09.04.2021 - 18:49 Uhr
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Hat der Oberpfälzer Fußball ein Problem mit Homosexualität?

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Hat er nicht, meint der Bezirksvorsitzende des BFV, Thomas Graml. Im Interview erklärt der Funktionär, woran es liegen könnte, dass es noch immer kaum offen schwule Fußballer in der Oberpfalz gibt, und was der Verband unternimmt.

Thomas Graml ist seit 2018 Bezirksvorsitzender des BFV.
von Julian Trager Kontakt Profil

ONETZ: Kennen Sie einen homosexuellen Fußballer aus der Region?

Thomas Graml: Nein, ich kenne keinen.

ONETZ: Die Spieler wird es aber doch geben. Woran liegt es, dass man kaum offen schwule Fußballer kennt?

Ich glaube, das ist eine sehr persönliche Sache. Die Spieler müssen sich überlegen, ob sie das in so einem Kreis – sei es im Privaten bei Freunden, im Beruf oder beim Fußball – bekannt geben möchten. Eine wichtige Rolle spielt dabei beim Fußball, wie sie die Toleranz, die Reaktionen der Mannschaftskollegen einschätzen. Die Fußballersprache wird sehr leicht ausgefallen. Das schreckt ab. In der Umkleide und beim Duschen herrscht zudem eine intime Atmosphäre. Vielleicht hat der Spieler dann Bedenken, wie seine Kollegen dann mit ihm umgehen. Ich glaub aber, die Toleranz ist größer als vor ein paar Jahren. Ob dann aber jeder dahinter steht, ist eine andere Frage.

ONETZ: Hat der Oberpfälzer Fußball ein Problem mit Homophobie?

Nein. Wir haben hier augenscheinlich kein Problem mit Homophobie. Es gab bisher keine Spielunterbrechungen oder -abbrüche wie bei Rassismusvorfällen, bei denen Menschen wegen ihrer Hautfarbe beleidigt wurden. Ich habe mich auch mal in München erkundigt: Bayernweit gab es ein paar Vorfälle, da wurde das „Team München“, ein schwul-lesbisch-transgender Sportverein beleidigt. Da wurden dann Gespräche mit den Gegner geführt.

ONETZ: Und trotzdem gibt es sehr wenig offen schwule Spieler. Wo liegen derzeit noch die größten Probleme, in den Mannschaften, in den Vereinen oder bei den Zuschauern?

Ich kann da keinen Unterschied machen. Zum einen gibt es da die intime Atmosphäre in der Umkleide und Bedenken, dass Spieler plötzlich auf Distanz zu dem geouteten Spieler gehen. Und dann könnte auch die Beleidigungen und Provokationen von Zuschauern dazu führen, dass das den Spieler so zermürbt und letztendlich mit dem Fußballspielen aufhört.

ONETZ: Würden Sie einem Spieler raten, sich zu outen?

Das ist eine rein private Sache. Ich bin da kein Fachmann. Da will ich mich nicht hinstellen und sagen: Mach das. Es kommt auch immer auf das Umfeld des Spielers an. Wahnsinnig wünschenswert wäre es dann aber, wenn bei homophoben Äußerungen gegen den Spieler die Mannschaft ein klares Zeichen setzt, dass sie hinter ihrem Mitspieler steht und zusammenhält.

ONETZ: Was würde der BFV unternehmen?

Wir würden jeden Spieler und jede Spielerin unterstützen. Wir können ihnen ein Gespräch anbieten, um zu helfen, wie man auf den Verein und die Mannschaft zu gehen kann. Wir können da auch dabei sein. Das „Team München“ steht mit seiner Erfahrung auch an unserer Seite, es kann uns beraten. Zudem gibt es beim DFB in Frankfurt eine zentrale Anlaufstelle. Der BFV kann nur sehr viel Aufklärungsarbeit liefern. Informationsmaterial, Aufrufe, Kampagnen mit Bannern vor dem Spiel oder in Stadionzeitschriften. Die Vereine beraten, um Vorurteile auszuräumen. Um eine Atmosphäre ohne Beleidigungen und Provokationen zu schaffen. Das wichtigste wäre aber das persönliche Gespräch, wenn man Hilfe braucht.

Reportage über Schwule im Oberpfälzer Amateurfußball

Oberpfalz
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