05.10.2020 - 17:16 Uhr
BesserWissen

Gartenarbeiten vor dem ersten Frost

Der Herbst mit seinen bunten Blättern ist eine zauberhafte Jahreszeit. Dem Gärtner bringt sie allerdings auch viel Arbeit. Was jetzt noch zu tun ist im heimischen Garten und welche Arbeiten man sich getrost sparen kann, weiß die Gartenexpertin.

Mit seinen karminroten Früchten und Blättern ist das Pfaffenhütchen der „Star“ im herbstlichen Garten.
von Elisa RomfeldProfil

Gärten sind so verschieden wie deren Besitzer - zwischen streng geometrisch angeordnet und wild wuchernd sind alle Abstufungen vertreten. Daher gleich vorneweg: Dieser Artikel kann gar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erfüllen. Dennoch ist die Herbstzeit für jeden Garten und Balkon-Besitzer die arbeitsreichste Zeit im Jahr, besonders wenn Sträucher oder sogar Bäume noch gestutzt werden müssen.

Topfpflanzen

Viele Pflanzen sind hierzulande sehr beliebt, auch wenn sie überwintert werden müssen: Die Schönlilie (Agapanthus) mit ihren markanten blauen Blüten, verschiedene Südfrüchte oder die herrlich pinkfarbene Bougainvillea, die in südlicheren Ländern ganze Pergolen bilden kann. Auch Geranien, Oleander und Klivie (Clivia miniata) sind eigentlich in südlicheren Gefilden beheimatet und müssen noch vor den ersten Nachtfrösten an einen hellen Ort mit durchgehend kühlen Temperaturen eingelagert und nur minimal gegossen werden.

Optimal hierfür sind unbeheizte Wintergärten oder helle Keller. Zugluft sollte ebenso wie große Temperaturschwankungen vermieden werden. Draußen bleiben dürfen alle Topfpflanzen, die winterhart sind: Buchsbaum (Buxus sempervirens), Bauern- und Ballhortensien, Funkien (Hosta) und Lilien. Sind diese jedoch direkt in den Topf gepflanzt oder befinden sie sich in Behältern aus Ton oder Beton, müssen sie auf Füßchen oder auf kleine Holzscheite gestellt werden, damit sie nicht am Boden festfrieren und durch den Frost gesprengt werden. Am besten ummantelt man die empfindlichen Töpfe mit alten Decken und stellt sie geschützt ans Haus, um vor allem die Wassermenge kontrollieren zu können.

Stauden und Rosen

Die weit verbreitete Meinung, man müsse die ein- und mehrjährigen Stauden rigoros abschneiden, ist schon seit langem überholt: Gerne darf Abgestorbenes und Vertrocknetes den Winter über stehen bleiben. Nicht nur, dass Insekten so in den Stängeln von Stockrosen, Ballonblumen, in Gräsern und Flammenblume (Phlox) überwintern können, auch der Gartenbesitzer hat seine Freude, wenn der Raureif die wilde Karde schmückt oder Hortensien eine weiße Schneehaube bekommen.

Die Blätter zersetzten sich in der stillen Jahreszeit, schützen den Boden vor dem Austrocknen und bilden im Frühjahr dann den Humus für das neue Gartenjahr. Wer es dennoch "aufgeräumt" mag in seinem Garten, sollte aber die fette Henne (Sedum-Art), Astern und die Löwenmäulchen (Antirrhinum) stehen lassen - sie mögen es nicht, vor dem Frühling gestutzt zu werden.

Auch Ball- und Bauernhortensien sollten den Winter über unangetastet bleiben. Letztere werden dann erst im Frühling zirka 30 Zentimeter über einer Doppelknospe zurückgeschnitten, die Rispen- und Ballhortensien vertragen es kürzer. Die niedrigen Strauchrosen bedürfen keiner größeren Aufmerksamkeit, die Edelrosen hingegen müssen vor den ersten kalten Nächten mit Erde bis zur Veredelungsstelle angehäufelt und zusätzlich mit Reisig oder Laub geschützt werden.

