05.12.2020 - 00:30 Uhr
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Eh'häusl in Amberg: Die Legende auf der Haustür

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2,50 Meter breit, 56 Quadratmeter Fläche, sieben Etagen: Das Eh'häusl in Amberg ist das kleinste Hotel der Welt. Gerade mal zwei Menschen haben darin Platz – absolut ausreichend für Flitterwöchner und Ehejubilare.

Ein Winzling in Weinrot: Gerade mal 2,50 Meter breit ist das Eh’häusl in der Seminargasse in Amberg.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Allein schon die Haustür ist ein Hingucker. Sie ist ein Kunstwerk, geschaffen von Manfred Raumberger. Auf getriebenem Kupfer erzählt sie die Geschichte des pittoresken Hauses in der Seminargasse. Im oberen Drittel ist das Amberger Rathaus zu sehen. Daneben ein trauriges Paar: Die Braut weint, der Bräutigam schaut ratlos drein. Neben den Heiratswilligen der gestrenge Bürgermeister. Seinetwegen darf das Paar nicht heiraten. Denn im Jahre 1728 hatte der Rat der Stadt Amberg heiratswilligen Paaren Auflagen gemacht. Man musste Bürger der Stadt sein, einen guten Leumund haben - und als absolut schlagendes Argument - schuldenfreien Haus- und Grundbesitz vorweisen können, so Stadtführerin Hannelore Zapf. Und so besagt die Legende vom Eh'häusl, dass ein findiger Bräutigam, der eben keinen Besitz hatte, eine Baulücke zwischen zwei Häusern in der Seminargasse nutzte: eine Giebelwand vorne, eine Giebelwand hinten und oben drauf ein Dach - fertig war sein Häuschen. So zeigt dann auch der mittlere Teil der Haustüre das glückliche Paar: In Händen hält es den Schlüssel - zum Häuschen, der zugleich der zum Eheglück ist. Im unteren Drittel der kunstvollen Haustüre dann das Happy-End: Die frisch Vermählten kuscheln im ehelichen Bett.

Paare sind es, die heute das Eh'häusl buchen, meist für eine Nacht, maximal für zwei Nächte, erzählt Maximilian Hahn, Geschäftsführer der Stadtbau, einer städtischen Tochter, die das Eh'häusl als kleinstes Hotel der Welt seit der Sanierung vor zwölf Jahren betreibt. Vor allem die Wochenenden seien sehr beliebt, so Hahn weiter. Oftmals seien sie sechs Monate oder gar ein Jahr im Voraus ausgebucht. Drinnen im Eh'häusl verteilen sich auf 56 Quadratmetern ein Bereich für Küche und Vorbereitung (die Gäste bekommen ein Frühstück serviert), der rote Salon als Frühstückszimmer, ein romantisches Kaminzimmer, Bad, Schlafzimmer und die Whirlpool-Etage. Alles ist im italienischen Stil gehalten. Wer die Tür aufsperrt, wird mit viel Licht und Verdis "La Traviata" empfangen. Übernachtungen im Eh'häusl anlässlich von besonderen Hochzeitstagen würden hauptsächlich von Frauen gebucht. Männer hingegen buchen meistens, wenn sie ihre Angebetete mit einem Heiratsantrag überraschen wollen, sagt Stadtbau-Geschäftsführer Maximilian Hahn.

Bei Stadtführungen seien die Leute immer fasziniert davon, wie schmal das Eh'häusl ist und dass es ein Hotel nur für zwei Personen ist, erzählt Hannelore Zapf. Auch die Legende, wie das Eh'häusl entstanden ist, "finden viele so schön". Sie selbst hat dort noch nicht übernachtet, wohl aber Sohn und Schwiegertochter zur Hochzeit eine Nacht im Eh'häusl geschenkt. "Es hat schon ein besonderes Ambiente", schwärmt die Stadtführerin vom kleinsten Hotel der Welt.

Die Haustür, ein Werk des Amberger Künstlers Manfred Raumberger, erzählt die Legende des Eh’häusls.

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