30.12.2020 - 00:30 Uhr
BesserWissen

Energie-Tankstellen für Meise & Co.

Gerade bei Schnee und Frost nehmen viele Vögel das angebotene Futter im Garten gerne an. LBV-Experte Markus Erlwein füttert sogar das ganze Jahr über. Einige Regeln sind dabei allerdings zu beachten.

Hochbetrieb an der mit Fettkuchen gefüllten Kokosnuss: Wichtig ist unter anderem, die Futterstellen katzensicher anzubringen.
von Christa VoglProfil

Auf der Terrasse herrscht geschäftiges Treiben: Blaumeisen, Kohlmeisen, Spatzen und auch einige Stieglitze haben die frisch aufgefüllten Futterstationen entdeckt. Den Holunderbusch, der ganz in der Nähe seine kahlen Äste in den Himmel streckt, nutzen die Vögel als Basislager. Von dort aus holen sie sich im schnellen Wechsel Samenkörner, knacken sie dann in aller Ruhe auf einem Ast oder fressen sie gleich am Futterhäuschen. Manche laut zwitschernd, manche schimpfend, manche ganz in sich gekehrt. Auch die runden Meisenknödel, Fettkuchen mit darin versteckten Sämereien, Erdnüssen und Haferflocken, sind begehrt und ein beliebter Treffpunkt: Es ist Winterzeit, es ist Vogelfütterungszeit.

Auch Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein hat in seinem Garten verschiedene Futterstellen für die Vögel eingerichtet: ein Silo mit Sämereien, verschiedene Behältnisse mit Fettkuchen und einen übersichtlichen Futterplatz am Boden für Amseln, Drosseln und Co. Ein kleines Paradies für Wintervögel.

Anderes Futter im Sommer

Nur für sie? "Ich füttere die Vögel das ganze Jahr über", sagt Erlwein, LBV-Pressesprecher für Bayern und Gartenbesitzer. "Die Meinungen zu diesem Thema gehen nicht mehr auseinander. Studien haben gezeigt, dass man den Vögel winters wie sommers Futter anbieten darf." Damit mache man nichts verkehrt. Im Sommer unterscheide sich natürlich das Futterangebot, der Bedarf sei ein anderer.

Doch warum sollen Vögel überhaupt gefüttert werden? "Weil es Spaß macht, es macht gute Laune", erklärt der Vogelexperte. Im Corona-Lockdown und dem oft trüben, grauen Winterwetter sei es "einfach schön", die Tiere zu beobachten und dabei auch zu lernen. "Man holt sich mit Blaumeise, Rotkehlchen oder Grünfink Farbe ins Haus." Und: "Es schadet den Vögeln nicht."

Vogelleben leichter machen

Aber ist es denn nicht so, dass man sie durch die Winterfütterung vor dem Hungertod rettet? Markus Erlwein schüttelt den Kopf. "Die Vögel werden auch ohne uns Menschen immer genügend Nahrung finden. Das haben sie über Jahrtausende hinweg geschafft, das schaffen sie auch weiterhin." Allerdings würden die Futterstellen im Garten ihr Leben natürlich leichter machen. "Ein Vogel verliert im Winter, wenn es kalt ist, während der Nacht bis zu zehn Prozent seines Körpergewichts. Er muss also am Morgen dafür sorgen, seine Energiereserven möglichst schnell wieder aufzutanken." Mit den Futterstellen sei das einfach und schnell möglich. Vögel seien "ja nicht dumm". "Sie fliegen dorthin, wo sie Futter leicht bekommen." Aber: Falls es keine menschengemachten Futterstellen gebe, müssten sie eben "herumfliegen" und nach Futter suchen. Das sei natürlich aufwendiger und koste Zeit und viel Energie.

Unterschiedliche Vorlieben

Gerade im Winter sei Energie kostbar und für die Vögel leicht einzusparen, wenn sie ein entsprechendes Futterangebot in den Gärten vorfänden. Mit "Futterangebot" meint der LBV-Experte übrigens nicht ausschließlich Sonnenblumenkerne. Denn: "Sonnenblumenkerne sind zwar super für Körnerfresser, also zum Beispiel alle Meisen- und Finkenarten. Doch nicht alle Wintervögel haben die gleichen Fressgewohnheiten und Vorlieben." Zum Beispiel würden Kleiber und Spechte Fett- oder Energiekuchen zwar als Leckerbissen schätzen. Sie mögen ihr Futter jedoch am liebsten an der Rinde eines Baumes oder in einem Futterholz und gehen nicht an hängend angebrachte Meisenknödel.

"Auch Weichfutter, ein Gemisch aus Rosinen und Haferflocken, ist begehrt: Damit lädt man sich Amsel, Drossel oder Rotkehlchen ein." Diese Vogelarten fliegen aber Futtersilos nicht an, da sie bevorzugt am Boden fressen.

