04.07.2021 - 17:25 Uhr
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Mit gutem Gewissen Kasse machen? Was ist dran an ESG-Anlageformaten

ESG ist ein Trendbegriff an der Börse: Er verspricht gute Gewinne bei gutem Gewissen. Was wirklich dran ist an der ökologisch-sozialen Geldanlage, verrät Experte Robert Beer in seiner Kolumne.

"Grüne" Technik produziert nicht nur Strom, sondern auch gute Zinsen und Erträge.

Die EU investiert über den Corona-Aufbauplan etwa 1,8 Billionen Euro und die USA haben, zusätzlich zu den bereits verabschiedeten Hilfen, nochmals 1,2 Billionen Dollar Infrastrukturmaßnahmen beschlossen. Allein ein Drittel der Hilfen soll für klimabezogene Projekte aufgewendet werden. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien, einer Ladesäuleninfrastruktur und Wasserstoffprojekten gibt es viele weitere Bereiche die auf zusätzliche Geschäfte hoffen. Kein Wunder also, dass sich vor diesem Ausblick Aktien von erneuerbaren Energien auf Jahressicht mehr als verdoppelt haben.

Ohne Frage ist nachhaltiges Investieren eines der bedeutendsten Themen in den letzten 18 Monaten und vermutlich auch im kommenden Jahrzehnt. Hinzu kommt: Die Offenlegungspflichten des Finanzsektors hinsichtlich ESG Kriterien nehmen stetig zu. Neben ökologischen Aspekten („E“) rücken zunehmend eine soziale („S“) und verantwortungsbewusste Unternehmensführung („G“) in den Fokus der Aufseher und somit der Investoren. Institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen müssen dies verstärkt berücksichtigen, Finanzberater in den Gesprächen zumindest thematisieren.

Ein Negativbeispiel hat Volkswagen mit dem Dieselskandal abgeliefert. Diese mangelhafte Unternehmensführung hat dazu geführt, dass viele Großinvestoren jahrelang einen weiten Bogen um die Aktie gemacht haben. Erst in den letzten Monaten, nach weiterer Aufarbeitung des Skandals und vor allem nach einer deutlichen Hinwendung zum Elektroauto ist die Aktie wieder gefragt. Auf der „roten Liste“ stehen weiter Unternehmen aus den Bereichen Rüstung, Kohle, Tabak, Glücksspiel und Atomenergie.

Nicht nur bei Aktien, auch im Kredit- und Anleihesektor, wird das Thema immer bedeutender. Green Bonds werden inzwischen von vielen Unternehmen eingesetzt, um eine nachhaltigere Entwicklung zu finanzieren. Auch der deutsche Staat hat sich inzwischen 17,5 Milliarden. Euro über grüne Anleihen geliehen. Die Gelder sind hier nachhaltigen Investitionen zugeordnet. Der Vorteil für die Schuldner: Die Zinsen sind noch niedriger als bei üblichen Krediten und Anleihen. Man spart sich also Zinsen, im Fall der Bundesrepublik gut 46 Millionen Euro.

Ein starker Anreiz also für Staaten, Kommunen und vor allem Unternehmen, Schritt für Schritt nachhaltiger zu werden und weniger Ressourcen zu verbrauchen. Eine geringere Zinslast bei Krediten, ein steigender Aktienkurs und somit eine höhere Bewertung erleichtern die Finanzierung der notwendigen Investitionen und die Weiterentwicklung des Unternehmens.

Auch wenn es mitunter noch Kritik an der Umsetzung gibt und viele unterschiedliche Ansätze der Ratingagenturen existieren. Denn nicht immer kommen MSCI, Sustainalytics, ISS ESG und FNG zu denselben Ergebnissen und Einstufungen. Dennoch stimmt die Richtung: Unternehmen haben deutliche Anreize, nachhaltiger, sozialer und verantwortungsbewusster zu wirtschaften. Der Trend geht bei aller Kritik in die richtige Richtung.

Für den Anleger bedeutet dies neben einem besseren Gefühl jedoch nicht zwingend eine bessere Wertentwicklung. Denn wenn die Zinsen auf grüne Kredite niedriger sind, wie soll ein Mehr an Rendite entstehen? Auch im Aktiensektor ist Weitsicht gefragt. Viele Themenaktien wie Solar- und Windkraftproduzenten sowie Wasserstoff-Aktien sind extrem gut gelaufen und sehr hoch bewertet. Auch wenn die langfristigen Aussichten gut sind, kann es hier jederzeit zu schmerzlichen Korrekturen kommen.

Da inzwischen aber beinahe alle seit Jahren etablierten Fonds Ratings aufweisen, haben Anleger einen Anhaltspunkt, wie ESG-konform die einzelnen Angebote verwaltet werden. Wobei auch hier gilt: Die Anlagestrategie muss zu den Wünschen des Anlegers passen und ESG kann hierbei nur ein Thema sein. Und viele bewährte Fonds-Anlagen berücksichtigen den Gedanken des nachhaltigen Investierens immer mehr und sind auch weiter sinnvoll. Auch wenn sicher noch viel verbessert werden kann, die ersten Schritte sind getan und viele Anleger können mit besserem Gewissen von Aktien und co profitieren.

Info:

Die 3 ESG Kriterien im Kurz-Überblick

  • Investition in erneuerbare Energien
  • Effizienter Umgang mit Ressourcen
  • Umweltverträgliche Produktionsverfahren
  • Weniger Emissionen
  • Gewährung von Arbeitsrechten
  • Maßnahmen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz
  • Faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung
  • Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit
  • Nachhaltigkeitsstandards bei Zulieferern
  • Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption
  • Verankerung von Nachhaltigkeitskriterien auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene
  • Verknüpfung der Vorstandsvergütung mit diesen Zielen/Kriterien
  • Verankerung des „Whistleblowings“

Auszeichnung für Robert Beer

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