26.07.2021 - 14:28 Uhr
Plärn bei ErbendorfBesserWissen

Das hilft gegen Schnecken im Garten

Das feuchte Wetter lässt die Schneckenpopulation in den Gärten explodieren. Experte Charly Beer aus Plärn bei Erbendorf verrät, wie er sich gegen die Invasion wehrt.

Die Spanische Wegschnecke: Es gibt kaum Gärten, die von dem gefräßigen Weichtier verschont bleiben.
von Christa VoglProfil

Wenn Charly Beer in seinem 15 000 Quadratmeter großen Garten arbeiten darf, dann ist er in seinem Element. Nur auf einem kleinen Teil der Gesamtfläche wird Gemüse angebaut, die weit größere Fläche ist dem „wilden“ Garten vorbehalten, dessen verschiedene Bereiche mit einem Labyrinth aus schmalen Pfaden verbunden sind. An diesem Julimorgen ist es feucht und der Naturfreund, Tierliebhaber und Gärtner aus Berufung ist mit seiner Gartenschere unterwegs. Was er tut? Er macht Jagd auf Schnecken. Genauer gesagt auf Spanische Wegschnecken.

ONETZ: Herr Beer, Sie behaupten von sich, dass Sie ein Naturfreund sind. Aber dann gehen Sie mit der Gartenschere auf Schneckenjagd. Ist das nicht eine ziemlich brutale Methode?

Charly Beer: Ich finde diese Methode viel ehrlicher als Schneckenkorn. Schneckenkorn führt zu einem langsamen und qualvollen Tod. Und es ist auch feige. Das Ergebnis - nämlich der Tod der Schnecke - ist dasselbe, egal, ob ich nun Schneckenkorn verwende oder die Schere. Aber das Wie ist halt auch wichtig.

ONETZ: Aber Sie könnten sie doch auch einfach absammeln und in die Natur zurückbringen.

Charly Beer: Das ist doch keine Lösung. Diese Schnecken richten dann zwar im Garten keinen Schaden mehr an, aber dafür auf irgendeinem Feld. Wenn sie zum Beispiel an einem Feldrain freigelassen werden, machen sie sich über den Raps auf dem Acker daneben her und der Landwirt hat den Schaden.

ONETZ: Warum verwenden Sie kein Schneckenkorn? Da gibt es doch auch biologische Varianten.

Charly Beer: In meinem Garten sind Weinbergschnecken, Gehäuseschnecken und Nacktschnecken zu Hause. Zu den Nacktschnecken zählt auch der Große Tigerschnegel, unsere heimische Nacktschnecke – und die Spanische Wegschnecke. Wenn ich Schneckenkorn verwende, dann töte ich alle Schnecken. Aber gerade die Weinbergschnecken und die Gehäuseschnecken richten nur sehr wenig Schaden an. Und auch der Tigerschnegel mit seinem auffälligen Leopardenmuster, darf bei mir leben. Zudem frisst er oft andere Schnecken und auch deren Eier. Ich bekämpfe wirklich nur die Spanische Wegschnecke.

ONETZ: Und was haben Sie gegen die Spanische Wegschnecke?

Charly Beer: Als ich ein Kind war – ich bin jetzt 65 Jahre alt – gab es bei uns diese Schneckenart noch nicht. Sie wurde eingeschleppt und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten explosionsartig vermehrt. Die Fraßschäden sind wirklich enorm.

ONETZ: Und wie bekämpfen Sie die Spanische Wegschnecke?

Charly Beer: Von April bis Oktober gehe ich zweimal täglich – früh und abends – durch den Garten und mache mich auf die Suche nach diesen Schnecken. Sobald ich eine sehe, trenne ich mit einem Schnitt ihren Kopf ab, damit sie schnell sterben und nicht leiden müssen.

ONETZ: Manche Gartenbesitzer sammeln die Schnecken ab und bestreuen sie mit Salz oder ertränken sie.

Charly Beer: Das ist für die Tiere eine Qual. Denn es dauert sehr lange, bis sie tot sind. Das haben die Schnecken nicht verdient, es sind ja nützliche Tiere, es sind Abfallverwerter. Sie verwerten abgestorbenes Pflanzenmaterial und düngen dadurch den Boden. Es gibt kein Tier auf der Erde, das nur schädlich ist. Das Problem ist immer die Menge: Solange nur einige Schnecken da sind, dann ist es in Ordnung. Wenn sie in Massen auftreten, dann richten sie großen Schaden an. So ist es auch mit den Menschen: Uns gibt es massenhaft und daher ist auch die Natur kaputt.

ONETZ: Manche Gärtner schwören auf Laufenten als Schneckenfresser ...

Charly Beer: Ich habe mit Laufenten auch schon meine Erfahrungen gemacht: Wenn sie sich zu weit vom Stall entfernen, frisst sie der Fuchs. Wenn ein Gewässer in der Nähe ist, dann verbringen sie den ganzen Tag im Wasser. Und wenn man ihnen die abgeklaubten Schnecken verfüttert, besteht immer die Gefahr, dass sie daran ersticken. Außerdem fressen Laufenten zwar Schnecken, mögen aber Salat auch recht gern.

ONETZ: Was halten Sie von einem natürlichen Schneckenzaun aus Kamille und Bohnenkraut? Oder von einem künstlichen Schneckenzaun, der ein gebogenes Blech als Oberkante hat? Oder von einem Elektrozaun mit Schwachstrom?

Charly Beer: Einen Schneckenzaun aus Kamille und Bohnenkraut habe ich selbst noch nicht ausprobiert. Aber ich stelle mir das schwierig vor. Die künstlichen Schneckenzäune werden wohl funktionieren. Aber das ist nur auf kleinen Flächen umsetzbar.

ONETZ: Also im Zweifelsfall wirklich zerschneiden?

Charly Beer: Wer in seinem Garten Gemüse ernten will, muss im Hinblick auf Schnecken eine gewisse Radikalität an den Tag legen. Zerschneiden – also mit der Gartenschere gezielt den Kopf abschneiden und nicht irgendwo das Ende abzwicken – halte ich für die beste Alternative, weil das keine Tierquälerei ist. Wenn der Igel eine Schnecke frisst, ist sie auch tot. Wer mit dieser Methode Probleme hat, sollte sich mal überlegen, wie viele Tiere pro Tag geschlachtet werden – Schweine, Rinder, Hähnchen. Daran gemessen sollte man sich wirklich nicht aufregen, wenn Schnecken diesen schnellen Tod sterben.

Gärtnern ohne die chemischen Keule

Thumsenreuth bei Krummennaab

Essbare Blüten aus dem Garten

BesserWissen
Service:

Charly Beers Schnecken-Tipps

  • „Bei manchen Pflanzen, wie zum Beispiel der Hosta oder dem Rittersporn hilft meist auch das regelmäßige Abklauben nicht. Dann gibt es immer noch die Alternative, diese Pflanzen in Töpfe oder ins Hochbeet zu pflanzen.“
  • „Oft lege ich auch verstreut Fressplätze mit Pflanzenabfällen oder einer eingeweichten Semmel an, um die Schnecken gezielt anzulocken.“
  • „Die zerschnittenen Schnecken lasse ich liegen. Und manchmal haben sich um den Kadaver bereits andere Schnecken versammelt, wenn ich auf meinem Rückweg wieder an der Stelle vorbeikomme.“

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.