23.07.2021 - 12:36 Uhr
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Grüne Wände fürs Sommer-Wohnzimmer: Kletterpflanzen auf dem Balkon

Raum ist auf dem kleinsten Balkon - vor allem, wenn man die Wände und Seiten auch begrünt. Kletterpflanzen schaffen das teils in Rekordzeit. Aber sie brauchen eine Rankhilfe.

Die Schwarzäugige Susanne (Thunbergia alata) hält nur ein Jahr, während Bougainvilleen (Bougainvillea) zu den Mehrjährigen gehören – im Topf aber im Winter rein müssen.
von Agentur DPAProfil

Der Clematis reicht ein einziger Topf - und daraus kann sie einen Balkon in eine grüne Oase verwandeln. Kletterpflanzen wie diese aber können noch mehr: Sie bieten Sichtschutz vor den neugierigen Nachbarn, spenden Schatten und verschönern die Fassade. "Und wenn man auf dem Balkon sitzt, hat man gleich etwas in Augenhöhe, das vielleicht sogar noch duftet. Da kommt etwas Dschungel-Gefühl auf", schwärmt Martin Staffler, Landschaftsarchitekt und Buchautor aus Stuttgart.

Kletterpflanzen lassen sich in drei Gruppen einteilen: Einjährige, Mehrjährige und eine Zwischenform. Zu den Kletterern, die nur ein Jahr lang gedeihen, zählen Kapuzinerkresse, Wicken, Bohnen - und die Schwarzäugige Susanne. "Das ist ein dankbarer Kletterer, der mit viel Dünger und guter Bewässerung einfach toll wächst und in Gelb und Orange herrlich blüht", sagt Staffler.

Ständig neue Blüten ab Mai

Zu den mehrjährigen Pflanzen gehören Kletterwinde, Pfeifenwinde oder Clematis. Man sollte ihre Größe im Blick haben, denn einige werden viel größer und manchmal auch schwerer, als ein Balkon tragen kann. Es gebe aber auch Clematis-Sorten, die maximal zwei Meter hoch werden, so Mathias Münster, Vorstandsmitglied des Bundes deutscher Baumschulen. Beispiele dafür sind "Nubia" mit roten Blüten, "Alaina" mit rosa Blüten und "Ninon" mit weißen Blüten. "Diese Sorten blühen ab Mai und Juni und bilden ständig neue Blüten", sagt Münster. Sie seien ideal für den Kübel und damit für den Balkon. Achten muss man aber darauf, dass der Fuß der Clematis an der Pflanzstelle im Schatten liegt. Dafür belegt man die Fläche rund um den Haupttrieb etwa mit kleinen Steinen oder Rindenmulch.

Die dritte Gruppe der Kletterpflanzen bildet eine Zwischenform, zu denen Bougainvilleen oder Passionsblumen gehören. Sie sind mehrjährig, wenn sie im Gartenboden wachsen. Im Topf gehalten müssen sie im Winter vor der Kälte geschützt und ins Haus geholt werden.

Schöne Passionsblume

Doch der Aufwand lohnt sich. Die Passionsblume ist der Balkon-Favorit von Experte Staffler: "Sie hat einfach fantastische Blüten. Es gibt kaum etwas Schöneres im Blütenbereich als diese Kletterpflanze." Zudem kann man sie am Geländer des Balkons entlangziehen, denn diese Pflanze schlingt sich eher in die Breite.

Die Rankhilfen müssen zu den Pflanzen passen. Sogenannte Schlinger wie Pfeifenwinde, Glyzinien und Schwarzäugige Susanne haben selbst keine Kletterorgane, sie schlingen sich nur rechts oder links herum um ihr Gerüst. Spanndrähte oder ein feines Gitter sind hier ideal. Für Schlinger wie die Pfeifenwinde, die sehr große Blätter ausbilden und schwer werden, sollten Hobbygärtner im Abstand von etwa 30 Zentimetern Knoten setzen. Das verhindert das Abrutschen.

