04.05.2021 - 15:18 Uhr
RegensburgBesserWissen

Experten am Telefon: Ein offenes Ohr für Krebspatienten

Ein kostenloser Telefon-Service unter 0800/85 100 80 bietet Krebspatienten und ihren Angehörigen in Bayern seit dem vergangenen Sommer Hilfe und Informationen an. Ein Teil des Teams sitzt an der Uniklinik Regensburg.

Nicht nur Krebspatienten selbst, auch ihren Angehörigen oder Freunden wird bei der Hotline geholfen. Symbolbild: Marc Müller/dpa
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Wer steckt hinter dem Bürgertelefon Krebs?

Angesiedelt ist der Service am Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) am Uniklinikum Erlangen. Von dort aus werden die Betroffenen bei Bedarf an einen der BZKF-Standorte in Augsburg, Erlangen, München, Regensburg oder Würzburg weitervermittelt. An der Uniklinik Regensburg übernehmen Mitarbeiter der Tumordokumentation die Anrufe. Medizinische Fragen beantwortet Ärztin Dr. Julia Maurer, alle anderen Fragen Gesundheitsökonomin Sandra Windschüttl.

An wen richtet sich das Angebot vor allem?

An Betroffene, Angehörige, Freunde und Bekannte von Erkrankten sowie an Interessierte, die Fragen zu Prävention und Krebsvorsorge haben.

Bei welchen Fragen kann das Bürgertelefon Krebs weiterhelfen?

„Wir beantworten grundsätzliche Fragen zur Früherkennung, Therapie und Nachsorge von Tumorerkrankungen, übersetzen medizinische Fachbegriffe und vermitteln gezielt an ein heimatnahes Spitzenzentrum oder Abteilungen der Universitätsklinik weiter“, sagt Dr. Julia Maurer. Außerdem schicke das Team Informationsbroschüren zu, vermittle Kontakte zu Selbsthilfegruppen und weiterführenden Hilfsangeboten.

Was sind typische Fragen, die beim Bürgertelefon eingehen?

„Manche Betroffene rufen an, kurz nachdem sie ihre Krebsdiagnose erhalten haben und fragen, warum das jetzt alles solange dauert, warum nicht gleich operiert wird“, berichtet Sandra Windschüttl. „Manche fragen: Wo soll ich mit meiner Krebserkrankung hingehen?“ Andere seien zum Beispiel wegen einer Krebserkrankung mit Metastasen schon länger in einer Therapie, und fragen, ob sie sich nicht doch mal an einer Uniklinik vorstellen können, da die letzte Chemotherapie keinen richtigen Erfolg hatte. Weitere Themen seien unter anderem Nebenwirkungen, die Übernahme der Fahrkosten zur Bestrahlung oder Chemotherapie, der Umgang mit einem künstlichen Darmausgang, Ernährung, Sportangebote oder auch die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises.

Was sollte besser beim Arzt geklärt werden?

Die Mitarbeiter das Bürgertelefons Krebs könnten keine Diagnosen erstellen, Prognosen abgeben oder Therapieempfehlungen geben, betont Dr. Maurer. Fragen, ob zum Beispiel eine spezielle Therapie bei einer bestimmten Krebs-Erkrankung möglich ist oder ob ein Patient in eine Studie aufgenommen werden kann, müssten immer mit den behandelnden Ärzten besprochen werden.

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie?

„In den letzten Wochen kamen häufig Fragen zur Corona-Impfung und der Möglichkeit, als Krebspatient in eine höhere Impfpriorisierungsstufe zu kommen“, berichtet Dr. Maurer. Es werde auch gefragt, ob eine Reha, jetzt zu Corona-Zeiten, möglich sei. Die Expertin betont, dass, unabhängig von einer Pandemie, empfohlene Vorsorgeuntersuchungen prinzipiell immer wahrgenommen werden sollten. Krebserkrankungen könnten so früh erkannt und notwendige Behandlungen zeitnah begonnen werden.

Wer berät die Menschen am Bürgertelefon Krebs?

Es beraten ausgebildete Krankenpflegekräfte oder Fachkräfte, die langjährige Erfahrungen mit onkologischen Patienten haben. Bei speziellen Fragen können Fachärzte der jeweiligen Uniklinik weiterhelfen.

Was ist im Gespräch mit den Betroffenen besonders wichtig?

Häufig hätten die Betroffenen einfach das Bedürfnis, die Erfahrung, das Leid, die Ungewissheit und die Angst mit jemandem teilen zu können, sagt Windschüttl. Oft gehe es um geduldiges Zuhören, Begleiten und darum, die Schwere der Erkrankung mit jemandem im Gespräch teilen und aushalten zu können. „Es ist absolut wichtig, ein offenes Ohr zu haben, einfühlsam zu sein, sich auf die Bedürfnisse der Ratsuchenden einzustellen, Fachbegriffe zu erklären und Wege aufzuzeigen, wie es Schritt für Schritt weitergehen kann.“ Es gebe so viele Fragen, die oft erst nach einem Arztbesuch aufkommen. „Dafür sind wir da. Wir nehmen uns Zeit für Fragen und erklären diese bei Bedarf.“

Wie groß ist die Gefahr, dass Betroffene im Internet auf irreführende oder fehlerhafte Informationen zum Thema Krebs stoßen?

Generell raten die Expertinnen davon ab, ausschließlich den ungefilterten Informationen aus dem Internet zu vertrauen.

Wie wird das Angebot des Bürgertelefons Krebs bislang angenommen?

„Gut“, sagt Windschüttl. „Wir bauen aktuell den Bekanntheitsgrad und die Informationen auf unserer Webseite aus, um weiteren Patienten zu helfen.“

Corona-Pandemie drängt Krebserkrankungen in den Hintergrund

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Hintergrund:

Das Bürgertelefon Krebs

  • Das Bürgertelefon Krebs des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) wurde im Juli 2020 vom Bayerischen Wissenschaftsminister Bernd Sibler freigeschaltet.
  • Seitdem ist der Service von Montag bis Freitag, 8.30 bis 12.30 Uhr, unter der Telefonnummer 0800/85 100 80 zu erreichen. Die Mail-Adresse lautet www.buergertelefon[at]bzkf[dot]de.
  • Ziel des BZKF ist es, Krebspatienten im Freistaat einen wohnortnahen Zugang zu onkologischer Spitzenmedizin zu ermöglichen und ihnen die bestmögliche Behandlung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft anzubieten.
  • Weitere Informationen gibt es unter www.bzkf.de.

 

 

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