30.06.2021 - 18:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzBesserWissen

Anträge, Steuern und Finanzen: Das sollten werdende Eltern wissen

Ob Eltern- oder Kindergeld, Kinderzuschlag oder der Antrag auf Elternzeit: In den Bereichen der Anträge, Steuern und Finanzen kommt vieles auf werdende Eltern zu. Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

Wer eine Familie gründet, sollte sich schon vor der Geburt des Kindes mit den Finanzen auseinandersetzen.
von Redaktion ONETZProfil

Hinter dem System des Eltern- und Kindergelds steckt oft viel Verwirrung und ein Haufen Fragezeichen. Die Angst, Fristen zu verpassen, Formulare nicht richtig auszufüllen oder steuerliche Nachteile zu haben, ist bei vielen Antragstellerinnen groß. Doch Christine Schobert, Sozialpädagogin bei der Caritas-Schwangerschaftsberatung in Weiden, beruhigt: Es gibt kaum etwas im Bereich der Anträge, was Eltern sofort erledigen müssen, nachdem sie von der Schwangerschaft erfahren haben. "Sie können sich also guten Gewissens erst einmal freuen und sich auf die neue Situation einstellen", so Schobert.

Sechs Wochen vor dem geplanten Entbindungstermin bis acht Wochen nach der Geburt befinden sich die Mütter im Mutterschutz und dürfen dann nicht mehr arbeiten. Den Einkommensverlust ersetzt in dieser Zeit das Mutterschaftsgeld, welches vom Arbeitgeber und der Krankenkasse gezahlt wird. Dafür muss eine Bestätigung des Frauenarztes über den voraussichtlichen Geburtstermin bei der Krankenkasse und dem Arbeitgeber eingereicht werden.

Arbeitgeber benachrichtigen

Nach dem Ende des Mutterschutzes gibt es die Möglichkeit, in Elternzeit zu gehen. Das muss spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Beginn schriftlich beim Arbeitgeber beantragt werden - für Mütter wie auch für Väter. Das wegfallende oder geminderte Einkommen während der Elternzeit wird durch das Elterngeld ausgeglichen. Geht es an die Antragstellung, wird dieser Teil von vielen Eltern oftmals als die größte Hürde angesehen, so Schobert. Beim Elterngeld sorgen viele unterschiedliche Begriffe und Varianten zunächst einmal für Verwirrung.

Beim Elterngeld gibt es zwei Varianten: das Basis-Elterngeld und das Elterngeld Plus. Das Basis-Elterngeld kann bis zu 14 Monate bezogen werden. Die Höhe des Elterngelds kann sich von Familie zu Familie unterscheiden und wird individuell berechnet. Berechnet wird das Elterngeld auf der Grundlage der zwölf Monatsgehälter vor dem Mutterschutz. Vom Bruttoeinkommen werden Sozialabgaben abgezogen und dadurch das individuelle monatliche Durchschnittsnetto berechnet. "Von dieser Summe ergeben dann etwa 65 bis 67 Prozent das Elterngeld. Wer vorher kein Einkommen hatte, erhält dennoch den Mindestbetrag von 300 Euro", erklärt Christine Schobert. Betriebswirtin Angelika Maier empfiehlt wegen dieser Berechnungsweise des Elterngelds so bald als möglich den Wechsel der Steuerklasse. Denn somit wird das netto in der Bemessungsgrundlage höher.

Christine Schobert ist Sozialpädagogin bei der Caritas Schwangerschaftsberatung Weiden. Seit knapp über einem Jahr ist sie ein Teil des Teams. Die Caritas Schwangerschaftsberatung bietet für alle Frauen und die allgemeine Bevölkerung die Beratung und Unterstützung bei allen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt bis zum dritten Lebensjahr des Kindes.

Das Elterngeld Plus verteilt sich auf 24 Monate. Dabei beträgt der Mindestbetrag 150 Euro pro Monat. "Diese Variante kann sich vor allem für Eltern lohnen, die während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten wollen", so Christine Schobert. Außerdem erklärt die Sozialpädagogin, dass es in Bayern noch eine Besonderheit gibt: Ab dem 13. Lebensmonat bis zum dritten Geburtstag des Kindes erhalten Eltern monatliche 250 Euro. Diese Leistung, das sogenannte Bayerische Familiengeld, ist bereits im Elterngeld-Antrag vermerkt und muss später nicht extra beantragt werden.

Der Antrag auf Kindergeld wird, wie auch der Antrag auf Elterngeld, nach der Geburt des Kindes eingereicht. "Das ist nur einmal notwendig, und wenn das erledigt ist, bezieht man Kindergeld bis zum 18. Geburtstag oder wenn das Kind in der Ausbildung oder im Studium ist, bis zum 25. Lebensjahr", so Schobert. Betriebswirtin Maier erklärt, dass die Höhe des Kindergelds nach der Anzahl der Kinder gestaffelt ist. Für das erste und zweite Kind sind es momentan 219 Euro monatlich. Für das dritte Kind 225 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind sind es 250 Euro monatlich.

