07.02.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Unterschriftlisten liegen auf gegen Sandabbau - Ausweisung von Landschaftsschutzgebiet gefordert: Süßer in Sorge um "heiligen Berg"

Ihr "heiliger Berg" mit den großen Trinkwasserquellen scheint für viele Süßer in größter Gefahr zu sein. Manche fragen: "Kann Geld Berge versetzen?". Die Firma Dorfner aus Hirschau hat damit begonnen, die Sandabbauflächen unmittelbar neben den Trinkwasserquellen zu vergrößern.

von Autor MMAProfil

Schon haben sich Hunderte in Unterschriftslisten eingetragen, die in den Geschäften Iberer, Erras und Wendl aufliegen. Darin wird gefordert, dass der Süßer Berg Landschaftsschutzgebiet wird. Diese uralte Ruhezone mit Wander- und Reisewegen, wie dem Jahrtausende alten Fischweg, soll nun "dem schnöden Mammon" geopfert werden, fürchten die Bürger.

War der Berg, bevor die lärmenden Laster und Bagger kamen, sogar ein Rückzugsgebiet für Auer- und Birkhähne, so gibt es noch immer den seltenen Ziegenmelker in dieser Baum- und Wiesenlandschaft. Legendär sind auch die dortigen Preisel- und Heidelbeerbestände und Pilzflecken.

Viele romantische Gefühle verbinden die Leute auch mit den hellen, freundlichen und schon sehr alten Kiefern- und Mischwäldern. Und es gibt wahrscheinlich wenige Süßer oder Hahnbacher, die nicht schon zum Süßer Marterl, welches vielleicht bis in die Pestzeit zurückgeht, "gepilgert" sind. Dieses wird man versetzen müssen, da die bereits bestehende Abbaufläche von weit über hundert Fußballfeldern auf ein Mehrfaches von einigen Quadratkilometern vergrößert werden soll, so die Bürgermeinung.

"Wir werden unseren Berg nicht mehr wieder erkennen!" fürchten sie und sind bereit, für dieses Stück Heimat zu kämpfen. "Freie Sicht von Höhengau zum Kreuzberg" wird es dann ihrer Meinung nach geben, wenn ein guter Teil des Höhenzugs einfach "platt gemacht" wird. Auch fragen sich manche, ob denn nicht eines der höchsten Güter, das Trinkwasser, unwiederbringlich verdorben wird.

Schon jetzt findet man das Schild "Wasserschutzgebiet" neben dem "Betreten verboten" der Bergabbaufirma. Auch türmen sich Bauschutthalden im aufgelassenen Bereich. Der Abbau wird dort mit schweren Geräten auch an Sonn- und Feiertagen betrieben. "Widersprechen die unterschriftsreifen Verträge, über welche die Bevölkerung scheinbar erst nach der Unterzeichnung informiert werden soll, nicht auch dem Demokratieverständnis?", fragen viele.

Schon jetzt herrscht - zumindest verbal - "ein Krieg im Süß". Der Initiator dieser "Umwelt- und Heimataktion", Werner Wendl, spürt täglich die Konsequenzen, wenn in seinem kleinen Lebensmittelgeschäft manche Kundschaft wegbleibt und einstige "Freunde" nichts mehr von ihm wissen wollen. "Es tut weh!", meint er traurig, aber "unser Berg ist es wert!". Und er gibt die Hoffnung nicht auf, dass letztendlich Natur, Heimat und das Grundnahrungsmittel Trinkwasser siegen werden.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.