05.02.2021 - 00:02 Uhr
Haunritz bei WeigendorfBesserWissen

Fastenzeit: Den Bissen Brot bewusst erleben

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Viele Menschen nutzen die Fastenzeit traditionell zum Verzicht. Doch Corona bringt schon viel an Entbehrung mit sich. Kein Grund für die Hildegard-Expertin Johanna Eisner, in diesem Jahr auf das Fasten zu verzichten – ganz im Gegenteil.

Die bekannte Hildegard-Expertin Johanna Eisner rät: „Essen Sie immer mal wieder eine Scheibe Brot mit besonderer Achtsamkeit. Lassen Sie es zum Erlebnis werden.“
von Christa VoglProfil

Heuer fällt der Aschermittwoch auf den 17. Februar. Mit ihm beginnt die 40-tägige Fastenzeit, eine Bußzeit, die auf das Fest der Auferstehung von Jesus Christus, auf Ostern vorbereitet. Viele Menschen – darunter auch solche, die mit der Kirche nicht mehr allzu viel am Hut haben – nehmen das zum Anlass und verzichten bis zum Ostersonntag auf kleine Annehmlichkeiten des Alltags: zum Beispiel auf Süßigkeiten, Alkohol, Fleischspeisen, Computerspiele. Doch dieses Jahr ist alles anders. Seit fast zwölf Monaten herrscht sozialer Ausnahmezustand, Verzicht steht Tag für Tag auf dem Terminplan. Nicht wenige stellen sich die Frage, ob zusätzlicher Verzicht in der Fastenzeit angesichts Corona überhaupt angebracht ist.

Johanna Eisner begleitet seit über 30 Jahren Menschen beim Fasten, genauer gesagt beim Fasten nach Hildegard von Bingen, einem fünftägigen Seminar mit täglichem Treffen der Gruppenmitglieder. „Dieses Jahr werden die Kuren mit den Treffen der Teilnehmer wohl nicht möglich sein“, mutmaßt Eisner. „Aber für den Körper ist es trotzdem wichtig zu fasten, denn Corona fordert zwar viel von der Psyche, aber nicht vom Körper.“ Und eben den Körper gelte es trotz allem zu reinigen und zu entlasten.

Reis- oder Dinkeltage planen

Wie das gelingen kann ohne das klassische Heilfasten? „Zum Beispiel durch regelmäßige Obst- und Gemüsetage oder durch Reis- oder Dinkeltage“, schlägt die Hildegard-Expertin vor. Zur Anregung des Stoffwechsels, zur Entlastung des Körpers. „Viele von uns essen mehrmals täglich Geräuchertes, Speck, Fleisch oder Wurst“, sagt Eisner und schüttelt dabei den Kopf: „Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Holzhacken oder Stöcke ausgraben verdienen, die also schwer körperlich arbeiten, können das schon weiterhin essen, die arbeiten das weg.“ Alle anderen Menschen würden dieses Zuviel an tierischem Eiweiß aber nicht „wegarbeiten“, die Balance im Körper gehe verloren.

Um diese Balance wieder zu finden, rät Eisner, die Fastenzeit zum Anlass zu nehmen, und eine besondere Kur zu machen. Bei sich zu Hause, ohne großen Aufwand und ganz ohne Fastengruppe: „Tierischeiweißfrei fasten“, sagt die Haunritzerin und erklärt auch gleich in kurzen Worten, wie das funktioniert: „30 aufeinanderfolgende Tage innerhalb der Fastenzeit vegan leben, also ohne Fleisch, Wurst, Fisch, ohne Milch, Käse, Eier.“ Das entlaste und entschlacke den Körper.

Und warum einen veganen Monat gerade in der Fastenzeit? Auch darauf hat Johanna Eisner eine Antwort: „Das ist einfach die beste Zeit dafür. Es wird Frühling, bald ist Ostern, der Herr steht auf, die Natur bricht auf, auch der Körper ist in Aufbruchsstimmung, es geht ‚nauswärts‘“.

Der Vorteil dabei: Auch über die Fastenzeit hinaus, könne man in kleiner Abwandlung das „Tierischeiweißfrei fasten“ beibehalten, der eigenen Gesundheit zuliebe, gegebenenfalls auch nach Rücksprache mit dem Hausarzt.

Eisner erklärt das System wie folgt: „Ich lebe 30 Tage in der Fastenzeit vegan, das heißt, ich verzichte einen Monat komplett auf Lebensmittel tierischen Ursprungs. In jedem der übrigen elf Monate ernähre ich mich zusätzlich eine Woche lang vegan. In den übrigen Wochen lebe ich jeweils einen Tag komplett vegan, in den restlichen Tagen nehme ich zumindest einmal pro Tag eine vegane Mahlzeit zu mir.“

Gründlich kauen

Johanna Eisner hat noch eine weitere Anregung für die diesjährige Passionszeit, eine, die sich sehr leicht umsetzen lässt: „Essen Sie immer mal wieder eine Scheibe Brot mit besonderer Achtsamkeit. Lassen Sie es zum Erlebnis werden.“ Was sie damit meint: sich in Ruhe hinsetzen, ein kleines Stück von einer Scheibe Brot abbrechen, nicht abbeißen, das Stück gründlich und langsam kauen, mit Speichel vermischen, genießen, bewusst schlucken, mit allen Sinnen dabei sein.

Was sie nicht damit meint, was aber im Alltag oft passiert: die Nahrung schlingen, um den Hunger möglichst schnell zu stillen, mit XXL-Bissen. Denn: Auch das achtsame Brotbrechen kann Teil des Fastens sein.

Johanna Eisner: "Für den Körper ist es trotzdem wichtig zu fasten, denn Corona fordert zwar viel von der Psyche, aber nicht vom Körper.“

Johanna Eisner über Hildegard-Medizin

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