubern, man ist immer an der frischen Luft am Meer", sagt Martin K. (Name von der Redaktion geändert, siehe Infokasten).

Mit ihrem Wohnmobil hatten sich die beiden Amberger am Freitag, 5. Juni, auf den Weg nach Süden gemacht. Vorab mussten beide eine Erklärung zur Ein- und Durchreise Österreichs ans österreichische Bundesministerium des Inneren einreichen, inklusive einer Buchungsbestätigung aus Kroatien. "Das ging problemlos, das Formular kann man im Internet laden und ausfüllen", sagt der 42-jährige Amberger.

Große Überraschung

Das Ehepaar musste unterschreiben, dass sie die Alpenrepublik ohne Zwischenstopp durchqueren. "Ich habe mich vorher kundig gemacht. Wenn man dringend mal Pipi muss, wäre das auch möglich gewesen, ebenso tanken." Beim Antritt der Fahrt galt nach wie vor die Reisewarnung. Aber zur großen Überraschung der beiden war davon beim Grenzübertritt nichts zu spüren. "Kein österreichischer Grenzpolizist hat sich für irgendwelche Formulare für die Ein- und Durchreise interessiert. Niemand wollte das dringend vom ADAC empfohlene Gesundheitszeugnis sehen. An der kroatischen Grenze haben wir weit und breit keinen Grenzbeamten gesehen", schildert der Amberger seine Urlaubserfahrungen in Corona-Zeiten. Die beiden Amberger hatten vor einem Jahr einen Stellplatz für ihr Wohnmobil auf einem Campingplatz am Strand von Istrien gebucht - wie schon einige Male die Jahre zuvor. Normalerweise, so sagt Christine K., findet man hier um diese Jahreszeit kaum einen freien Liegestuhl. Denn viele Touristen genießen an Pfingsten ihren Urlaub bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Wassertemperaturen von rund 20 Grad. Doch in diesem Jahr war bei der Ankunft der beiden Amberger alles anders: Gähnende Leere am Strand und auf dem Campingplatz. Die Hauptkundschaft fehlt: Die Urlauber aus Deutschland. "Man spricht deutsch" heißt es normalerweise in diesem Teil Kroatiens zu dieser Jahreszeit.

Öffnung am 28. Mai

Am 28. Mai hatte Kroatien seine Grenzen geöffnet, in der Hoffnung, noch in den Pfingstferien den Tourismus nach der langen Durststrecke während der Corona-Pandemie ankurbeln zu können. Aber die Zentren an der Adria sind momentan nahezu leer.

Die Campingplätze Istriens, die sich an der Küste wie eine Perlenkette aneinanderreihen, haben geöffnet - aber: "Wir haben nur wenige Autos mit deutschem Kennzeichen gesehen. Bei uns auf dem Campingplatz waren eine Handvoll Urlauber aus Baden-Württemberg und ein paar Österreicher. Das war's dann schon. Man fühlt sich schon sehr alleine", sagt Martin K.. Die meisten Hotels bleiben gleich ganz geschlossen, gähnende Leere herrscht an den Pools ohne Wasser.

Zum Thema Hygiene auf dem Campingplatz: "Die sanitären Anlagen werden akribisch gereinigt. Eine Putzfrau putzt ununterbrochen und macht alles sauber, das ist schon bemerkenswert."

Ansturm ab Montag?

Die beiden Amberger haben mit einigen Leuten gesprochen, ihre Erkenntnis: Viele glauben, dass der Betrieb ab dem 15. Juni wieder richtig losgehe. "Die Touristengeschäfte, die T-Shirts und so Zeug verkaufen, die bereiten alles vor. Sie erwarten ab Montag den Ansturm."

Urlaub in Schweden - entspannt und unbeschwert

Eschenbach
Gähnende Leere am Strand von Zelena Laguna.
Die Hotels sind noch geschlossen, in den Pools fehlt das Wasser.
Nur wenige Touristen in der normalerweise dicht gedrängten Flaniermeile von Porec.
Hintergrund:

Kroatien von Pandemie kaum betroffen

Das Ehepaar aus Amberg möchte nicht, dass ihr Name öffentlich genannt wird. Denn den beiden ist bewusst, dass es Deutschland in Bezug auf Covid-19 und die dazugehörigen Maßnahmen inzwischen sehr konträre Ansichten gibt. "Auch in unserem Umfeld gibt es Menschen, die die Coronakrise sehr, sehr ernst nehmen und Angst vor einer Ansteckung haben. Auf der anderen Seite sehen wir uns nicht als Risikopatienten und sind auch deswegen in den Urlaub gefahren, weil wir annahmen, dass demnächst weitere Lockerungen kommen werden. Auch was Reiseziele betrifft", erklärt Martin K.

Womit er recht hatte mit seiner Vermutung: Das Auswärtige Amt hat am Mittwoch die Reisewarnung ab Montag, 15. Juni, für etliche innereuropäische Ziele aufgehoben. Mit der Aufhebung der Reisewarnung für die EU- und die Schengenstaaten will das Auswärtige Amt den Weg für Sommerurlaub in Europa ebnen. Auch für Kroatien wird die Reisewarnung ab dem 15. Juni durch einen Reisehinweis ersetzt werden. Dabei handelt es sich bei der sogenannten Reisewarnung nicht um ein Reiseverbot, sondern nur um eine Empfehlung.

In Kroatien erscheint die Corona-Pandemie weit weg, erzählen die beiden Amberger. Nur wenige Hinweise gibt es auf Regeln, die es einzuhalten gilt. Kaum ein Ober, der einen Mundschutz trägt. "Für die Urlauber ist es ein Traum, ohne Schutzmaske und Abstandslinien im Supermarkt einzukaufen", erklären die beiden.

Kroatien ist von der Pandemie nahezu verschont geblieben. Nur 2249 Personen (Stand 12. Juni 2020) haben sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums mit dem Coronavirus infiziert, 106 Menschen sind an Covid-19 gestorben. Seit dem 23. Mai werden kaum mehr Fälle von Neuinfizierten registriert. Die Zahl der Genesenen (2132) erreicht fast die Zahl der bestätigten Infizierten. Deswegen hob auch das Land die Beschränkungen für deutsche Touristen bei der Einreise wieder auf. Am 19. März 2020 war eine Grenzschließung auch für deutsche Staatsangehörige verfügt worden.

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