03.12.2020 - 05:26 Uhr
BesserWissen

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Was essen Pflanzen? Nichts, würde die meisten auf diese Frage antworten. Aber es gibt auch fleischfressende Pflanzen. Auf deren Speisekarte stehen beispielsweise Insekten. Wie werden die gefangen?

Wie fleischfressende Pflanzen ihre Beute verschlingen, ist faszinierend mitanzusehen. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Insekten. Foto: Andrzej Grygiel/epa pap/dpa-tmn
von Agentur DPAProfil

Leipzig (dpa/tmn) - Eine Pflanze, die Fleisch frisst, klingt paradox und zugleich faszinierend. Man stellt sich Blumen vor, die Insekten verschlingen. Und die Bilder, die der Begriff „fleischfressende Pflanze“ im Kopfkino auslöst, werden von der Venusfliegenfalle bestätigt.

Diese zu den sogenannten Karnivoren zählende Pflanze bildet eine Klappfalle mit stachelförmigen Fühlborsten an den Rändern der beiden Fangblätter. „Bei Berührung dieser Borsten schnappt die Falle zu“, erklärt Mario Winkler, Karnivorengärtner und -sammler aus Leipzig. Dank dieses zirkusreifen Tricks ist diese ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanze zu einer beliebten Zimmerpflanze geworden.

Und auch einige andere Arten von fleischfressenden Pflanzen werden wegen ihrer sehr dekorativen Fangorgane gern auf der Fensterbank kultiviert. Winkler bezeichnet diese Pflanzengruppe als Spezialisten. „Sie haben sich an ihren Standort angepasst.“

Als Grund für die ungewöhnliche Nahrungsquelle dieser Pflanzen nennt auch Thomas Gronemeyer den Standort dieser Pflanzen. Sie wachsen durchweg auf nährstoffarmen Böden, beziehungsweise in Gewässern oder auf Bäumen. Gronemayer ist Vorsitzender der Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum. Der Düsseldorfer Experte sagt, dass die fleischfressende Lebensweise den Pflanzen einen Überlebensvorteil verschafft.

Was fressen fleischfressende Pflanzen eigentlich?

In unseren Breiten wachsen beispielsweise verschiedene Arten des Sonnentaus in Mooren. Diese Karnivore lockt Insekten mit einem Sekret an, dass sie an eng nebeneinanderstehenden Tentakeln auf den Blättern absondert. Diese Tröpfchen schillern auffällig im Sonnenlicht.

Wenn ein Beutetier an die Tentakel kommt, bleibt es kleben. Die benachbarten Tentakel beugen sich über die Beute, um sie festzuhalten. Mit Hilfe eines Verdauungsenzyms wird die Beute zersetzt und die begehrten Nährstoffe werden herausgelöst.

Entscheidend für den Erfolg mit den gefräßigen Spezialisten ist außerdem die Qualität des Gießwassers. „Sie vertragen Leitungswasser nur kurzzeitig, zum Teil auch gar nicht“, weiß Gronemeyer. Daher rät er dazu, Regenwasser zu verwenden. Ein weiterer Tipp: „Man kann sich auch eine Mischung aus destilliertem Wasser mit einem zehnprozentigen Anteil von Leitungswasser herstellen.“

Neben der Bodenfeuchtigkeit ist die Luftfeuchtigkeit ein wichtiger Standortfaktor. Eine ganze Reihe von Arten stammt aus Nebelwäldern und braucht eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 Prozent. Um diesen Wert zu erreichen, kann man die Pflanzen in ein Terrarium setzen.

Fleischfressende Pflanzen brauchen keinen Dünger

Grundsätzlich raten die Experten davon ab, eine normale Blumenerde als Substrat zu verwenden. „Besser nimmt man ein Spezialsubstrat, das vorwiegend aus Torf besteht“, rät Winkler und erläutert, dass die Karnivoren in Hinblick auf Nährstoffe sehr empfindlich reagieren. Deshalb ist jedweder Dünger tabu.

„Man muss die Pflanzen auch nicht füttern“, sagt Winkler. Natürlich sei es gerade bei der Venusfliegenfalle spannend zu beobachten, wenn die Falle zuschnappt. „Man kann die Falle aber auch mit einem Zahnstocher triggern“, sagt er. Werden die Fallen schwarz, ist das ein normaler Regenerationsprozess. „Nach zwei bis drei Fangzyklen stirbt die Schnappfalle ab und es werden neue gebildet.“

© dpa-infocom, dpa:201202-99-546204/3

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