27.11.2020 - 17:28 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Generalkonsulin im Gespräch: Israelis mögen Deutschland

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Mit Sandra Simovich besucht die zweithöchste israelische Diplomatin in Deutschland Amberg. Im Redaktionsgespräch erklärt sie, weshalb ihr die Fahrt in die Oberpfalz so wichtig war und spricht über israelisch-bayerische Beziehungen.

Generalkonsulin Sandra Simovich beim Besuch in der israelitischen Gemeinde in Amberg
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Über Amberg nur das Beste: Sandra Simovich sagt, ihr war es ein Anliegen, die Stadt zu besuchen, weil sie immer wieder so viel Gutes gehört habe. Als Amberger darf man das als Auszeichnung für die Heimatstadt auffassen, denn die israelische Generalkonsulin residiert zwar in München. Zuständig ist sie aber für fünf Bundesländer in Deutschlands Süden. Entsprechend viel sei sie unterwegs.

Natürlich spielt bei ihrem Besuch auch Ambergs Israelitische Kultusgemeinde eine Rolle. Die Gemeinde strahle auch wegen ihres Rabbiners Elias Dray weit über die Grenzen der Stadt. "Das macht mich froh und ist mir wichtig", erklärt die Diplomatin. Es sei selbstverständlich, dass sie als Vertreterin des jüdischen Staates zu solch lebendigen Gemeinden Kontakt suche.

Antisemitismus mehr sichtbar

Das gelte umso mehr, als sich das Klima für Juden in Deutschland zuletzt eher verschlechtert hat. Wie überall in Europa werde der Antisemitismus deutlicher sichtbar. Anschläge wie auf die Synagoge in Halle im vergangenen Jahr seien nur die Spitze des Eisbergs.

Natürlich werde es in den jüdischen Gemeinden genau wie in Israel mit Sorge gesehen, dass in vielen deutschen Parlamenten wieder eine Partei sitzt, die extrem rechtes Gedankengut transportiert. Dazu kommt die Coronakrise, die Verschwörungstheorien boomen lässt. "Es ist bekannt, dass Krisenzeiten Antisemitismus deutlicher sichtbar machen", sagt Simovich. Gerade in Deutschland werde diesem Phänomen oft zu viel Raum gelassen. "Deutschland hat aus der Geschichte gelernt, wie wichtig Meinungsfreiheit ist", lobt Simovich. Einerseits. Andererseits werde darüber vergessen, dass es auch das Recht gebe, nicht grundlos beleidigt zu werden. Sie würde sich wünschen, dass die Gerichte zwischen diesen Rechten besser abwägen.

Dies ist im gut einstündigen Redaktionsgespräch beinahe die einzige Kritik. Viel mehr outet sich Simovich als Fan des Landes. Beruflich, weil Deutschland einer der wichtigsten Partner Israels sei. Privat, wegen der hohen Lebensqualität speziell in Bayern. "Ich glaube, ich schätze das Leben hier mehr, als es viele Deutsche tun."

Gleichzeitig bemühe sie sich, Interesse an ihrem Heimatland zu wecken. Dass in der Oberpfalz nur die kleine Gemeinde Ammerthal eine Partnerschaft zu einer israelischen Stadt pflegt, sei schade. Und es liege bestimmt nicht an den Kommunen in Israel. "Das Bild von Deutschland dort ist sehr positiv." Trotz der Geschichte sei Deutschland und speziell Bayern ein beliebtes Urlaubsland, in Berlin gebe es eine große israelische Community. Um den Austausch zu fördern, spricht Simovich oft an Hochschulen.

"New Kibbuz"

Besonders liege ihr das Programm "New Kibbuz" am Herzen, das im Münchener Konsulat entwickelt wurde. Bis in die 1980er Jahre war es beliebt, in einem gemeinschaftlich organisierten Kibbuz in Israel, oft in der Landwirtschaft, zu arbeiten. Auch das "New Kibbuz"-Programm soll helfen, Zeit in Israel zu verbringen - nun aber, um dort von der Computer- und Technik-Szene zu profitieren. Aber auch Schulen oder Städte auf der Suche nach einem Partner dürfen sich beim Konsulat melden. "Wir helfen gerne", versichert Simovich. Sie persönlich kann dazu noch bis August 2021 beitragen. Dann enden ihre vier bayerischen Jahre. "Leider", sagt die 46-Jährige. Sie habe die Zeit genossen. Über die Frage, was sie dabei als typisch deutsch kennengelernt habe, muss die weit gereiste Diplomatin nachdenken, bis ihr dann eine Besonderheit einfällt: "Deutschen sagen gerne, dass ihr Englisch schlecht ist. Wenn sie dann aber sprechen, ist es fast immer perfekt."

Wann ist Israel-Kritik erlaubt? Ein Kommentar

Amberg

Zu Besuch bei der Israelitischen Gemeinde in Amberg

Amberg
Hintergrund:

Zur Person: Sandra Simovich

  • Geboren 1974 in Iași/Rumänien
  • 1981 nach Israel ausgewandert
  • Jura-Abschluss an der Tel Aviv Law School
  • Seit 2000 im diplomatischen Dienst des israelischen Außenministeriums
  • Unter anderem Stationen in Rumänien, von 2012 bis 2014 an der israelischen Botschaft in Berlin
  • Seit 2017 Generalkonsulin für Süddeutschland in München
  • Verheiratet und Mutter einer Tochter und eines Sohns

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