27.05.2020 - 18:36 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Kaufkraft höher als in München: Rentner in der Region leben günstig

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Als Ruheständler lebt es sich in der Oberpfalz ganz gut. Das ist das Ergebnis einer deutschlandweiten Studie über die Kaufkraft von Rentnern. Wer dagegen in der Landeshauptstadt München wohnt, muss sich mächtig nach der Decke strecken.

Zwei Seniorinnen in Weiden freuen sich des Lebens. Zu Recht, was den finanziellen Aspekt betrifft. Laut einer Studie verfügen Ruheständler in unserer Region über eine hohe Kaufkraft.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Die Lebenshaltungskosten für Rentner in Bayern unterscheiden sich massiv zwischen den einzelnen Regionen. Im für Senioren billigsten Landkreis, Freyung-Grafenau, ist deren Rente mit einer Kaufkraft von 1135 Euro (bezogen auf 1000 Euro Rente) um fast 49 Prozent mehr wert als in München (763 Euro), das nicht nur bayern- sondern auch bundesweit am teuersten ist, wie aus einer Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag einer Initiative der Deutschen Versicherer hervorgeht. In keinem anderen Bundesland gibt es so große Unterschiede wie in Bayern

.Günstig lebt es sich für Pensionäre nicht nur im Bayerischen Wald, sondern auch durch die Bank in der nördlichen und mittleren Oberpfalz. Viel leisten kann sich, wer den Landkreis Tirschenreuth als Altersruhesitz wählt. Senioren haben hier statt einem Tausender den realen Gegenwert von 1126 Euro zur Verfügung.

Problem Lohnniveau

Wieso sich von Plößberg bis Waldsassen, von Mähring bis Kulmain vergleichsweise eine so große Kaufkraft entfaltet, weiß Peter Hofmann. "Je nördlicher man in der Oberpfalz wohnt, desto geringer sind in der Regel die Wohnkosten", sagt der Regionssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes. "Und die Halbe Bier kostet auch deutlich weniger als in der Großstadt." Allerdings kennt Hofmann das Problem des ungleichen Lohnniveaus in den bayerischen Wirtschaftsräumen: "Viele Arbeitnehmer bei uns tun sich schwer, überhaupt eine gute Rente über 1000 Euro zu erreichen."

Renten steigen ab Juli

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Auf so manche Gefahren weist auch die Prognos-Studie hin. "Einbußen beim Lebensstandard im Alter drohen vor allem, wenn die Lebenshaltungskosten im Verlauf des Erwerbslebens stark gestiegen sind und die gesamten Alterseinkünfte im Verhältnis zum regionalen Preisniveau sehr niedrig sind", fasst Studienautor Heiko Burret seine Erkenntnisse zusammen.

In München sind 1000 Euro Rente nur 763 Euro wert. In der Nordoberpfalz haben Ruheständler mehr von ihrer Rente.

Regensburg teuer

Aber nicht nur das Stiftland hat im Alter finanzielle Vorzüge. Nur wenig schlechter gestellt sind Rentner in den Landkreisen Amberg-Sulzbach (1092 Euro) und Neustadt/WN (1083 Euro). Eine Empfehlung wert für den Lebensabend wären zudem der Landkreis Schwandorf (1050 Euro) und die Stadt Weiden (1049 Euro). Etwas teuerer lebt es sich zwar in Amberg (1030 Euro), im Vergleich zur Stadt Regensburg (892 Euro) kommt die Vilsstadt aber fast schon als Renter-Paradies daher. Noch billiger sind Wunsiedel (1131 Euro) und der Landkreis Hof (1128 Euro).

Ganz anders der bayerische Süden: Hinter der Stadt München folgen die Landkreise München (826 Euro) und Starnberg (828 Euro) als richtig teuere Pflaster auf den bundesweiten Plätzen zwei und drei. Miesbach (849) ist in diesem Ranking Fünfter, Dachau (861 Euro) und Ebersberg (863 Euro) belegen die Plätze sieben und acht. Gleich 40 der 50 teuersten Regionen für Rentner verteilen sich auf Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

Prognos-Studie:

Ausgaben für Gesundheit und Miete schlagen durch

Für die Auswertung seiner Studie „Kaufkraft von Renten“ hat das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos die Lebenshaltungskosten der Rentnerinnen und Rentner in 401 Kreisen und kreisfreien Städten innerhalb Deutschlands verglichen. Zur Berechnung wurden in den allgemeinen Verbraucherpreisindex (VPI) regionale Preise für den Individualkonsum eingepflegt. Zudem wurde eine altersspezifische Komponente eingefügt, die bestimmte Ausgaben entsprechend dem Konsumverhalten der über 65-Jährigen gewichtet. Beispielsweise haben Gesundheitsausgaben und Mieten in dieser Altersgruppe eine höhere Bedeutung als in der erwerbstätigen Bevölkerung. Bildungsangebote fallen dagegen weniger ins Gewicht als im klassischen Warenkorb.

Allerdings wurde in der Analyse nicht berücksichtigt, dass sich die Rentenniveaus zwischen den einzelnen Landkreisen unterscheiden. Laut dem Rentenreport 2018 des Deutschen Gewerkschaftsbundes beträgt zum Beispiel die durchschnittliche Rente von Neu-Rentnern im Landkreis Tirschenreuth 1098 Euro (Männer) und 596 Euro (Frauen). In München lauten die Werte dagegen 944 Euro (männlich) und 823 Euro (weiblich).

„In Großstädten gibt es neben vielen Gutverdienern auch jede Menge Arbeitnehmer, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Das ist in ländlichen Gebieten nicht so stark ausgeprägt“, sagt DGB-Pressesprecher Herbert Hartinger bezüglich der Durchschnittssummen bei Rentnern. Bei den Rentnerinnen erkläre sich das Gefälle zwischen Land und Stadt durch deutliche Unterschiede bei der Erwerbsquote.

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