08.12.2017 - 11:56 Uhr
Oberpfalz

Wohnungsbau in Amberg wächst wegen Flüchtlingen und Studenten: "Turbo-Bauen", aber für Sinnvolles

Die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt macht in einer Presseinformation darauf aufmerksam: In Amberg herrscht das "Turbo-Bauen". Wenngleich es ihr um einen anderen Kontext geht, nennt sie allein für 2016 einen Anstieg im Wohnungsbau von 75 Prozent. Klingt gewaltig und ist fast richtig.

Das Studentenwohnheim an der Ecke Sechser-/Balanstraße (linkes Bild) und 35 neue Flüchtlingswohnungen in einem eigens dafür in Privatinitiative erstellten Gebäude an der Schlachthausstraße (rechts) sind ein Hauptgrund für den 2016 gesteigerten Wohnungsbau in Amberg. Bild: Hartl
von Thomas Amann Kontakt Profil

Die IG Bau beruft sich in ihrer Meldung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach sollen 156 Wohnungen neu gebaut worden sein, was im Vergleich zum 2015 eine Steigerung um drei Viertel bedeute. Die Stadt kommt sogar auf eine noch höhere Zahl - 169 -, hat aber auch eine Erklärung für diesen Zuwachs parat. Er liegt nach Auskunft von Pressesprecherin Susanne Schwab im Wesentlichen in zwei Projekten begründet, die Amberg gleichermaßen gut zu Gesicht stehen.

Das eine ist der Bau von neuen Flüchtlingswohnungen in der Schlachthausstraße an der Einmündung zum Schießstätteweg. Allein hier sind in einem modernen Gebäude durch Privatinitiative 35 Einheiten entstanden. Das macht den einen Teil der Steigerung aus, die sich auf insgesamt 59 Wohnungen summiert. Der andere von eben 24 ist ein neues Studentenwohnheim. Es steht an Ecke Sechser-/Balanstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ostbayerischen Technischen Hochschule und wurde ebenfalls 2016 errichtet.

Allein aus diesen zwei Gebäuden ergibt sich der signifikante Zuwachs, den die IG Bau erkannt hat. Obwohl die Zahlen von Gewerkschaft und Stadt differieren, ist der Hinweis darauf mit dem genannten Hintergrund nicht uninteressant. Zumal Schwab betonte, dass in Amberg zuletzt im Schnitt jährlich rund 100 Wohnungen neu entstanden beziehungsweise fertiggestellt wurden.

Gemessen daran muss die Gewerkschaft 2016 zwar eher mit einem anderen Jahr verglichen haben, aber der Aufschwung des Wohnungsbaus ist dennoch deutlich spürbar. Darum geht es der IG Bau auch: Zu spüren im wahrsten Sinn des Wortes bekämen ihn vor allem die Beschäftigten der Baubranche. Sie liefen Gefahr, in enormen Stress zu geraten. Die Unternehmen fordert die Gewerkschaft auf, unter dem Druck von Nachfrage und geforderten Fertigstellungen, die Arbeitssicherheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

"Wer in einer Höhe von fünf Metern oder mehr auf einer Leiter arbeitet, der riskiert eine Menge. Besser ist da ein Gerüst - auch wenn es den Chef mehr kostet", wird Bezirksvorsitzender Christian Lang in der Pressemitteilung zitiert. Nach seinen Worten sind die Unfallzahlen in der Branche "nach wie vor zu hoch". Rund 22 000 meldepflichtige Arbeitsunfälle auf bayerischen Baustellen habe die gesetzliche Unfallversicherung allein im Vorjahr registriert.

 

 

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