Katzen auf der Pirsch

Auch hier gilt es einiges zu beachten. Vor allem sollte das Futter "nicht einfach so auf den Boden gestreut werden", erklärt Erlwein. Denn gerade Katzen fühlten sich von solchen Fütterungsstellen magisch angezogen. "Ich wohne in einer Reihenhaussiedlung am Stadtrand von Nürnberg", erzählt der 44-Jährige, "und da gibt es wirklich massig Katzen. Die ziehen Tag für Tag durch die Gärten." Immer aufmerksam, immer auf der Suche nach einem Leckerbissen.

Aber man könne für die Sicherheit der Vögel etwas tun, so der Vogelexperte: "Katzen dürfen sich in unmittelbarer Nähe des Futterplatzes nicht verstecken können. Die Stelle muss gut ausgesucht sein, nur dann sind die Vögel einigermaßen geschützt." Denn: Wenn der Platz gut einsehbar ist, dann wird die Katze zumindest von einem der Vögel am Futterplatz bemerkt. Er setzt einen Alarmruf ab, danach fliegen die Vögel wie auf Kommando davon. Zumindest in den nächsten Strauch oder Baum.

Auf Hygiene achten

Doch Katzen sind nicht die einzigen Feinde der Vögel. Mangelnde Hygiene an den Futterstellen führt oft zur Ausbreitung von Krankheitserregern, die ihnen gefährlich werden. "Gerade in den herkömmlichen Futterhäuschen wird das Futter oftmals feucht oder vermischt sich mit dem Kot der Vögel." Das sei ein potenzieller Herd für die Verbreitung von Krankheiten, so Erlwein.

Nach Möglichkeit sollten diese Häuschen nur mit dem Tagesbedarf an Futter bestückt und regelmäßig ausgefegt werden. Und eine weitere Sache liegt dem Vogelliebhaber am Herzen: "Bitte Wasser nicht vergessen! Auch im Winter brauchen die Vögel Wasser, die Vogeltränke ist das ganze Jahr über gut. Am besten einen Stein reinlegen, dann friert das Wasser nicht so schnell."

Sobald nun all diese Punkte - Hygiene, Futtervorlieben, Sicherheit - umgesetzt sind, ist es endlich soweit: Der Vogelfreund darf sich hinter die Gardine seines Wohnzimmerfensters zurückziehen, um gespannt zu verfolgen, welche Wintervögel sich im Garten einfinden. Und natürlich auch wie viele.

Tipps zum Pflanzenanbau

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Service:

Vogelfutter selbst gemacht

So lässt sich günstiges Futter herstellen, das die meisten Vögel mögen:

  • Rindertalg wird klein geschnitten und erhitzt.
  • Nach dem Ausschmelzen des Fetts wird etwa die gleiche Menge Weizenkleie untergemischt.
  • Ein Schuss Salatöl sorgt dafür, dass das Ganze bei Kälte nicht brüchig wird.
  • Die Masse kann man in einen Blumentopf füllen, in den vorher ein Stab gestellt und ein Stückchen durch das Bodenloch gezogen wird.
  • Ist das Futter erkaltet, kann man den Topf kopfüber am Stabende aufhängen. Am längeren Stabende können sich die Vögel beim Fressen festhalten. (dpa)
Hintergrund:

"Stunde der Wintervögel"

Vom 8. bis 10. Januar findet die „Stunde der Wintervögel“ statt, eine Aktion, die der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) seit 2005 jährlich veranstaltet. Dabei werden eine Stunde lang die Vögel, die vor dem Fenster, am Balkon, oder im Garten vorbeifliegen, gezählt und gemeldet.

Auf www.lbv.de gibt es zur „Stunde der Wintervögel“ eine Anleitung zum Zählen, einen PDF-Download des Meldebogens und weitere Informationen zur Aktion. Die Meldung der Sichtungen ist bis 18. Januar möglich.

Die Aktion steht dieses Jahr unter dem Motto „Hinschauen bildet!“, denn durchschnittlich kennen Schulkinder in Bayern nur noch vier der zwölf häufigsten heimischen Vögel. „Am besten“, so rät Markus Erlwein, „schon mal Stift und Zettel bereit legen.“

In herkömmlichen Futterhäuschen wird das Futter oft feucht oder vermischt sich mit dem Kot der Vögel – ein potenzieller Herd für die Verbreitung von Krankheiten.
Auch Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz: „Ein Vogel verliert im Winter, wenn es kalt ist, während der Nacht bis zu zehn Prozent seines Körpergewichts. Er muss also am Morgen dafür sorgen, seine Energiereserven möglichst schnell wieder aufzutanken.“
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