03.12.2020 - 00:30 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Ein Fan des TSV 1860 München packt aus

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Günter Becher war Vorsitzender, Vize und Kassier beim SV Kauerhof - und seit seinem siebten Lebensjahr schlägt sein Herz für die Löwen: den TSV 1860 München. Seine gesammelten "Devotionalien" sind fast einzigartig.

Günter Becher in seinem 1860-Gartenhäuschen in Sulzbach-Rosenberg.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Eine schlichte Holzhütte im Garten, außen braun, jetzt im Winter von einer elektrischen Jalousie an der Frontseite verschlossen. Günter Becher drückt einen Knopf, und leicht quietschend öffnet sich das Refugium: Der Ort, an dem der Fan des TSV 1860 München sich mit seinem Freunden trifft – wenn mal Spiele der Löwen im Fernsehen übertragen werden. Ein seltenes Vergnügen, denn wegen Corona ist gemeinsames Fernsehschauen nicht möglich. Das letzte Treffen ist auch schon länger her, der Fernseher wird in der kalten Jahreszeit weggeräumt. Ganz schlicht ist die Hütte dekoriert, auf den ersten Blick nichts Spektakuläres. Doch Günter Becher ist stolz auf seine "Devotionalien", wie er sagt. Ein Vereinswimpel, rund 50 Jahre alt, hängt an der Wand. Der wurde ihm auf ominösen Wegen aus Bayreuth zugespielt, als die Löwen seinerzeit dort im Pokal antraten. und natürlich eine Nachbildung der legendären Meisterschale von 1966, als der TSV 1860 zum ersten und einzigen Mal Deutscher Meister wurde. "Das Stück hat Seltenheitswert, denn es gibt die Schale schon lange nicht mehr zu kaufen", erklärt Becher. Darauf abgebildet der ebenso legendäre Torwart Petar "Radi" Radenković im Flug und die Siegermannschaft.

Ein weiteres Kleinod, verglast in einem Bilderrahmen an der Wand und kaum erkennbar, was es sein soll. Aber die Erklärung kommt sofort: "Das ist ein Stück Rasen, das habe ich auf dem Fußballplatz in Meppen ausgestochen. 0:1, Peter Pacult, vierte Minute", sagt Becher. 1994 war's, mit 1:0 durch das Tor des österreichischen Nationalspielers gewannen die Löwen und stiegen in die 1. Bundesliga auf. Ein glatter Durchmarsch war's, von der 3. Liga. Ein weiteres Schmankerl, das an der Wand hängt, ist eine Uhr. An und für sich nichts Besonderes, aber: "Die hat mir ein absoluter Bayern-Fan gemacht, der Zellerer Simon. Das bedeutet auch, dass ich mit den meisten Bayern-Fans ein gutes Verhältnis habe, weil irgendeinen Fehler braucht ja jeder."

Angefangen hat's so im Alter von sechs, sieben Jahren. Da hörte Günter Becher Fußball im Radio, auf Bayern 1. Wenn er heute zurückblickt auf diese Zeit, wie alles begonnen hat, wie er zum Fan des TSV 1860 München wurde, dann räumt er ein: "Zufall. Es hätte genauso gut der FC Bayern München oder der 1. FC Nürnberg werden können." Als kleiner Junge fieberte er am Radio mit, erst mit 18 konnte er Spiele der Löwen live im Grünwalder Stadion verfolgen – das einzig wahre Stadion für einen Sechziger-Fan. Becher hat in Nürnberg in einem Hotel eine Ausbildung als Restaurantfachmann gemacht, der Club war 1000 Meter Luftlinie entfernt und trug da seine Bundesligaheimspiele aus. "Aber das, was ich da gesehen habe, war zu wenig, um mich umzupolen."

Seine Leidenschaft für den TSV 1860 ist ungebrochen, auch oder gerade aufgrund der Berg- und meistens Talfahrt der Löwen. "In der Wissenschaft würde man das als Masochismus betrachten, denn am sportlichen Erfolg kann's nicht liegen." Das Gemeinschaftsgefühl sei es vor allem, und Becher hat durch diese Verbundenheit zu den Löwen viele sehr gute und verlässliche Freunde gefunden. Heuer war es dem 62-Jährigen wegen Corona nicht möglich, ein Spiel seines Vereins zu besuchen. Die letzten Male, als er im Stadion an der Grünwalderstraße war, sah der selbstständige Mitarbeiter einer Bausparkasse im Dezember 2019 ein 1:1 gegen Sonnenhof Grossaspach und dann ein 2:2 gegen Ingolstadt.

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