Neben dem Eltern- und Kindergeld kann außerdem der Kinderzuschlag beantragt werden. "Der richtet sich an Familien, die wenig Einkommen nachweisen können. Doch auch der kann erst beantragt werden, wenn das Kind auf der Welt ist", so Maier. Der Höchstbetrag für den Kinderzuschlag liegt momentan bei bis zu 205 Euro pro Monat und Kind. Angelika Maier ergänzt: "Den Kinderzuschlag bekommt man zusätzlich zum Kindergeld und zum Wohngeld. Wenn der bezogen wird kann man unter anderem von den Kita-Gebühren befreit werden."

Laut Christine Schobert können all diese Anträge zwar erst nach der Geburt eingereicht aber bereits vor der Geburt vorbereitet werden. Wenn das Kind geboren ist: "Nur noch den Namen und das Geburtsdatum eintragen und losschicken. Dann spart man sich nach der Geburt einfach viel Stress", erklärt die Sozialpädagogin.

Geld vom Finanzamt zurückholen

Neben den verschiedenen Anträgen können außerdem bei der Steuererklärung Kosten für die Schwangerschaft abgesetzt werden. "Im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen, also die Geldbelastung, die einem zugetraut wird, sind alle Kosten wie zum Beispiel zusätzliche Ausgaben bei der Hebamme oder beim Arzt sowie Medikamente, abzugsfähig. Noch dazu kommen Fahrtkosten wie Hin- und Rückweg zum Arzt", erklärt Maier. Persönliche Dinge wie die Babyausstattung zählen hier nicht mit hinein. Angelika Maier erklärt, dass es deshalb sehr wichtig ist, alle Belege zu sammeln: "Und auch aufzuschreiben, für was und wofür ich das Geld ausgegeben hab. Danach kann dann einfach abgeprüft werden, wo man bei der außergewöhnlichen Belastung liegt."

Stiftung hilft zusätzlich

Angelika Maier (Zweite von links) ist Diplom Betriebswirtin und Wirtschaftsmediatorin bei der Activa Steuerberatungsgesellschaft in Sulzbach-Rosenberg.

Neben Steuererleichterungen, Eltern- oder Kindergeld gibt es vor allem für Familien oder Alleinerziehende, die wenig Geld zur Verfügung, haben weitere Unterstützungsmöglichkeiten. Zum Beispiel durch die Landesstiftung "Hilfe für Mutter und Kind". Sozialpädagogin Schobert erklärt: "Hier können Anträge auf Unterstützung oder Anträge auf Baby-Erstausstattung gestellt werden, und die Frauen werden dann meist von der Landesstiftung unterstützt." Voraussetzung ist, dass die Frau bereits schwanger ist und dass das Gesamteinkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt. Christine Schobert betont, dass diese Anträge dringend vor der Geburt beantragt werden müssen. Diese Antragstellung ist nur über die Schwangerenberatungsstelle möglich.

Schwangere, die Leistungen vom Jobcenter beziehen, werden zusätzlich unterstützt, denn dann besteht Anspruch auf Mehrbedarf. "Nach vorläge des Mutterpasses erhöht sich der monatliche Leistungsbezug für die werdende Mutter", so Schobert. Außerdem können einmalige Leistungen für Schwangerschaftsbekleidung und Ausstattung des Kindes geltend gemacht werden. Schobert: "Dafür ist lediglich ein formloser Antrag nötig." Nächsten Donnerstag lesen Sie in der letzten Folge: Alles Wichtige rund um Kita & Co.

Hintergrund:

Welche Unterstützung gibt es für junge Eltern?

  • Elterngeld: Es gibt das Basis-Elterngeld (12 Monate, mindestens 300 Euro) oder Elterngeld Plus (24 Monate, mindestens 150 Euro). Berechnet wird es aus den zwölf Monatsgehältern vor dem Mutterschutz. Der Wechsel der Steuerklasse wird empfohlen, das bedeutet weniger Sozialabgaben und mehr Elterngeld. Beantragung nach der Geburt.
  • Bayerisches Familiengeld: ab dem 13. Lebensmonat bis zum dritten Lebensjahr, 250 Euro monatlich.
  • Kindergeld: Mindestens 219 und höchstens 250 Euro, einmalige Beantragung nach der Geburt, dann Auszahlung bis zum Beginn des 18. Lebensjahres oder bis zum Ende der Ausbildung oder des Studiums.
  • Kinderzuschlag: Höchstbetrag bis zu 205 Euro pro Kind und pro Monat; besonders für Familien mit wenig Einkommen gedacht, unter anderem Befreiung von Kita-Gebühren. Beantragung nach der Geburt.
  • Steuer: Im Rahmen der außergewöhnlichen Belastung alle Belege aufbewahren, dazu zählen unter anderem Hebamme, Arzt, Medikamente, Kosten für Hin- und Rückfahrt.
  • Weitere Unterstützung durch: Landesstiftung "Hilfe für Mutter und Kind", Kinderzuschlag, Wohngeld oder ALG II

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