23.02.2020 - 15:20 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

10 Jahre Sparda-Bank-Kunstpreis

Lucas Cabarth macht Selfies, Lilly Peithner ist auf der Suche – gleich zweimal, Sebastian Dorn verewigt Biblisches und Christian Kölbl installiert. Das sind die Kunst-Preisträger der Sparda-Bank-Stiftung.

Zeitgenössisch, politisch, naturbehaftet über Liebe und Narzissmus. Die Gewinner des Kunstpreises, so unterschiedlich ihre Werke auch sein mögen, fördern und fordern unsere Gesellschaft. Bürgermeister Martin Preuß, Stadtoberhaupt Michael Cerny, Sebastian Dorn, Lilly Peithner, Lucas Cabarth, Hauptpreisträger Christian Kölbl, Sparda-Bank-Filialleiterin Sabine Seberak und Vorstandsvorsitzender Michael Gruber (von links).
von Dagmar WilliamsonProfil

Alle Jahre wieder, während die Hexen am Marktplatz ihr Unwesen treiben, begeben sich die Kunstaffinen in die Galerie Alte Feuerwache. Dort ist das Spektakel ruhiger, nennenswerter mit einem gesellschaftlichen Mehrwert ausgezeichnet. Aber auch hier gibt es kein Entkommen. Die Faschingstreiberei ist optisch zugegen und verbalisiert in Form einer Büttenrede. Obgleich der Begrüßungs-Reim des 2. Bürgermeisters Martin Preuß spaßig launig und gekonnt verfasst ist, erscheint es dem ein oder anderen Bewunderer der bildenden Kunst unpassend – zumal eine Schweigeminute aufgrund der erschütternden Geschehnisse in Haunau angebracht gewesen wäre.

Welch eine Fügung des Schicksals, dass ausgerechnet an diesem unsinnigen Donnerstag inmitten der Galerie ein weißer, luftgefüllter Torso bekleidet mit einem T-Shirt der britischen Boxer-Marke Lonsdale aufplusternd seinem Dasein weilt. Lonsdale war in Deutschland jahrelang bombenfest als Nazimarke etabliert – ihr Schriftzug ergibt bei halb geöffneter Jacke die Buchstabenkombination NSDA, also beinahe NSDAP. Diese Installation von Hauptpreisträger Christian Kölbl ist der subtile Hinweis auf die Allgegenwärtigkeit versteckter Kennzeichnung Rechtsgesinnter. Kölbl übernimmt somit die Rolle eines besonderen Künstlers, der inmitten einer uninformierten Gesellschaft die beinahe unentdeckten Zeichen unserer Zeit in den Vordergrund stellt.

Der Zusammenhalt der Studierenden ist unübersehbar. Eine freudige Überraschung, dass Preisträger der vergangenen Jahre ihre kunstschaffenden Peers unterstützen. Barbara Muhr und Laudator Johannes Steubl stellten 2017 ihre Werke aus und Lena Schabus verwirrte mit verirrten Straßen vor einem Jahr. Sogar der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank und Kunstpreis-Initiator Georg Thurner, der jahraus jahrein betonte, wie wichtig ihm diese Preisverleihung im Rahmen der bildenden Kunst sei, versteckt sich in den hinteren Reihen als stiller und heimlicher Bewunderer im Ruhestand.

Sie ist keinesfalls nur Quotenfrau. Lilly Peithner beschäftigt sich mit der harmonischen Verlandschaftlichung der menschlichen Figur als Betonabguss. Sie zeigt den Weg von Bleistiftzeichnungen mit den Titeln „Suche“ zu ihren daraus resultierenden Skulpturen „Jelena“ und „Auf und ab“. Letztere verdeutlicht ein Kräftemessen zwischen einer weiblichen Gestalt und einer Gebirgslandschaft abhängig der Perspektive. Mit der Bewegung des Aufrichtens erinnert Lilly Peithner an die scheinbar oft vergessene Verbindung von Natur und Lebewesen.

Laudator und ehemaliger Preisträger Johannes Steubl neben dem Selfie aus Öl auf Leinwand von Lucas Cabarth.

Lucas Cabarth tut es Rembrandt gleich. Der Selfie-Pioneer aus dem 17. Jahrhundert war dennoch kein Vorbild per se, sich mit Ölfarbe selbstzuvermarkten. Vielmehr prangert Cabarth die digitale Erzeugung eines künstlichen „Wunsch-Selbst“ an. Die optimale Verfälschung erreicht er durch schnelle, gestische Pinselstriche. Diese Form der Darstellung wirft Fragen über die Ehrlichkeit von Selbstbildnissen auf – auch weil Cabarth Selfie-Posen aus weniger schmeichelnden Winkel zeigt.

Rembrandt spielt in technischer Hinsicht auch eine Rolle bei Sebastian Dorn. Chiaroscuro als Gestaltungsmittel wird hier professionell umgesetzt und versetzt zurück in die Spätrenaissance und Barock. Dorn bedient sich der Wirkung von Licht und Schatten, um Menschen und ihre Emotionen szenisch umzusetzen. In seinem Gemälde „Rebekka und Isaak“ erkennt der Betrachter die langen Ehejahre und erahnt das „in guten wie in schlechten Zeiten“. Dorn erzählt bildhaft eine ganze Geschichte von Lügen, List und Liebe.

"Auf und ab" von Lilly Peithner - eine weibliche Skulptur inmitten der Bewegung des Aufrichtens.

Obgleich die Gekürten von einer Jury auserwählt wurden, ergibt die Vernissage ein harmonisches Gesamtbild. Zeitgenössisch, gegensätzlich, anprangernd. Ein Bravo auf ein gelungenes informatives Gesamtwerk junger Menschen.

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