Sträucher

Der Herbst ist eine beliebte Jahreszeit, um die Sträucher wieder in Form zu bringen. Manche vertragen einen Radikalschnitt, so darf beispielsweise die Weigelie auf Stock zurückgeschnitten werden, Spieren (Spiraea-Arten), Kornelkirsche (Cornus mas), Bauernjasmin (Philadelphus coronarius) und Haselnuss (Corylus colurna) sogar handbreit über den Boden. Sie treiben dann im nächsten Jahr wieder aus, wenngleich manche dann eine Blühpause einlegen.

Ist man sich nicht sicher, ob ein unbekannter Strauch diesen Radikalschnitt verträgt, bekommt er wieder eine schöne Form, wenn man lediglich alte und tote Triebe herausnimmt und nur wenige junge stehen lässt, die jedoch auch unten aus einem älteren Ast hervorkommen können. Alle Zweige auf eine Höhe einkürzen und im nächsten Jahr steht der Strauch wieder luftig und wie neu gekauft da. Der Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) kann von seinen alten Blütenständen befreit werden, damit er sich nicht im Garten verbreitet. Seinen radikalen Schnitt erhält er aber erst im Frühjahr, da er nur am einjährigen Holz seine Anziehungskraft für Schmetterlinge entwickelt.

Zwiebeln

Der Herbst ist auch die richtige Jahreszeit, um die Zwiebeln der bekannten Frühlingsblüher wie Krokus, Narzissen, Frühlings-Alpenveilchen und Tulpen zu setzen. In Gruppen gepflanzt mit etwa zehn Zentimetern Abstand wird man dann schon im März mit den ersten Farbtupfern belohnt. Sind alle Möbel abgedeckt, die Gartenwerkzeuge aufgeräumt und die Lieblinge ins Haus gebracht, kann die ruhige Zeit kommen. Bis auf gelegentliches Gießen der winterharten Topfpflanzen draußen und der noch reduzierteren Wassergabe für die empfindlichen Pflanzen im Haus, braucht nun nichts mehr getan zu werden. Ein wohlverdientes Gartenjahr geht zu Ende und man darf sich auf den Frühling und auf das erste Grün im neuen Jahr freuen.

Zur Autorin:

Elisa Romfeld ist Gymnasiallehrerin sowie ausgebildet im Garten- und Landschaftsbau. Sie nennt den "schönsten Garten von Sulzbach-Rosenberg" ihr Eigen.

Schönlilie (Agapanthus) und Zitronenbäumchen (vorne) müssen ins Haus, Hibiscus und Buchs (hinten) dürfen auch draußen bleiben, sofern die empfindlichen Töpfe auf "Füßchen" gestellt werden.
Ballhortensien (hier die Sorte Annabell) dürfen ihre Blüten den Winter über behalten - der erste Schnee wird ihnen dann eine weiße Haube zaubern.
Die giftige Herbstzeitlose wird bereits im September als Zwiebel gepflanzt und bereichert auch ohne Blatt das herbstliche Gartenbeet.
Der Herbst ist definitiv die bunteste Jahreszeit im Garten: Neben Fetter Henne und Astern (vorne) geben Ballonblume (gelbes Laub), Herbstanemonen und Phlox ihre Farbtupfer hinzu

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Das Pfaffenhütchen

Mit seinen auffällig karminroten Früchten und Blättern ist das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) der "Star" im herbstlichen Garten. Wenn dann aus den Früchten die orangefarbenen Samen herausblitzen und das kantige Gehölz ins Auge fällt, wird das Pfaffenhütchen zum leuchtenden Hingucker. Seinen Namen verdankt der giftige Spindelstrauch, wie er auch genannt wird, übrigens genau diesen roten Kapselfrüchten, die an die vierkantige Kopfbedeckung katholischer Geistlicher, der "Pfaffen", erinnert. (ero)

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