17.02.2021 - 00:29 Uhr
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So geht Zahnpflege bei Haustieren

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Gesunde Zähne sind bei Hund, Katze und Kaninchen ein ebenso wichtiges Thema wie für den Menschen. Zahnstein, Zahnbelag und Entzündungen sind nur einige Probleme, die auftreten können. Durch die richtige Vorsorge können Tierhalter Krankheiten entgegenwirken.

„Einfach in aller Ruhe die Lippe heben, mit dem Finger erstmal die Tierzahnpasta auf die Zähne reiben und dann auch gleich mit der Zahnbürste beginnen, in kreisenden Bewegungen, den Belag abbürsten“, erklärt Tierärztin Yvonne Federl.
von Michelle BalzerProfil

Zahnstein, Entzündungen sowie abgebrochene und stark verschobene Zähne – sogenannte „Katastrophengebisse“ bei Haus- und Heimtieren sind für Tierärztin Yvonne Federl schon lange keine Seltenheit mehr. „Dabei könnte so viel auch in der Zucht verhindert werden, wenn einfach mehr auf die Zahngesundheit bei Tieren geachtet würde. Beginnend mit regelmäßigen Kontrollen durch den Besitzer“, betont die Vohenstraußer Tierärztin.

Wie der Mensch auch, haben manche Tiere selten Schwierigkeiten mit ihren Zähnen und andere wiederum sehr häufig. Die meisten Zahnprobleme bei Hund und Katze sind Zahnbelag, Plaque oder Zahnstein und daraus entstehende Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischschwund. „Das kann aber auch so weit gehen, dass sich Zähne lockern oder entartete Gewebe entstehen. Und wenn so etwas dann passiert, dann ist es genau wie beim Menschen: Bakterien kommen in die anderen Organe und schädigen sie“, so Federl.

Schon im Welpen-Alter üben

Um als Besitzer einfache Kontrollen im Zahnbereich zu machen, sollte dem Tier bereits vom Welpen-Alter an gelernt werden, dass eine regelmäßige Kontrolle im Maul nichts Schlimmes ist. Auch das Zähneputzen bei Hunden und Katzen ist eine Möglichkeit, um Problemen vorzubeugen. Bei manchen Hundearten, wie Bulldoggen, Möpsen oder Boxern ist das durch die Fehlstellung der Zähne im Gebiss sogar unabdingbar, so Yvonne Federl: „Einfach in aller Ruhe die Lippe heben, mit dem Finger erstmal die Tierzahnpasta auf die Zähne reiben und dann auch gleich mit der Zahnbürste beginnen, in kreisenden Bewegungen, den Belag abbürsten. Das ist besonders für Welpen eine wichtige Übung, denn so kann der Hund gar keine Angst vor dem Schauen und Kontrollieren im Mund entwickeln. Das gilt gleichermaßen auch für die Katze, obwohl man da deutlich mehr Geduld braucht.“

Dentalfutter verhindert Zahnstein

Eine weitere Maßnahme zum Vorbeugen von Zahnproblemen ist das Anpassen des Futters. „Denn auch dadurch kann man das Entstehen von Zahnstein mindern“, so die Tierärztin. Federl betont jedoch, dass „nicht jedes Tierfutter geeignet“ ist. „Der Mythos, dass weiches Futter automatisch besser ist, ist falsch. Es ist immer wichtig, dass dem Tier eine Mischung aus Trocken- und Nassfutter gegeben wird.“ Medizinisch entwickeltes, spezielles Dentalfutter, welches beim Aufbeißen unter anderem spezielle Stoffe in die Zähne gibt, kann zum Vorbeugen helfen.

Anzeichen für eine Erkrankung im Zahnbereich lassen sich unter anderem durch Mundgeruch, Rötung, Schwellung oder auch dadurch erkennen, dass das Tier Schmerzen beim Fressen hat. Yvonne Federl: „Meist leiden Tiere jedoch still. Der Halter muss einfach auf Anzeichen achtgeben, die schon durch gute Beobachtung entdeckt werden können. Wie zum Beispiel Veränderungen beim einseitigen Kauen oder dass das Futter verweigert wird. Deutlich wird es auch, wenn sich Tiere weniger putzen, Zungenschlagen zeigen, viel Speichelfluss haben oder Gewicht abnehmen.“ Wenn etwas bemerkt wird, dann sollte laut Yvonne Federl direkt der Tierarzt eingeschaltet werden. „Untersuchungen und Röntgenbilder geben dann genauer Aufschluss.“

Fressunlust durch Getreide

Gerade bei Kaninchen und Meerschweinchen ist die Zahnpflege sehr wichtig. Dadurch, dass Kaninchen keinen Zahnwechsel haben und ihre Zähne lebenslang wachsen, muss der Abrieb der Zähne immer funktionieren. „Das Beste ist daher Futter, das energiearm, aber strukturreich ist, wie verschiedene Gräser, Obstbaum-Aste oder Heu. So müssen die Tiere nämlich länger kauen und haben mehr Reibe-Aktion“, erklärt die Expertin. Energiereiches Futter, wie Getreide, bewirkt dagegen schnelle Fressunlust, die Tiere werden schnell satt und kauen zu wenig.

Anzeichen für Erkrankungen bei Kaninchen und Meerschweinchen seien unter anderem kleinere Kotmengen, Speichelfluss, Schwellungen am Kiefer oder auch Augenausfluss. „Aber natürlich auch die klassischen Beschwerden, wie dass das Tier nichts fressen will, dass es inaktiv ist, dass es sein Fell nicht pflegt oder an Gewicht verliert“, so Yvonne Federl.

Jährliche Untersuchung

Zahnheilkunde wird in Yvonne Federl Tierarztpraxis seit über 28 Jahren groß geschrieben. Deshalb ist es ihr besonders wichtig, dass die Besitzer sich mehr um die Zahngesundheit der Tiere kümmern. Die Besitzer sollten ihr Tier „mindestens einmal im Jahr von einem Tierarzt ansehen lassen“, rät sie. „So kann der Zustand auch professionell beurteilt werden. Dafür bietet sich die jährliche Untersuchung anlässlich der Impfung prima an.“

Vögel richtig füttern

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Hintergrund:

So bleiben die Zähne des Haustiers gesund

  • Gutes und artgerecht zusammengestelltes Futter ist die Grundlage.
  • Die Kombination aus Trocken- und Nassfutter ist möglich. Die Kauaktivität muss gefördert werden.
  • Pflege der Zähne durch putzen und Dentalfutter.
  • Regelmäßige Kontrolle der Mundhöhle des Tiers durch den Halter, ob Verletzungen auffallen.
  • Verhaltensänderungen bei Hund oder Katze beobachten, dazu gehören Mundgeruch, schiefes Kauen, vermindertes Putzverhalten, Zungenschlagen, viel Speichelfluss, Futterverweigerung oder starke Gewichtsabnahme.
  • Verhaltensänderungen bei Kaninchen und Meerschweinchen: kleinere Kotmengen, Speichelfluss, Schwellung am Kiefer, Augenausfluss, Futterverweigerung, Inaktivität, verminderte Fellpflege, Nasenausfluss oder Gewichtsabnahme.
  • Im Zweifelsfall zum Tierarzt gehen.
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