08.10.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mahner und Patriot: Biografie von Peter Yorck von Wartenburg: Vom Adeligen zum Widerstandskämpfer

von Agentur DPAProfil

"Vielleicht kommt doch einmal die Zeit, wo man eine andere Würdigung für unsere Haltung findet, wo man nicht als Lump, sondern als Mahner und Patriot gewertet wird." Diese Zeilen schrieb Peter Yorck von Wartenburg (1904-1944) in seinem Abschiedsbrief an die Mutter. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli war der Widerstandskämpfer vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden. Trotz des entwürdigenden Prozesses blieb er in seiner inneren Haltung unbeirrbar: "Ich höre, das Heer hat uns ausgestoßen; das Kleid kann man uns nehmen, aber nicht den Geist, in dem wir handelten."

Führender Kopf

Peter Yorck von Wartenburg gehört neben Helmuth James von Moltke (1907-1945) zu den führenden Köpfen des sogenannten "Kreisauer Kreises". Es war ein recht heterogener Verband von NS-Gegnern, die sich regelmäßig in Berlin und auf Moltkes Gut Kreisau in Schlesien trafen, um eine demokratische Neuordnung nach dem Fall des Hitlers-Regimes zu entwerfen. Yorck von Wartenburg und von Moltke wurden enge Freunde. Nach dem Krieg erfuhren die beiden Weggefährten jedoch sehr unterschiedliche Aufmerksamkeit in der öffentlichen Wahrnehmung.
Über von Moltke wurde viel publiziert. Erst 2011 sorgte die Veröffentlichung seines Briefwechsels aus dem Gefängnis mit seiner Frau Freya für große Aufmerksamkeit. Spärlicher dagegen sind die Bücher über Peter Yorck von Wartenburg. Umso erfreulicher ist deshalb die jetzt vorgelegte Biografie von Günter Brakelmann.

Bei der Lektüre des Buches wird schnell deutlich, worauf diese etwas stiefmütterliche Behandlung zurückzuführen ist. Peter Yorck von Wartenburg hat sehr viel weniger schriftliche Zeugnisse hinterlassen als sein Freund. Nach seiner Verhaftung wurde ein Großteil der Korrespondenz von der Familie vernichtet. Trotzdem ist es Brakelmann gelungen, bisher unbekannte Materialien, so etwa Briefe an die Familie aufzutreiben. Als Quellen zieht er auch die Korrespondenz von Moltkes heran, über den der Autor, Geschichtsprofessor an der Uni Bochum, bereits 2009 eine Biografie verfasste.

Rebell für Freiheit

Peter Yorck von Wartenburgs Werdegang vom Sprössling einer altpreußischen Adelsfamilie zum "Rebell für Freiheit, Menschenwürde und Recht" war alles andere als vorhersehbar. Sein demokratie- und republikfeindliches Elternhaus jedenfalls prädestinierte ihn keineswegs dazu. Er wuchs auf dem schlesischen Gut Klein-Oels auf. Seine Liebe zum Landleben und zur Landwirtschaft blieb für den studierten Juristen sein Leben lang bestimmend. Neben den ländlichen waren es vor allem die christlichen Wurzeln, die Peter Yorck von Wartenburg erdeten.
Ähnlich wie sein Freund von Moltke fand der überzeugte Protestant Trost und Stärke in seinem Glauben. Was ihn vor allem zum NS-Gegner machte, so erklärte er vor dem Volksgerichtshof, war "der Totalitätsanspruch des Staats gegenüber dem Staatsbürger unter Ausschaltung seiner religiösen und sittlichen Verpflichtungen Gott gegenüber."

Die spannende Frage, ob es Schlüsselereignisse gab, die den anfänglichen Mitläufer zum entschiedenen Regime-Gegner machten, kann auch Brakelmann nicht beantworten. Weder ist die Einstellung Peter Yorcks von Wartenburgs zur Machtergreifung dokumentiert noch zur Vernichtungspolitik nach dem Polenfeldzug. Als Frontoffizier, so vermutet der Autor, konnte er allerdings die Augen davor kaum verschließen. 1941 jedenfalls war Yorck von Wartenburgs Position klar: "Eine Wiedergutmachung dessen, was geschieht, ist nicht möglich; wie es einmal gesühnt wird, sehe ich auch nicht. Auf jeden Fall wird unser Leben nicht ausreichen, das zu tun."

Entscheidende Begegnung


1940 kam es zur entscheidenden Begegnung zwischen von Moltke und Yorck von Wartenburg. "Yorck und ich können doch sehr gut miteinander, wenn ich auch doch ein ganzes Stück weiter links stehe als er", schrieb von Moltke, der seinen Freund anfangs zu idealistisch und romantisch fand. Mit der Zeit aber rückte auch Yorck von Wartenburg immer weiter nach links. Doch während er am Ende ein Attentat gegen Hitler befürwortete und sich der Gruppe um Claus von Stauffenberg anschloss, blieb von Moltke strikt dagegen. Dieser Konflikt der Freunde konnte nicht mehr aufgehoben werden.

Zahlreiche Fotos

Brakelmanns mit zahlreichen privaten Fotos reich ausgestattetes Buch enthält viele wertvolle Informationen über die familiären Wurzeln Yorck von Wartenburgs und seine Zeit des Widerstands im "Kreisauer Kreis". Es ist bedauerlich, dass für die entscheidende Entwicklung in den 1930er Jahren so wenige Quellen aus erster Hand zur Verfügung stehen.

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Günter Brakelmann: "Peter Yorck von Wartenburg, 1904-1944. Eine Biographie", 336 Seiten, 24,95 EuroVerlag C.H. Beck.

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