Der Echte Jasmin und die Kletterrosen sind Spreizklimmer: Diese ziehen sich mit ihren Dornen, kleinen Ästen oder Stacheln an den Klettergerüsten hoch. Ihre langen Triebe sollte man etwas fixieren. "Während ich bei den Schlingern die Drähte eher senkrecht spannen sollte, benötigen die Spreizklimmer eher etwas Waagerechtes mit mehreren Etagen mit einem Abstand von 30 bis 40 Zentimetern", erklärt Christine Scherer von der Bayerischen Gartenakademie. Massive Rankgitter mit Rauten brauchen hingegen nur Gehölze.

Sogenannte Ranker wie Weinreben und Clematis bilden kleine Schlingärmchen aus. "Sie kommen zurecht mit allem, was dünn ist, also höchstens Bleistiftstärke", erläutert Scherer. Sie empfiehlt daher Drahtseile oder Schweißmatten mit einer Maschenweite von fünf Zentimetern. Bei Mehrjährigen sollte man dauerhaftes Material verwenden, etwa Edelstahl- oder Draht-Seile sowie verzinkte Schweißgitter. Für die Einjährigen lässt sich Sisal- oder Kokosschnur verwenden. Diese sei nicht nur ökologisch verträglicher, sondern auch praktisch - nach der Saison kann man die Pflanzen direkt mit dem Material, das sie umschlungen haben, als Gartenabfall entsorgen oder kompostieren.

Verzicht auf Haftkletterer

Auf den Efeu, der auch als Haftkletterer oder Selbstklimmer bezeichnet wird, sollte man besser verzichten, betonen beide Experten. Denn die Pflanze verkeilt sich mit ihren Haftwurzeln in Ritzen und Fugen der Wand und richtet so Schäden am Mauerwerk an. Auch Wilder Wein ist für den Balkon nicht geeignet. "Der kann gerne auch 15 bis 20 Meter hoch an Hausfassaden klettern, und man bekommt ihn kaum gebändigt, selbst wenn er im Kübel eingeschränkt wächst", sagt Staffler.

Eine Alternative ist die Echte Weinrebe, sie sollte ohnehin jedes Jahr geschnitten werden. "Sie hat zwar nicht solch eine auffällige Blüte, aber ein tolles Blatt." Bei viel Wasser und Sonne könne man sie mit Drähten waagerecht oder in die Höhe ziehen. "Man sollte ihr allerdings dabei helfen, denn sie schafft es nicht immer ganz alleine, die Richtung zu halten."

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Hintergrund:

Grün auf dem Miet-Balkon: Wenn der Efeu das Mauerwerk sprengt

  • Mieter dürfen nicht alle Pflanzen auf dem Balkon halten. Denn manchmal können sie dem Gebäude Schaden zufügen. Die Grenzen seien erreicht, wenn es um die Sicherheit oder Eingriffe in die Bausubstanz geht, sagt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland.
  • Auch dürfen die Pflanzen das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes nicht maßgeblich verändern.
  • Blumenkästen dürfen bei Wind nicht vom Balkon fallen. „Die Balkonbepflanzung darf nicht derart überhandnehmen, dass der Balkon überbelastet wird“, so Happ. Sonst gibt im schlimmsten Fall die Statik nach.
  • Auch dürfen ohne die Zustimmung des Vermieters keine Löcher für Befestigungen in die Fassade gebohrt werden. Das kann Teile des Putzes lösen und auch die Wärmedämmung des Gebäudes beschädigen.
  • Einige Rankpflanzen haben eine ähnliche Wirkung wie Schrauben: Die Wurzeln des Efeus zum Beispiel können in Fugen und Ritzen hineinwachsen und die Oberfläche aufreißen.
  • Mieter sollten solchen Pflanzen, die ohne Rankhilfen auskommen, daher auch nicht ohne Zustimmung des Vermieters ein Zuhause geben. Ansonsten könne ihnen Schadenersatz für eine Fassadensanierung drohen, so Happ. (dpa)

 

 

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